Test: Pioneer S-DJ08

Beat 9.2011 - von Henning Schonvogel

S-DJ08

Bewertung:
sehr gut (5.5)
Preis: 899 Euro
Webseite:
Hersteller: Pioneer
Alternative: Yamaha HS-80M 616 Euro, KRK RP-8 G2 Rokit 666 Euro
stabiler Aufbau
vielseitige Anschlüsse
leichte Bedienung dank Fernbedienung
wuchtige Tiefenabbildung
EQ hilft im Höhenbereich
breiter Sweetspot
subjektiv voller Bassbereich
Eckdaten:
• Zweiwege-Aktivlautsprecher
• Einzoll-Weichkalotten-Hochtöner
• 8-Zoll-PP-Konus
• 70/170 Watt für Höhen und Bässe
• Frequenzgang: 43 Hz – 26 kHz (-10dB)
• Bi-amp-Design
• Bassreflex-Gehäuse
• XLR-, Klinken- & Cinch-Anschlüsse
• Raum-Equalizer
• inklusive Fernbedienung

 

Pioneer genießt speziell bei DJs einen sehr guten Ruf. Mit innovativen Konzepten und hoher Qualität konnte das Unternehmen bereits in vielen Bereichen dieses Marktsegments punkten – speziell die Mischpulte gelten als legendär. Das S-DJ08-Monitorsystem soll die Produktpalette nun um eine Abhörlösung erweitern. Die Featureliste ließt sich gut und kann dank Fernbedienung auch mit einer wirklichen Neuigkeit aufwarten, die man bei Mitbewerbern vergeblich sucht. Wird der Bau von Boxen damit ein weiteres Spezialgebiet der renommierten Firma?

 

Monumental

Bereits der optische Eindruck des S-DJ08-Systems grenzt sich von herkömmlichen Monitoren gekonnt ab. Mit bulligen schwarzen Gehäusen und silbernen Lautsprechern wird direkt ein Gefühl von purer Kraft vermittelt, die Größe des Woofers weist mit acht Zoll (21cm) auf große Kompetenz im Bassbereich hin. Die Höhen werden durch einen Einzoll-Weichkalotten-Hochtöner abgedeckt. Angetrieben werden die Lautsprecher durch getrennte Vorverstärker. Diese bieten 70 Watt für hohes sowie 170 Watt für tieffrequentes Klanggut, mehr als genug für Heimanwendungen und kleine Studios. Ein Bassreflexloch unterstützt den Woofer zusätzlich – seine klangliche Ausrichtung wird somit bereits ohne Hörtest klar.

Eingangsseitig wurde ebenfalls geklotzt statt gekleckert: Neben zwei unsymmetrischen Cinch-Anschlüssen stehen symmetrische XLR- und Studio-Klinkenbuchsen bereit, zwischen denen durch rückseitige Schalter gewechselt werden kann. Die gerade aktiven Eingänge werden auf der Front via LEDs angezeigt, Verwirrung ob des Routings wird im Keim erstickt. Als weitere Bedienelemente finden sich auf der Rückseite Schalter und Regler für den integrierten Raum-Equalizer sowie Netz und Standby. Letzterer hilft, Strom und Geld zu sparen, eine ökologisch sinnvolle Erweiterung. Der bei Boxen dieser Klasse obligatorische Equalizer bietet ein Höhen- sowie Tiefenband, die Signale um ±6 dB anheben und absenken können. Der Frequenzgang reicht von 43 Hz bis 26 kHz, der Schalldruckpegel ist mit 119 dB SPL angegeben. Ein besonderes Gimmick ist die kabelgebundene Fernbedienung, die neben einem großen Lautstärkeregler erneut Schalter für Standby, Stummschaltung und Equalizer bietet. Die rückseitigen Einstellungen müssen im laufenden Betrieb somit fast nie geändert werden, was den Arbeitsfluss positiv unterstützt.

 

Klangfragen

Nach kurzem Aufbau, für den neben Audio- und Netzkabeln zwei Verbindungen für die Fernbedienung nötig sind, kann das System in Betrieb genommen werden. Die Equalizer-Potis wurden zunächst in der Mittenstellung belassen, ebenso wie die Lautstärkeregler. Vor dem ersten Hörtest empfiehlt sich ein kurzes Einspielen des Systems, da die Monitore zunächst ein wenig flach daherkommen. Dieses Einspielen ist selbstverständlich nur vor der ersten Benutzung nötig, später sind die S-DJ08 dann direkt einsatzbereit.

Nach der Startphase zeigen sich die Boxen als äußerst durchsetzungsfähig. Die Transientenabbildung ist sehr gut und wird durch den subjektiv schon eher überbetonten Bassbereich bestens unterstützt. Speziell Drumsounds profitieren enorm von dieser Kombination, die Bassdrum ist eigentlich immer vorne. Dank wenig aufdringlicher Höhen wirkt das Klangbild aber trotzdem rund, spitze Percussionelemente wirken somit nicht zu präsent. Mit diesem Verhalten dürften die S-DJ08 bei DJs die eine oder andere Freudenträne hervorrufen, aber auch Produzenten elektronischer Musik können mit dem System viel Freude haben. Der breite Sweetspot lässt zudem auch gemeinsames Arbeiten an Projekten zu, der breite Abbildungsbereich geht allerdings in Verbindung mit den sanften Höhen ein wenig auf Kosten des Stereobildes. Hier hilft der Raum-Equalizer weiter, der dank Fernbedienung bei Bedarf einfach hinzugeschaltet werden kann.

In puncto Mixdown und Mastering zeigen sich die S-DJ08 nicht ganz so kompetent. Hier wirkt der überbetonte, volle Klangcharakter oftmals zu positiv, Pegelfehler und Knackser können somit schon einmal ungehört bleiben. Für diese Anwendungen empfiehlt sich eine kleine Zweitabhöre, die mit ehrlichem Klangbild eine alternative Meinung bereitstellt.

 

Fazit

Mit den S-DJ08 hat Pioneer ein sehr durchsetzungsfähiges System am Start, mit dem speziell Freunde von dicken Bässen viel Spaß haben dürften. Im DJ-Bereich kann das System zudem durch starke Transienten und einfache Handhabung glänzen, Letztere wird speziell durch die Fernbedienung gefördert. Für den Studiobetrieb ist das System allerdings nur eingeschränkt zu empfehlen, da der Wohlklang der Boxen kleine Mischfehler schnell verschleiert. Hier ist die Kombination mit einer zusätzlichen – eher konservativen Lösung – eine gute Idee, um sowohl club- als auch radiotauglich zu bleiben.

 

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