Test: Livid CNTRL:R

Beat 708.2012 - von Henning Schonvogel

CNTRL:R

Bewertung:
sehr gut (5.5)
Preis: 899 Euro
Hersteller: Livid Instruments
Alternative: Akai APC 40 480 Euro, CME Bitstream 3X 479 Euro, Vestax VCM-600 916 Euro
solides Gehäuse
durchdachte Anordnung der Bedienelemente
hochwertige Fader und Encoder
viele Taster
sehr gute Potis
externe Bedienelemente lassen sich einbinden
erweiterbar mit XPC-Controllern
übersichtliche Editorsoftware
Templates für Live und Traktor enthalten
kein Crossfader
Eckdaten:
• USB-MIDI-Controller
• Aluminiumgehäuse
• acht Fader
• 24 Potis
• zwölf Endlosencoder
• 48 Taster
• MIDI-Ein-/Ausgang
• zwei Pedalanschlüsse
• modular erweiterbar
• kompatibel zu XPC-Controllern

Der CNTRL:R möchte nicht nur die aktuellen Techniken der Musikproduktion optimal unterstützen, auch im Live-Einsatz soll die Neuerscheinung eine exzellente Figur abgeben. Hilfestellung bei der Entwicklung gab niemand Geringeres als Richie Hawtin höchstselbst, einer der gefragtesten Techno-Acts aller Zeiten. Gemeinsam mit seinen Label-Kollegen von „M_nus Records“ war er vom ersten Brainstorming bis hin zur Serienreife stets am Entstehungsprozess beteiligt, an Fachwissen und Probeläufen mangelte es damit wohl nicht. Die für Livid Instruments typische Fertigung in Handarbeit lässt auf hohe Qualität schließen, dank Erweiterbarkeit ist auch nach dem Ausreizen aller serienmäßigen Funktionen das Ende der Fahnenstange noch lange nicht erreicht. Ob sich der Controller damit gleichermaßen für DJs, Musiker und Produzenten eignet, muss er nun in unserem Test beweisen.

Viel auf wenig
Bereits die Maße von 37 mal 25 mal 5 Zentimetern unterbieten eine ganze Reihe an Mitbewerbern. Zusammen mit einem Gewicht von knapp 2½ Kilo erweist sich der CNTRL:R damit als idealer Partner für unterwegs, der einfach mit Laptop und Zubehör in einem Rucksack verschwindet. Das Aluminiumgehäuse schützt die inneren Werte des Controllers sehr gut, auch kleine Stürze dürften keine großartigen Auswirkungen auf die verbaute Technik haben. Die Bedienelemente führen den soliden Eindruck weiter fort. Fader und Endlos-Encoder besitzen zwar ein klein wenig Spiel, durch ihren Aufbau mit Metallachsen beziehungsweise -Slidern erscheinen sie aber trotzdem langlebig. Anders als bei vielen Mitbewerbern besitzen die Encoder keinerlei Rasterung und sind relativ leichtgängig, was im ersten Moment vielleicht ein wenig gewöhnungsbedürftig ist. Im Betrieb erweist sich das Verhalten allerdings als sehr gut, eine zusätzliche Druckfunktion erlaubt zum Beispiel das Umschalten zwischen unterschiedlichen Parametern. Die verschiedenen Taster besitzen einen angenehm weichen Anschlag, ihre mehrfarbige Hinterleuchtung liefert bei jeder Anwendung sehr gute Übersicht. Das wirkliche Highlight sind allerdings die Potis. Diese sind in puncto Qualität kaum zu übertreffen, mit weichem Regelverhalten sind auch nuancierte Einstellungen in Windeseile gedreht. Wie auch die Encoder besitzen sie einen LED-Ring, der bei Rechtsanschlag die Farbe wechselt.

Alleingang?
Dem Anschluss an einen Computer dient wie üblich ein USB-Port. Per Editorsoftware lassen sich alle Bedienelemente frei belegen, für die DAW Ableton Live und das DJ-Programm NI Traktor Pro sind zudem fertige Mappings und weitere Gimmicks verfügbar. Um auch Hardwarekomponenten steuern zu können, sind zusätzlich MIDI-Ein- und Ausgänge verbaut. Zwei Pedalanschlüsse sowie ein Mehrpolstecker dienen der modularen Einbindung weiterer Bedienelemente. Letzterer kann einerseits mit Eigenkreationen, bestehend aus Sensoren und/oder mechanischen Bedienelementen betrieben werden. Andererseits lässt sich ein Gerät der Livid Instruments XPC-Serie anschließen. Derzeit sind drei verschiedene Modelle verfügbar, die Fader, Potis und Joysticks in verschiedenen Kombinationen bereithalten.

Ab geht’s!
Wie schon angedeutet, ist die Haptik des CNTRL:R erstklassig. Die Bedienung macht vom ersten Moment an großen Spaß. Dank hoher Stabilität kann gerne auch mal etwas härter zugepackt werden. Die Einteilung der Bedienelemente ist ebenfalls sehr gut gewählt. So lassen sich die unteren Tasterreihen neben üblichen Anwendungen auch zur Programmierung von Sequenzern nutzen. Die mittig angeordneten Trigger sind zum Abfeuern von Clips oder Samples wie geschaffen. DJs dürfte allerdings ein Crossfader fehlen, eine Hardware-Ergänzung, die auch ein Jogwheel mitbringt, ist für diesen Anwendungszweck daher anzuraten. Trotz des kleinen Formfaktors sind alle Elemente gut zu erreichen, lediglich die Endlosencoder liegen durch ihre großen Kappen recht nahe beieinander.

Fazit
Für Live- und Studioanwendungen kann der CNTRL:R nur wärmstens empfohlen werden. Aufbau und Verarbeitung sind erstklassig, die Auswahl an Bedienelementen deckt jedes Einsatzgebiet kompetent ab. Übersicht und Formfaktor verdienen ebenfalls Bestnoten, bleibt als einziger „Haken“ der recht hohe Preis, der zumindest für Hobbyisten nicht so leicht zu stemmen sein dürfte. DJs dürften sich weiterhin am Fehlen eines Crossfaders stören, die Endlos-Encoder sind allerdings ein recht gut funktionierender Ersatz. Dank der Mehrpolbuchse kann ein solches Element zudem leicht eingebunden werden.

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