Enthält Affiliate-Links [Was ist das?]Blackmagic eGPU Pro: Hardware-Test 

Blackmagic eGPU Pro im Praxis-Test: Lohnt der teure Grafik-Turbo?

Es nervt gewaltig mit der Zeit: Games ruckeln auf betagter Hardware, Bild- sowie Videobearbeitung entwickeln sich mit den Jahren zur Geduldsprobe – Prozessor und Grafikkarte ächzen förmlich unter der Last der Programme. Dummerweise ist das Aufrüsten vieler iMacs und MacBooks – diplomatisch ausgedrückt – extrem fummelig, in den meisten Fällen sogar praktisch unmöglich. Was also tun mit der lahmen Möhre? Eine externe Grafikeinheit (eGPU) macht dem Rechner möglicherweise Beine! maclife.de hat die Blackmagic eGPU Pro in der Praxis getestet.

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Auf den ersten Blick ist optisch kaum ein Unterschied zum kleinen Bruder zu erkennen – zur Blackmagic eGPU. Der größtenteils aus Aluminium gefertigte Turm hat die Form eines Achtecks. Das sieht schick aus – und hochwertig verarbeitet ist das Gerät außerdem. Dies spüren Käufer bereits, wenn sie den 4,5 Kilo schweren Kasten (Abmessungen: 29,44x17,68x17,68 Zentimeter) aus der Verpackung wuchten. Unten im Fußbereich ist ein Plastikkonstrukt eingearbeitet, auf dem der Aluturm sicher steht – eine optische Finesse ist dort verbaut: Im Dunkeln zeigt eine Leuchte mit ihrem indirekt strahlenden weißen Licht, dass das Gerät eingeschaltet ist. Apropos: Einen klassischen Ein- und Ausschalter gibt es nicht. Hängt der Kasten am Strom, macht ein leises Lüftergeräusch darauf aufmerksam, dass das Gerät betriebsbereit ist. Der Ventilator schaltet sich automatisch nach kurzer Zeit ab, wenn der Rechner aus ist – oder die eGPU nicht daran angeschlossen ist. 

An der Oberseite tritt die heiße Luft aus. Das Lüftergeräusch ist stets angenehm leise.
An der Oberseite tritt die heiße Luft aus. Das Lüftergeräusch ist stets angenehm leise. (Bild: Mac Life / Udo Lewalter)

Blackmagic eGPU Pro: DisplayPort-1.4-Buchse verbaut

Ein Unterschied zum kleinen Bruder findet sich bei den auf der Rückseite des Geräts angebrachten Anschlüssen. Dort gibt es eine zusätzliche Buchse: Die eGPU Pro lässt sich über den DisplayPort 1.4 – direkt, also ohne den Einsatz von Adaptern – an einen entsprechend ausgestatteten 5K-Monitor stöpseln. Die Bilder vom Rechner laufen dann bei passenden Modellen etwa von LG mit einer Wiederholfrequenz von 60 Hertz über den Schirm.

Außerdem finden sich zwei Thunderbolt-3-Buchsen (Übertragung mit bis zu 40 Gbit/s), an die Sie Ihren Rechner und gegebenenfalls einen Monitor hängen, der die Schnittstelle unterstützt. Des Weiteren sind vier USB-3-Anschlüsse sowie eine HDMI-2.0-Buchse (4K DCI 60 Hertz) an der Rückseite angebracht. Die vielen Anschlussoptionen sorgen aber nicht nur für die Verbindung zu diversen Geräten, sondern bieten einen praktischen Nebeneffekt: Über die USB-Stöpsel versorgen Sie auf Wunsch ihr iPhone oder vergleichbare Geräte mit Strom. Via Thunderbolt-Leitung laden Sie Ihr MacBook auf, die Ladeleistung beträgt 85 Watt. Apropos MacBook & Co.: Laut Hersteller funktioniert der externe Grafikbeschleuniger nur im Zusammenspiel mit einem Thunderbolt-3-fähigen Mac, auf dem mindestens macOS 10.14.1 Mojave installiert ist. 

An der Geräterückseite finden sich zwei Thunderbolt-3- und vier USB-3-Anschlüsse sowie eine HDMI-2.0- und eine DisplayPort-1.4-Buchse.
An der Geräterückseite finden sich zwei Thunderbolt-3- und vier USB-3-Anschlüsse sowie eine HDMI-2.0- und eine DisplayPort-1.4-Buchse. (Bild: Mac Life / Udo Lewalter)

Blackmagic eGPU Pro: Das Herz des Turbos

Und was steckt drin im schicken Alukasten? Als Grafikprozessor hat Blackmagic Design eine AMD Radeon RX Vega 56 samt 8 Gigabyte HBM2-Speicher verbaut, die der internen GPU Ihres Rechners die Arbeit abnimmt. Zur groben Einordnung: Die Grafikkarte bewegt sich in Sachen Leistungsfähigkeit etwa auf dem Niveau von Nvidias Geforce GTX 1070. Der Prozessor ist somit beispielsweise der in Apples iMac Pro verbauten AMD Radeon Pro Vega 64 unterlegen – dazu später mehr in den Leistungstests. 

Ein hochwertig verarbeiteter Hingucker: das Alugehäuse der Blackmagic eGPU Pro.
Ein hochwertig verarbeiteter Hingucker: das Alugehäuse der Blackmagic eGPU Pro. (Bild: Mac Life / Udo Lewalter)

Blackmagic eGPU Pro: Die Inbetriebnahme

Auf weitere Herstellerangaben wie Recheneinheiten, Busbreite und Datendurchsatz gehen wir an dieser Stelle nicht ein, denn das alles sind theoretische Werte. Wirklich wichtig: Wie schlägt sich die Maschine im Alltag? Positiv fällt schnell das leise Lüftergeräusch auf, das selbst im Volllastbetrieb nie stört. Auch die Wärmeentwicklung ist nicht weiter nennenswert. Negativer fallen da womöglich die Erfahrungen beim Einstieg aus – vor allem, wenn Nutzer sich mit einer solchen Hardwarebeschleunigung nicht auskennen. Das Handbuch im Zwergenformat beschreibt im Grunde lediglich die drei Schritte der Hardware-Installation: Strom rein, Thunderbolt-3-Kabel an die eGPU stöpseln und die Strippe mit dem Mac verbinden. War es das wirklich schon?

Im Lieferumfang befinden sich neben der externen Grafikeinheit im schicken Gehäuse, eine Mini-Anleitung, ein Strom- sowie ein Thunderbolt-3-Kabel.
Im Lieferumfang befinden sich neben der externen Grafikeinheit im schicken Gehäuse, eine Mini-Anleitung, ein Strom- sowie ein Thunderbolt-3-Kabel. (Bild: Mac Life / Udo Lewalter)

Blackmagic eGPU Pro: Holpriger Einstieg

Nicht ganz – denn nach dem ersten Start ist von mächtiger Zusatz-Power nichts zu spüren. Programme steuern in der Regel weiterhin die lahme interne Grafikkarte an. Erst nach ein bisschen Sucherei im Netz findet sich der wichtige Hinweis: Anwendungen muss man vor dem Start (einmalig) der externen Grafikkarte zuweisen. Dazu suchen Sie die entsprechende App im Ordner „Programme“, drücken die Tastenkombination Command-I, wenn die entsprechende Anwendung ausgewählt ist und setzen im sich darauf öffnenden Menü einen Haken bei „Externe GPU bevorzugen“. Das ist für jedes Programm durchzuführen, das von der Zusatzpower profitieren soll. Die Prozedur ist zum Einstieg erst mal umständlich. 

Damit die eGPU Programme und Games unterstützt, muss sie den Anwendungen zugewiesen werden.
Damit die eGPU Programme und Games unterstützt, muss sie den Anwendungen zugewiesen werden. (Bild: Mac Life / Udo Lewalter)

Blackmagic eGPU Pro: Lücken im Programm

Ernüchternd auch: Nicht jede Anwendung unterstützt laut Apple die eGPU-Beschleunigung, das müssen Entwickler entsprechend einbauen. In der Praxis zeigten sich jedoch bei den gängigen Programmen keine größeren Lücken. Selbst ältere Games ließen sich problemlos beschleunigen. Einige Tools wie Cinebench R20 unterstützten im Testlauf die eGPU nicht, jedenfalls ließen die Werte darauf schließen. Allerdings ist das Gerät hierzulande auch erst seit Anfang März 2019 auf dem Markt. Es ist davon auszugehen, dass Hersteller schnell entsprechende Updates nachreichen. Einige Programme legen laut Hersteller Blackmagic Design bereits automatisch fest, welche Grafikprozessoren verwendet werden sollen – und ignorieren das Markierungsfeld „Externe GPU bevorzugen“. In der Praxis ist das aber eher die Ausnahme.

Im Zusammenspiel mit einem MacBook Pro (2018) lieferte die Blackmagic eGPU Pro gute Werte.
Im Zusammenspiel mit einem MacBook Pro (2018) lieferte die Blackmagic eGPU Pro gute Werte. (Bild: Mac Life / Udo Lewalter)

Blackmagic eGPU Pro: Das Test-Set-up

Ist alles eingerichtet und zugewiesen, kommt der spannende Moment: Was bringt die Zusatzpower? Die Redaktion verwendete für den Testlauf ein MacBook Pro (2018) mit folgender Konfiguration: Intel Core i7 (Quad-Core-CPU), Intel Iris Plus Graphics 655 (GPU), 16 Gigabyte (GB) Arbeitsspeicher (RAM), 1 Terabyte SSD. Um die Leistungsfähigkeit besser einordnen zu können, hat die Redaktion zudem die Werte mit denen eines iMac Pro verglichen – dessen Konfiguration: 3,2-GHz-8-Core-Intel-Xeon-W-Prozessor, 32 GB DDR4 ECC RAM mit 2.666 MHz, Radeon Pro Vega 64 mit 16 GB HBM2-Grafikspeicher (GPU) und 1 Terabyte SSD.

Blackmagic eGPU Pro: Wie groß ist der Leistungsschub?

Schnell wird klar: Es ist beachtlich, was die externe Grafikkarte bringt – jedenfalls laut diverser Benchmark-Tests: Unigine Valley, Unigine Heaven und GFXBench Metal variieren zwar bei den Ergebnissen, doch alle bescheinigen einen deutlichen Anstieg bei der durchschnittlichen Bildrate (Ø-FPS) – teils weisen sie eine Verdreifachung auf. Auch beim alltäglichen Arbeiten spürt man den Zuwachs gegenüber dem unfrisierten MacBook Pro. Final Cut Pro X beispielsweise kommt auf etwa 10 Prozent schnellere Werte beim Exportieren von 4K-Videos. Und beim Zocken zeigen sich teils himmelweite Unterschiede, wie der im Actionspiel „Rise of the Tomb Raider“ eingebaute Benchmark-Test belegt: In Sachen FPS-Rate hat sich die Leistung nach dem Tuning nicht nur mehr als vervierfacht, das getunte Laptop nähert sich sogar dem Wert des iMac Pro an! Der Effekt: Aus einem unspielbaren Geruckel wird ein flüssiges und somit spaßiges Spielerlebnis. Hier einige Benchmark-Tests im Detail:

Interner Benchmark-Test von „Rise of the Tomb Raider“ (Details: sehr hoch; Auflösung: Full HD)
Interner Benchmark-Test von „Rise of the Tomb Raider“ (Details: sehr hoch; Auflösung: Full HD) (Bild: Mac Life / Udo Lewalter)

GFXBench Metal
GFXBench Metal (Bild: Mac Life / Udo Lewalter)

Unigine Heaven (1440x900; ultra quality)
Unigine Heaven (1440x900; ultra quality) (Bild: Mac Life / Udo Lewalter)

Unigine Valley (1440x900; ultra quality)
Unigine Valley (1440x900; ultra quality) (Bild: Mac Life / Udo Lewalter)

Export einer 4K-Videodatei (4:36 Minuten) mit Final Cut Pro X (Version: 10.4.5) – je kürzer der Balken (also die Zeit), desto besser.
Export einer 4K-Videodatei (4:36 Minuten) mit Final Cut Pro X (Version: 10.4.5) – je kürzer der Balken (also die Zeit), desto besser. (Bild: Mac Life / Udo Lewalter)

Blackmagic eGPU Pro: Test-Fazit

Es gibt viel Gutes über die Blackmagic eGPU Pro zu berichten: Das Design ist ein wahrer Augenschmeichler, Lautstärke und Hitzeentwicklung sind niedrig. Und auch die inneren Werte passen: Im Praxis-Test ließ die Blackmagic eGPU Pro bei den meisten Programmen die Muskeln spielen, der Leistungszuwachs ist teils bemerkenswert. Games wie „Rise of the Tomb Raider“ oder „Mittelerde: Mordors Schatten“ laufen auf den getunten Rechnern bei Full-HD-Auflösung (1920x1080 Pixel) mit Bildraten zwischen 30 und 50 Bildern pro Sekunde (FPS) – mindestens in mittlerer Detailstufe, oft sogar in hohen Settings. Und auch beim Arbeiten spürt man den Effekt: Anwendungen wie Final Cut Pro X rendern und exportieren nicht nur fixer Videomaterial, auch das Arbeiten in der Timeline etwa geht deutlich geschmeidiger von der Hand. Doch die eGPU hat auch klare Schwächen: Die maue Anleitung sowie die umständliche Einrichtung fallen dabei nicht sonderlich ins Gewicht. Da ist der hohe Preis schon ein kräftigeres Kontra: Satte 1.359 Euro ruft der Hersteller für den Alu-Dampfhammer auf. Wer entsprechende Komponenten wie Grafikkarte und ein vergleichbares Gehäuse einzeln kauft (und selber zusammenbaut), zahlt wohl nur etwa die Hälfte. Da tröstet es auch nicht, dass die eGPU aufgrund der zahlreichen Anschluss- und Lademöglichkeiten den Kauf eines Docks erspart. Der größte Knackpunkt aber: Die Blackmagic eGPU Pro lässt sich nicht aufrüsten. Angesichts der enorm schnellen Entwicklung im Grafikkartenbereich mutiert der externe Turbo also binnen weniger Jahre zur lahmen Ente – jede Wette!

Testergebnis
ProduktnameBlackmagic eGPU Pro
HerstellerBlackmagic Design
Preis1.359 €
Webseitehttps://www.blackmagicdesign.com/
Pro
  • Spürbarer Leistungszuwachs
  • Einfache Installation der Hardware
  • Viele Lade- und Anschlussmöglichkeiten
  • Geringe Geräuschentwicklung
  • Schickes Design
  • Gute Verarbeitung
Contra
  • Hoher Preis
  • Lässt sich nicht aufrüsten
  • Softwareseitig umständliche Einrichtung
  • Kurzes Thunderbolt-3-Kabel (50 Zentimeter)
Bewertung
2.5
befriedigend
 

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Hallo, hier wird geschrieben das die Egpu Pro leise Lüftergeräusche hat. Habe die egpu pro seit dem Release Anfang Januar, mit der Leistung an sich bin ich super happy, doch leider hat meine eGPU pro ein extremes und dauerhaftes Pfiepen. Haben sie das bei Ihnen ebenfalls bemerkt oder ist das bei mir ein Einzelfall? Hatte davor die non-pro Version, diese war extrem leise daneben. Würde mich um eine Antwort freuen.

Hallo! Vielen Dank für den Kommentar! Störende Geräusche gab es im Testlauf nicht zu beanstanden. Das Gerät lief wie beschrieben durchgängig leise, selbst nach stundenlanger Belastung noch. Auch ist uns ein entsprechendes grundsätzliches Problem nicht bekannt.

Ich habe auch die eGPU Pro an einem macMini. Ein fiepen kann ich nicht vernehmen.
Allerdings habe ich ein nerviges Problem bzgl des Geräuschpegels:
Nach dem ersten Start ist die eGPU super leise (ca 21dbA direkt über dem Gehäuse).
Nachdem ich sie einmal richtig belastet habe , so das die Lüfter lauter wurden, wird sie nicht mehr so leise (liegt dann bei 29 dbA) . Das empfinde ich schon als störend.
Der Blackmagic Support sagt das sei normal. Ich finde das aber wirklich unverständlich.
Kann das jemand nachvollziehen?
Zusätzlich habe ich große Probleme, wenn die ePGU über HDMI angeschlossen ist, nach dem Ruhezustand des Computers wieder ein Bild zu bekommen.

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