DAS SAGEN DIE KÖPFE HINTER DEN APPS

Nachgefragt: Was bedeutet das iPhone OS 4.0 für Entwickler?

09.04.10 | 17:58 Uhr - von
(Bild: Apple)

Anlässlich der Vorstellung des neuen iPhone OS bat maclife.de ausgewählte Entwickler nach ihrer persönlichen Einschätzung der in Aussicht gestellten Neuerungen. Besonders ausführlich bezog Alexander Repty Stellung zur kommenden Generation des iPhone-Betriebssystems, wie kommt das neue OS bei den Entwicklern an?

Alexander Repty zum neuen iPhone OS

Als iPhone-Entwickler freue ich mich über jede Ankündigung von Apple über eine neue Version des iPhone OS – fast wie ein kleines Kind an Weihnachten. Jede neue Version bringt eine große Anzahl an neuen Entwicklungsschnittstellen und Features, die von Entwicklern wie neues Spielzeug aufgenommen werden. Auch iPhone OS 4.0 hat in dieser Hinsicht nicht enttäuscht.

Multitasking

Aus Anwendersicht hatte ich lange Zeit Bedenken, dass Multitasking für Apps von Drittanbietern zu einer schlechteren Benutzererfahrung führen könnte. Als Entwickler hingegen hatte ich Bedenken, dass dieses Feature einen großen zusätzlichen Aufwand für mich bedeutet, da sich mehrere Apps die verfügbaren Ressourcen wie Prozessor und Hauptspeicher teilen müssen und so weniger Ressourcen für die aktive Applikation bereitstehen.

Mit der neuen Version vom iPhone OS hat Apple es jedoch geschafft, dieses Feature sorgenfrei sowohl für den Endanwender als auch den Entwickler zu implementieren. Da Apple nur einen kleinen Kreis an Funktionen wie Audio-Streaming, GPS und VoIP im Hintergrund erlauben und das Betriebssystem einen Teil der Funktionen selbst verwaltet, sind die Auswirkungen sowohl für Benutzer als auch für Entwickler minimal. Anwendungen, die keine dieser Funktionen benutzen, werden komplett angehalten und können an der Stelle, an der sie verlassen wurden, wieder fortgesetzt werden. Alles in allem stellt Multitasking eine willkommene Neuerung für alle Parteien dar.

Lokale Benachrichtigungen

Wollte man als iPhone-Entwickler dem Benutzer bisher Nachrichten zu festgelegten Zeitpunkten zukommen lassen, so blieb einem nichts anderes übrig als dies relativ umständlich über Push-Benachrichtigungen zu lösen. Dieser Schritt ist allerdings auch kostenintensiv, da man hierfür einen eigenen Server benötigt, der zu festgelegten Zeitpunkten die Push-Nachrichten über Apples Server an das iPhone leitet. Außerdem ist der Ansatz fehleranfällig, da das Gerät eine bestehende Verbindung zum Internet benötigt.

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Mit lokalen Benachrichtigungen hat Apple eine große Anzahl an möglichen Fehlerquellen eliminiert und es den Entwicklern noch eine Ecke leichter gemacht, derlei Funktionalität in ihren Anwendungen zu implementieren. Für den Anwender unterscheiden sich diese Benachrichtigungen nicht von der bekannten Push-Methode, so dass Entwickler getrost auf diese neue Schnittstelle setzen können.

Kalender

Was wären Benachrichtigungen, die für die Auslieferung zu einem bestimmten Zeitpunkt vorgesehen sind, ohne den Zugriff auf den systemeigenen Kalender? Ein Punkt, den iPhone-Entwickler seit dem Erscheinen des SDKs vor gut zwei Jahren schmerzlich vermissten war die Möglichkeit, Einträge des systemweiten Kalenders zu lesen und zu schreiben. Nur mit vielen Umwegen war es in der Vergangenheit möglich, einige Funktionen zumindest ansatzweise selbst zu implementieren. Mit dem Zugriff auf den Kalender eröffnet Apple ein riesiges Tor für eine große Anzahl neuer Apps, und ich bin jetzt schon gespannt auf die vielen neuen Ideen, die andere Entwickler für Ihre Apps haben werden.

iAd

Eine Diskussion, die unter Entwicklern immer wieder stattfindet, dreht sich um das Geschäftsmodell hinter Apps. Gab es zu Zeiten von iPhone OS 2.x nur die Möglichkeit eine Lite- sowie eine separate Vollversion in den App Store zu stellen, so hat Apple mit OS 3.x Entwicklern das „Store Kit“ an die Hand gegeben, welches dafür sorgte, dass man die App kostenlos in den App Store stellen konnte mit der Möglichkeit, weitere Funktionalität über In-App-Purchasing anzubieten.

Blieb lediglich die Frage, ob die kostenlose Variante eine eingeschränkte Demo mit weniger Funktionen beziehungsweise Levels sein sollte oder ob man auf das durch Werbung unterstützte Modell ausweichen sollte. Hierbei blieb es an dem Entwickler hängen, sich einen Werbepartner zu suchen und diesem zu vertrauen, auch nur Werbung bereitzustellen, die moralisch nicht zu beanstanden ist. Außerdem hatte der Entwickler dadurch den Aufwand, mit mindestens einem weiteren Partner abzurechnen. Zudem kamen noch die während der Vorstellung von OS 4.0 angesprochenen Probleme hinzu, beispielsweise, dass häufig bei Interaktion mit dem Werbebanner die App geschlossen wurde, um die Webseite des Werbenden in Safari zu öffnen.

All diese Kritikpunkte will Apple mit iAd beseitigen, so dass Entwickler für kostenlose, durch Werbung unterstützte Apps auf eine zentrale Schnittstelle und einen Abrechnungspartner bauen können. Wenn Apple bei den Werbepartnern außerdem seine strenge Qualitätskontrolle durchsetzt, kann sich der Entwickler sicher sein keine zweifelhaften Werbeeinblendungen in den eigenen Apps zu haben. Wenn Apple außerdem noch Recht behält und die Klickrate durch bessere Werbung erhöht wird, so profitieren Entwickler in diesem Punkt vermutlich zusätzlich.

Werbung jedoch ist ein sensibles Thema und nicht jeder Entwickler wird diesem Feature wohlgesonnen gegenüberstehen. Beispielsweise wären die technischen Möglichkeiten gegeben, um stark gezielte Werbung (beispielsweise an Hand der GPS-Position oder anderer installierter Apps - siehe Genius) auszuliefern. Dies heißt nicht, dass Apple solche Informationen auch nutzt, jedoch werden Entwickler die Sorgen um die Privatsphäre ihrer Nutzer haben, iAd unter Umständen kritisch gegenüber stehen und auf Distanz bleiben.

Game Center

Gegen Ende des Jahres, vermutlich zeitgleich mit Einführung von iPhone OS 4.0 für das iPad, wird Apple den neuen Online-Spiele-Dienst Game Center starten, der stark an die von Konsolen bekannten Dienste Xbox Live und PlayStation Network erinnert. Gab es bisher noch eine Reihe von Drittanbieter-Diensten wie OpenFeint und Plus+ zu diesem Thema, so will Apple mit Game Center diesen Bereich komplett unter seine Kontrolle bringen und unter einem Dach verwalten, was dem Endanwender durchaus entgegen kommen dürfte.

Für Entwickler stellt sich in Zukunft also nicht mehr die Frage, auf welchen Dienst sie für Funktionen wie beispielsweise Online-Highscorelisten setzen sollten und zumindest OpenFeint hat bereits angekündigt, Game Center voll zu unterstützen und gegebenenfalls den Umzug von OpenFeint zu Game Center zu ermöglichen.

Fazit

Wieder einmal bietet Apple den Entwicklern mit einer neuen Version des Betriebssystems ausreichend Schnittstellen, um die eigenen Apps mit einer Vielzahl weiterer, interessanter Funktionen zu versehen. In der Entwicklergemeinde sind zwar die Meinungen über Dienste wie iAd gespalten, jedoch war dies bei einem Thema wie Werbung auch zu erwarten. Mit dem Game Center hat Apple wieder einmal gleich eine ganze Palette an Drittanbieter-Software überflüssig gemacht, das Thema jedoch für die übrigen Entwickler und Anwender einfacher gestaltet.

Interessant wird in Zukunft die Adaption der neuen Features. Sicherlich werden Features wie Multitasking schnell ihren Weg in die Anwendungen finden, allerdings darf man gespannt sein wie iAd aufgenommen und eingesetzt wird.

Alexander Repty

Das sagt Sirach Lotz „iPhone OS 4 bringt viele spannenden Features mit sich, manche jeodch sehe ich skeptisch! Besonders der iAd-Plattform stehe ich als Entwickler zwiegespalten gegenüber. Auf der einen Seite wird Werbung von vielen Nutzern als negativ angesehen, auf der anderen Seite ist es so, dass wenn jemand etwas stil-und sinnvoll umsetzen kann man bei Apple an der richtigen Adresse ist. Man muss aber davon auszugehen, dass wir durch iAd wesentlich mehr Werbung als bisher auf dem iPhone sehen werden, besonders in kostenlosen Apps. Ob das die Nutzer wollen, sei dahingestellt. Ob sie eine Wahl haben, wage ich jedoch zu bezweifeln, da es den Entwicklern sehr leicht gemacht wird, iAds zu integrieren.Steve Jobs zeigte sich während der Präsentation angriffslustig und streute zahlreiche Seitenhiebe gegen Flash und Google ein. Das mag man noch als heiter und für den Endnutzer noch als förderlich sehen (Konkurrenz belebt das Geschäft), allerdings hört für mich der Spaß auf, wenn für Apples Wachstum Projekte „gesteved“ werden. So geschieht es mit mobilen Werbeplattformen für das iPhone wie beispielsweise AdMob und mit Social-Gaming-Netzwerken wie OpenFeint, Crystal und Plus+, die keine Chance gegen die Vorteile von Apple als Plattformbetreiber und Hersteller haben.Die weiteren Enduser-Features begrüße ich sehr. Besonders Multitasking und die Neuerungen in Mail waren spätestens jetzt fällig. Erstaunlich finde ich zudem, dass das iPhone OS 4.0 erst im Herbst für das iPad kommen soll. Das bedeutet für Entwickler ab Sommer (wenn das iPhone aktualisiert wird), dass zwei unterschiedliche Systeme betreut werden müssen, wenn man Apps für iPad und iPhone entwickeln möchte.

Sirach Lotz, iPhone-Softwareentwickler (vancapy.de) und cocoahead in Bremen. Seine Apps lassen sich unter diesem Link im App Store finden.
Das sagt Aral Balkan „iPhone OS 4.0 hat das Potential, genau so revolutionär zu sein wie das erste iPhone - und wenn auch nur, weil es das erste Mal ist, dass Multitasking korrekt auf einem Mobiltelefon implementiert wurde. Die Abfrage von Positionsdaten im Hintergrund allein reicht aus, um positions-basierte Anwendungen im Bereich soziale Netzwerke und Augmented-Reality zu revolutionieren. Es ist schade, dass dieses wunderschöne Betriebssystem und die Ankündigung von den Restriktionen in Sektion 3.3.1 der Entwickler-Vereinbarung überschattet wurde. Diese könnte Entwickler davon abhalten, Flash CS5, Appcelerator Titanium oder das immens beliebte Unity3D zu benutzen, um iPhone-Applikationen zu erstellen.“

Aral Balkan, iPhone-Softwareentwickler. Seine App lässt sich unter diesem Link im App Store finden.

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