Test: Numark 4TRAK

Beat 708.2012 - von Henning Schonvogel

4TRAK

Bewertung:
sehr gut (6.0)
Preis: 1179 Euro
Webseite:
Hersteller: Numark
Alternative: Denon DN-MC6000 799 Euro, American Audio VMS2 369 Euro, NI Traktor Kontrol S4 899 Euro
stabiles Metallgehäuse
hochwertige Bedienelemente
vorbildlicher Funktionsumfang
Strip-Search-Navigation
Filter- und Effektbank
analoge Gain-, Mix- & Fader-Sektion
als Hardwaremixer nutzbar
Audiointerface
Eckdaten:
• Vierdeck-DJ-Controller
• hochauflösende Jogwheels
• analoger Vierkanal-Mixer
• Strip-Search-System
• Hot-Cue- und Loop-Sektion
• FX-Kommand-Konsole
• 24-Bit-/44,1-kHz-Audiointerface
• austauschbarer Crossfader
• Metallgehäuse
• inkl. NI-Traktor

Den 4TRAK als Flaggschiff zu bezeichnen, ist wahrlich keine Untertreibung. Mit den Maßen 60 mal 38 mal 9 Zentimetern hebt er sich bereits durch seinen Formfaktor gezielt vom Markt ab, das solide Metallgehäuse und die zahlreichen Bedienelemente erinnern eher an die Steuerkonsole eines Raumschiffs als an einen DJ-Controller. Die technischen Daten zeigen sich ebenfalls zukunftsorientiert, speziell die üppige Effektsteuerung sowie weitreichende Möglichkeiten zum Einbinden externer Zuspieler ließen das auflegende Volk im Vorfeld aufhorchen. Die Ausrichtung auf NIs DJ-Standard „Traktor Pro“ dürfte ebenfalls vielen zusagen. Allerdings geht der überwältigende Aufbau zulasten der Transportabilität, ob das Mitführen also lohnt?

Zwei Teile
Der 4TRAK setzt sich aus zwei Bestandteilen zusammen, dem Hauptgerät und der aufgesetzten FX-Kommand-Konsole. Solide Metallhaken halten das Oberteil stets in Position, ein Wegklappen ist nicht möglich. Für einfacheren Transport kann die Konsole jederzeit wieder entfernt werden, die Verbindung zum Hauptgerät erfolgt mittels USB-Kabel. Ein zweiter USB-Port dient dem Anschluss an einen Computer. Strom bekommt die Kombination mittels externem Netzteil. Das Gesamtgewicht ist mit etwas mehr als 7 Kilo bestimmt nicht niedrig, ob des großen Formates, des überaus stabilen Gehäuses und der Vielzahl an Bedienelementen allerdings kein Wunder. Um den 4TRAK überall dabei zu haben, ist dieses Konzept sicher nicht die richtige Wahl. Das ist aber auch nicht Sinn und Zweck des Gerätes. Vielmehr möchte der Controller eine komfortable Steuerzentrale sein, die neben Software auch externe Turntables, Mediaplayer und Mikros verwalten kann. Um diesem Anspruch gerecht zu werden, sind neben digitalen Komponenten auch analoge Gain- und Equalizer-Sektionen an Bord. Insgesamt vier Kanäle stehen zur Verfügung, die sich wahlweise mit Rechner- oder Hardware-Signalen beschicken lassen. Audioweg A und B können mittels Cinch-Buchsen mit Phono- beziehungsweise Line-Signalen gespeist werden, die Instanzen C und D bringen Line- und 6,3-mm-Mikrofon-Anschlüsse mit.
Ausgangsseitig finden sich Booth- und Masterausgänge, wobei Letztere nicht nur in Cinch-, sondern auch in XLR-Technik ausgeführt sind. Zusätzlich steht ein Kopfhörerweg bereit, Cue- und Mastersignal können frei gemischt und auf jeweils eine Kopfhörerseite aufgeteilt werden. Die Lautstärke ist natürlich für alle Wege getrennt regelbar. Das Layout der Oberfläche lässt schnelle Anpassungen in jeder Situation zu.

Für jeden etwas
Apropos: Die Oberfläche des 4TRAK entspricht, abgesehen von der FX-Kommand-Konsole, weitgehend dem etablierten Standard für DJ-Controller. In der Mitte befinden sich die vier Kanäle des Mixers, der Crossfader sowie zwei LED-Ketten zur Lautstärkeüberwachung, darüber findet man eine Browser-Sektion. Links und rechts ist jeweils eines der Decks untergebracht, mittels Umschaltern können alternative Datensätze für zwei weitere virtuelle Player angewählt werden.
Wie die große Anzahl an Bedienelementen bereits vermuten lässt, hat Numark beim Funktionsumfang des 4TRAK geklotzt. Die Transportsektionen bieten neben Standardparametern aufgebohrte Möglichkeiten zur Tempobestimmung. Fünf Hot-Cues erlauben das direkte Anfahren verschiedener Abschnitte eines Tracks. Mit den Strip-Search-Systemen, zwei Ribbon-Controllern, kann zudem frei in Musikstücken navigiert werden. Spulorgien beziehungsweise der Griff zur Maus fallen somit flach. Geschwindigkeitsänderungen sind mit Tastern und Slidern ebenfalls kein Problem. Die schweren Jogwheels hinterlassen einen soliden Eindruck. Berührungsempfindlich ausgelegt, lassen sich Pitch-Bending und Scratching gleichzeitig realisieren. Die Auflösung ist mit 3600 Ticks pro Umdrehung sehr hoch. Zur Veranschaulichung des Tempos sind zudem LED-Ringe verbaut, nicht nur optisch eine gute Ergänzung. Für gezielte Eingriffe ins tonale Geschehen ist weiterhin ein Key-Segment an Bord. Weitreichende Loop-Funktionen runden das Angebot der Player schließlich ab. Neben dem einfachen Setzen von Schleifen sind Bedienelemente zur Halbierung und Verdoppelung vorhanden. Zusätzlich können mithilfe der Auto-Parameter verschiedene gängige Loop-Werte mit nur einem Tastendruck gesetzt werden.

Außenwelt
Die Mischsektion enthält mit Gain- und Equalizer-Reglern sowie Cross- und Lautstärke-Fadern zunächst sämtliche gängigen Elemente. Effektblöcke können mittels Tastern zugeschaltet werden, das Routing für den Cue-Weg ist selbstverständlich ebenfalls hier zu finden. Ein Umschalter dient der Auswahl zwischen Software- und Analogsignal. Kommt die Musik vom Computer, dienen Gain- und EQ-Regler sowie die Fader zum Senden von MIDI-Werten. Bei der Verwendung externer Zuspieler wird auf interne Schaltungen umgestellt, womit der 4TRAK auch völlig unabhängig vom Rechenknecht als vierkanaliger Mixer genutzt werden kann. Die Klangqualität ist sehr gut, das Grundrauschen hält sich in sehr engen Grenzen. Rein subjektiv hätten die Equalizer-Bänder ruhig ein wenig mehr Biss vertragen können, dieser Punkt ist allerdings Geschmackssache. Die Kanalausgänge lassen sich auf eine Seite des Crossfaders oder direkt auf die Summe routen. Seine Kurve ist frei einstellbar, einmal abgenutzt kann er leicht ausgetauscht werden.

Unter den Fingern
Das optisch wichtigste Merkmal des 4TRAK ist sicherlich die FX-Kommand-Konsole. Sie bietet zwei dedizierte Effektblöcke mit jeweils vier Drehreglern und fünf Tastern, welche die Aufteilung und Bearbeitung der einzelnen Algorithmen übernehmen. Zusätzlich ist ein Filter verbaut, angepasst an die gängige Kombination aus Hoch- und Tiefpässen. Dank der großen Abstände zwischen den Reglern stellt sich schnell hemmungsloses Schraubvergnügen ein.
Zu guter Letzt soll auch die Browsersektion nicht unerwähnt bleiben. Nicht nur einzelne Ordner können mit ihr einfach durchsucht werden, auch das Springen zwischen verschiedenen Verzeichnissen und die Anwahl von Favoriten ist im Handumdrehen erledigt. Wem diese Ausstattung immer noch nicht ausreicht, der kann sich über zwei weitere Drehregler und Mini-Fader sowie insgesamt fünf Taster freuen, die ab Werk keine Funktion haben und somit frei zuweisbar sind. Natürlich können auch alle anderen Bedienelemente mit alternativen Funktionen belegt werden.

Sanfte Seiten
Im Lieferumfang des 4TRAK ist neben Treibern auch eine spezielle Version der Software NI Traktor enthalten. Diese wurde auf Numarks Boliden abgestimmt, alternativ lässt sich der Controller aber auch mit dem großen Bruder Traktor Pro 2 oder jeder anderen MIDI-fähigen DJ-Software nutzen. Die Einbindung verläuft tadellos, sodass man bereits nach wenigen Minuten bereit für eine erste Session ist. Das integrierte Audiointerface bietet vier Stereokanäle und eine maximale Auflösung von 24 Bit und 44,1 kHz. Der Frequenzgang ist gleichmäßig und detailliert. Die Latenzen sind mit nur wenigen Millisekunden angenehm niedrig, womit der Betrieb den soliden Eindruck des Gehäuses optimal unterstützt. Auch die einzelnen Bedienelemente bringen dem Ansehen keinen Schaden. Alle Varianten sind sehr gut auf das jeweilige Anwendungsgebiet abgestimmt, die Verarbeitung wirkt robust. Speziell der Crossfader wusste mit Leichtgängigkeit und kurzem Regelweg zu begeistern, ein Schwachpunkt vieler anderer DJ-Controller.

Fazit
Durch seine großzügige Auswahl an Bedienelementen und die erstklassige Verarbeitung ist der 4TRAK nicht nur ein wirklich professioneller MIDI-Controller, sondern er könnte sich sogar als Quasi-Standard etablieren. Nur selten hat man es mit einer so kompletten Bedienoberfläche zu tun, ganz zu schweigen von der hervorragenden Haptik und den flexiblen Anschlussmöglichkeiten. Sofern der große Formfaktor nicht stört, kann man hier hemmungslos zugreifen.
 

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