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alex’ augenmerk: Der Kampf um Aufmerksamkeit

19.02.11 | 09:59 Uhr - von Alexander Olma
(Bild: Olma/falkemedia)

Gerade einmal vier Tage liegt Apples Ankündigung über ein App-Store-Abomodell zurück. Was diese schmalspurige Pressemitteilung jedoch an Gesprächsthemen und Reaktionen auslöste, passt auf keine Kuhhaut. Vor zwei Wochen feierte man noch ‘Die Zeitung der Zukunft’, heute spricht man vom gierigen Nachbarskind, das viel zu tief in die Süßigkeitentüte greift.

Eigentlich war doch alles so einfach. In einer naiven Vorstadt-Idylle spielte Apple im Jahr 2010 den jugendlichen Zeitungsausträger. Bei Wind und Wetter gabelte dieser täglich bedruckte Papierberge der Verleger auf, und lieferte diese von Haustür zu Haustür. Wie selbstverständlich bekam er dafür ein unverbindliches Schulterklopfen. Die Anwohner zahlten direkt in die Kasse des Herausgebers. Das ist zwar umständlich, weil dieser nicht direkt nebenan wohnt und bei einem Besuch anstrengenden Smalltalk einfordert, bis dato war dies jedoch die schlicht und ergreifend einzige Bezahl-Möglichkeit. Mittlerweile entwuchs der Zeitungsjunge jedoch seiner Pubertät und bringt das eingespielte System durcheinander. Er kassiert direkt an der Haustür ab - ohne Verpflichtungen und ohne Sperenzchen. Gleichzeitig bewirbt er bei seiner Zustellung auch noch andere Magazine, die ihm der Verleger zusätzlich in die Tasche steckt. Am Ende des Tages entsteht so aus einer ganzen Menge bedrucktem Papier eine noch größere Menge Geld.

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Doch wollen wir dieses blumige Schaubild nicht überstrapazieren, auch wenn es die entscheidende Frage dadurch in den Fokus rückt: Was darf eine solche Dienstleistung, wie sie der Zeitungsknabe anbietet, kosten? Apple verlangt 30 Prozent und deckelt damit Kreditkarten-Gebühren, Server- und Download-Kosten sowie Werbeaufwendungen und Support-Anfragen. Was die Verleger derzeit bereit sind dafür zu zahlen, hat bislang niemand konkret formuliert. Ist es legitim, eine vergleichende Kostenaufstellungen über die identischen Print-Produkte mit ihren LKW-Transporten und Kiosk-Verkäufen zu verlangen?

Einsitzer oder Tandem

Fest steht, dass beide Parteien im gemeinsamen Boot rudern. Oder etwa nicht? Apple verkauft mit dem restlichen App-Store-Katalog auch sonst genügend iPads. Zeitungen sind im Netz mit einem Online-Auftritt vertreten. Wann ist der Zeitpunkt erreicht, sich an die eigene Nase zu fassen, wenn kein rentables Werbe- oder akzeptiertes Bezahlsystem etabliert werden kann?

Es verwundert, dass man anscheinend erst jetzt, nach der formalen Ankündigung, den Elefanten im Raum entdeckt. Zugegen: Die App-Store-Richtlinien stellen sich weitgehend wandelbar auf. Sie versprachen jedoch nie, eine kostenlose Werbe- und Vertriebsplattform zu sein. Bislang drückte Apple zwei Augen zu und ließ das System wild wuchern. Ob das gerecht oder fair war, soll jeder für sich selbst entscheiden. Die ‘Spielregeln’ stehen jedoch seit einigen Monaten fest. Seit Dienstag wird lediglich über die Konditionen diskutiert.

Apropos Diskussion, apropos Dienstag: Das eine solche Ankündigung nicht durch reinen Zufall genau am zweiten Tag des ‘World Mobile Congress’ aus der Datenbank rutscht, dürfte einleuchten. Während sich die Apple-Konkurrenten allesamt in Barcelona um Aufmerksamkeit bemühen, hat die zeitliche Platzierung dieser Cupertino-Pressemitteilung ihren Effekt als Nebelkerze weit über seine Maßen hinaus erfüllt.

Flakfeuer

Trotzdem: Apples Vorstoß ist radikal und bricht mit konventionellen Mustern. Den Nutzern die eigenständige Entscheidung über seine Daten zurückzugeben, scheint für Inhaltsanbieter inakzeptabel. Bei mir drängt sich durch den Sturm dieser Entrüstung aus Verlegerkreisen dabei die Frage auf, welchen Wert das kleine Kreuz für die Klausel der Datenweitergabe auf den beliebten Probeabo-Karten wirklich besitzt.

Ohne Frage: Apple verzeichnet derzeit die größten Verkaufsraten für Tablet-Computer und hält mit iTunes den digitalen Musikmarkt im Würgegriff. Nichtsdestotrotz existieren weiterhin alternative Streaming-(Musik-)Dienste, Zeitungs- und Bücher-Abos sowie andere Film-Plattformen. Das man diese Inhalte zu den identischen Konditionen auch im App Store sehen möchte, scheint nachvollziehbar. Ungeachtet dessen ist das Verlust-Risiko jedoch hoch: Jeder einzelne App-Rückzug ohne vergleichbare Web-Ergänzung wäre eine herbe Einbuße für den digitalen Store. Ein Kräftemessen auf Kosten der Nutzer?

Googles ‘One Pass’, ebenfalls mit einer Ankündigung in dieser lebhaften Woche, scheint sich preislich flexibler aufzustellen. Lediglich 10 Prozent an Abgaben sollen einbehalten werden. Die Nutzerdaten nehmen der Einfachheit zuliebe gleich beide Parteien mit. Der Kunde steht vorerst ohne Mehrwert da.

Die Diskussion ließe sich noch über unzählige Absätze mit offenen Fragen weiter ausführen. Ich setze hiermit jedoch (vorerst) meinen Schlusspunkt unter diese Debatte und damit auch diese Woche. Warten wir gemeinsam die Entwicklung ab oder geht die Diskussion in den Kommentaren weiter?

Wer ist Alexander Olma? Alexander Olma verSchrieb sich bereits vor über vier Jahren dem iPhoneBlog.de, das er mittlerweile hauptberuflich als ‘Ein-Mann-Show’ mit täglich neuen Text-, Foto-, und Video-Inhalten füttert. Als freier Journalist arbeitet er außerdem für diverse Online- und Print-Angebote und nimmt an (Video-)Podcast-Projekten teil.

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Bild von hochzeit520

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