Quelle: https://www.maclife.de/ratgeber/hoerbuecher-apple-raeum-mal-dein-zimmer-100113900.html

Autor: Sebastian Schack

Datum: 03.06.19 - 13:11 Uhr

Hörbücher: Apple, räum’ mal dein Zimmer auf!

Mac-Life-Chefredakteur Sebastian Schack ist Podcast-Junkie und großer Hörbuch-Fan. Nicht zuletzt deshalb hofft er sehr darauf, dass Apple anlässlich der heute Abend beginnenden World Wide Developer Conference (WWDC) tatsächlich das App-Angebot für den Audio- und Videokonsum neu strukturiert und vor allem in der Bücher-Ecke ordentlich aufräumt und allen Systemen eine einheitliche Anwendung spendiert.

UPDATE: Zumindest ein Stück weit hat Apple (nicht nur) mein Flehen erhört. In einem neuen Support-Dokument erklärt Apple, dass gekaufte Hörbücher jetzt auch auf dem Mac in der Bücher-App landen. Kostenfrei im Rahmen eines Apple-Music-Abos hörbare Bücher werden aber wohl in der Music-App residieren. Schade.

Apple, wir müssen reden! Sicherlich, die ganze Welt oder zumindest die gesamte Fan-Gemeinde, wartet heute Abend vor allem auf Neuigkeiten zu den vier wichtigen Betriebssystemen macOS, iOS, watchOS und tvOS. Ein weiterer Teil der in San José anwesenden Personen und jenen, die zuhause vor dem Bildschirm hängen, warten auf eine Ankündigung zum neuen Mac Pro oder gar sonstige Hardware.

Mich lassen diese Themen auch nicht kalt, aber sie erreichen in diesem Jahr nicht mein Herz. Geschürt durch die diversen Leaks und Spekulationen um eine mögliche Zerschlagung von iTunes lodert dort nämlich ein Feuer blanken Hasses gegenüber der aktuellen Hörbuch-Situation bei dir, Apple.

Alles überall, nirgends so richtig

Es beginnt damit, dass du, Apple, anscheinend bis heute nicht so richtig weißt, wo Hörbücher eigentlich hingehören. Auf dem iPhone und iPad finde ich das deutlich am sinnvollsten gelöst. Dort landen Hörbücher nämlich der „Bücher“-App und lassen sich auch von dort aus kaufen. Wobei: Eigentlich beginnt das Chaos doch schon an der Stelle. Denn natürlich gilt das nur für Hörbücher, die ich direkt bei Apple gekauft habe. Hörbücher, die ich anderswo erstanden habe oder noch auf CD besitze, kann ich lediglich via iTunes importieren und dann landen sie natürlich nicht in der „Bücher“-App – sondern in der Musik-App.

An der Stelle schließt sich ein kleiner Kreis. Denn völlig egal, woher das jeweilige Hörbuch stammt, auf dem Mac landet es auf gar keinen Fall in der „Bücher“-App. Auf dem Mac ist diese nämlich ausschließlich für E-Books, iBooks und PDFs reserviert. Dafür geht das häufig, vermutlich in Abhängigkeit des Vorhandenseins eines Kopierschutzes, auch mit Büchern aus anderen Quellen. 

Hörbücher landen allerdings immer in iTunes.

Hörbuch-Katastrophe Apple Music und iTunes​

Für die Hörbücher, die man direkt bei Apple gekauft hat – die Betonung liegt auf „gekauft“, dazu später mehr – funktioniert das alles immerhin aber ohne viel Grund zur Klage. Abgesehen eben von der Inkonsistenz des Speicherorts der Hörbücher. Vor allem wird bei Hörbüchern auch zwischen Mac und iOS-Gerät vernünftig synchronisiert, wo im jeweiligen Hörbuch man sich gerade befindet. So kann man ein Hörbuch ohne Problem am Mac beginnen und, vom iPhone abgespielt, im Auto weiter hören.

Aber zu früh gefreut, Apple, das hier leise anklingende Lob reicht nicht allzu weit! Denn eine Welt voller Schmerz und Höllenqualen tut sich auf, wo das Reich der Apple-Music-Hörbücher beginnt. Denn mit so manchem Hörbuch-Verlag hat Apple anscheinend bereits Deals abschließen können, so dass immer mehr Hörbücher ihren Weg in das Abo-Modell „Apple Music“ finden. 

Das ist grundsätzlich uneingeschränkt großartig. Hörbücher in einer echten Flatrate, die ich außerdem ohnehin schon bezahle? Ich bin dabei! Wäre nur die Umsetzung nicht so eine absolute Katastrophe. Denn natürlich ist in der „Music“-App auf dem iPhone und iPad alles Musik. Auch Hörbücher. Mit allen Nachteilen. Vor allem, dass sich die App zwar merken kann, an welcher Stelle innerhalb eines Kapitels man aufgehört hat, das Hörbuch zu hören, nicht aber in welchem Kapitel.

Ein Beispiel: Das neu in Apple Music verfügbare Buch von Harald Welzer „Alles könnte anders sein“ umfasst in der Hörbuchversion 122 Kapitel und gute 10 Stunden. Nun höre ich dem Sprecher Christian Brückner etwa eine Stunde zu und lausche dann zur Abwechslung Chilly Gonzales beim Klavierspiel. Wenn ich dann zurück zu Welzer komme, habe ich keine Chance, Apple Music mitzuteilen, dass es doch bitte da weitermachen soll, wo ich aufgehört habe zu hören. Das richtige Kapitel muss ich mir schon selbst merken. Habe ich das getan und mache manuell bei Kapitel 12 weiter, hat sich Apple Music aber immerhin gemerkt, dass ich die ersten drei Minuten davon schon gehört habe. Und dieser Wahnsinn repliziert sich natürlich auch in iTunes, das eben die einzige Abspielmöglichkeit für Apple-Music-Inhalte auf dem Mac ist.

Metadaten sind King! 

Eine saubere Mediathek kann nur existieren, wenn die Metadaten gut gepflegt sind. Das gilt auch für Hörbücher. Vielleicht sogar gerade. Denn hier gibt es gleich zwei Dinge zu beachten – und an einem Stolperstein bist diesmal nicht du Schuld, Apple. Aber dazu kommen wir später.

Eigene Hörbücher, etwa von CD gerippt, landen, wie oben schon bemerkt, nie in der „Bücher“-App. Trotzdem bekommt man sie über einen Kniff relativ bequem auf das iPhone oder iPad übertragen. Man importiert die jeweiligen CDs am Mac in die iTunes-Mediathek. Dort wählt man die einzelnen Kapitel aus und öffnet mit der Tastenkombination [CMD]+i das Info-Fenster. Auf dem Reiter „Optionen“ kann man sodann bei „Medienart“ statt „Hörbuch“ einfach „Musik“ auswählen. Und schon landet das Hörbuch – ein Apple-Music- oder iTunes-Match-Abo vorausgesetzt – in der iCloud-Musikmediathek und lässt sich auch auf dem iOS-Gerät in der Music-App abspielen. Natürlich mit den zuvor erwähnten deutlichen Einschränkungen.

Ähnlich schlimm wie alle Hörbuch-Sünden, die du, Apple, verbrochen hast, ist aber, was sich Hörbuchverlage in der Hörbuchsektion deines „Book Store“ erlauben. Denn dort scheinen korrekte oder zumindest sinnvolle Metadaten vor allem eins zu sein: egal.

Ein Beispiel, das mein Blut jüngst zum Kochen brachte:

Ich habe versucht das Hörbuch „This Is Water“ von David Foster Wallace zu erstehen. Sucht man danach in der „Bücher“-App, bekommt man im wesentlichen drei Versionen vorgeschlagen:

  • 1. This Is Water / Das hier ist Wasser für 5,99 Euro.
  • 2. This Is Water (Unabridged) für 11,99 Euro
  • 3. This Is Water für 4,99 Euro

Die Vermutung: Nummer 2 ist das ungekürzte Original. Nummer 3 ist eine gekürzte Version (deshalb der halbe Preis und der fehlende Zusatz „Unabridged“, was „ungekürzt“ bedeutet). Nummer 1 beinhaltet sowohl die englische als auch die deutschsprachige Version in gekürzter Fassung und ist deshalb auch einen obligatorischen Euro teurer als Nummer 3.

Schaut man in die Metadaten im „Book Store“ ergibt sich jedoch ein leicht anderes, vor allem aber ein verwirrendes Bild. Nummer 1 hat eine Spieldauer von 50 Minuten und als Erzähler sind sowohl David Foster Walles als auch die deutsche Sprecherlegende David Nathan hinterlegt. 

Nummer 2, die ungekürzte Fassung für rund 12 Euro, ist gelesen von Amy Wallace-Havens und umfasst nur 23 Minuten. Das deutet darauf hin, dass Nummer 1 doch nicht gekürzt ist. Denn in die 50 Minuten passen dann wohl sowohl die deutsche als auch die englische Version.

Vorhang auf für Nummer 3. Hier gibt es nur einen Erzähler: David Foster Wallace und die Spieldauer beträgt 49 Minuten. Sollte David Foster Wallace nicht noch deutsch gelernt haben und hier beide Sprachvarianten eingesprochen haben, bekomme ich hier laut der Metadaten satte 26 Minuten mehr „This Is Water“, als bei der ungekürzten Version.

Und um die Verwirrung noch etwas weiter zu treiben: natürlich sind die Cover von Nummer 1 und Nummer 3 identisch und werben beide mit „Deutsche Fassung gelesen von David Nathan“.

Fazit

Das ist gelogen. Dieser Artikel hat kein Fazit. Er endet mit einem Bitten, einem Flehen. Bitte, Apple, bring dieses Chaos heute Abend dringend in Ordnung. Bücher und Hörbücher gehören in die „Bücher“-App. Und wenn du schon Hörbücher in die „Music“-App stecken musst – etwa die, die im Rahmen eines Apple-Music-Abos ohne zusätzliche Kosten hörbar sind –, dann spendier doch an der Stelle bitte der „Music“-App die gleiche Funktionalität wie der „Bücher“-App. Ich möchte mir nicht merken müssen, dass ich Benedict Wells‘ „Vom Ende der Einsamkeit“ gestern vorm Einschlafen bis Kapitel 63 gehört habe.