Viel Aufregung um eine Formalie

Sabotiert Adobe HTML5?

Um die Antwort schon vorwegzunehmen: nein. Dennoch behaupten AppleInsider, Daring Fireball und 9to5 (letztere mit Fragezeichen und inzwischen ergänzt), Adobe würde die Verabschiedung des HTML5-Standards blockieren.

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Sie beziehen sich auf einen Beitrag von Larry Masinter (hier seine Klarstellung im AppleInsider-Forum), der seit den 90ern an Webstandards mitarbeitet und derzeit für Adobe arbeitet. Er vertritt die Meinung, dass Grafiken und Metadaten eigene Untergruppen bekommen sollten. Jede Arbeitsgruppe besitzt eine Charta und einen Gültigkeitsbereich der Charta. Die Dokumente bezüglich 2D-Grafiken (Canvas-Element) sieht er als außerhalb des Gültigkeitsbereich (out of scope) der aktuellen Charta, würde aber nicht Einspruch erheben, wenn Arbeitsgruppe und Leiter diese entsprechend ändern würden. Canvas 2D würde deswegen nicht aus der HTML5-Spezifikation herausfliegen.

Das klingt nicht gerade nach einer Sabotage von HTML5, zumal das Canvas-Element schon längst in diversen Browsern eingebaut wird. Browser-Hersteller warten natürlich nicht mit der Verabschiedung eines HTML-Standards, bevor sie Teile davon implementieren. Im aktuellen Working Draft von HTML5 sind noch an vielen Stellen Einsprüche zu finden, die auf ein bestimmtes Problem aufmerksam machen und dann von den Mitgliedern des W3C diskutiert werden. Solange ändert sich eben der Status des entsprechenden Bereichs der Spezifikation nicht.

Bei der W3C sind nicht alle Mailinglisten öffentlich, daher wurde weitgehend eine Meldung von Ian Hickson (Google) übernommen, der Adobe schon vorwirft, gegen HTML zu arbeiten. Hixons Kritik ist aber auch vor dem Hintergrund des Konflikts zwischen dem W3C und der WHAT-WG und möglicher eigener Interessen zu sehen.

Allerdings passt die Schlagzeile „Apple working to sabotage HTML5“ besser in die gegen Adobe (speziell gegen Flash) gerichtete Berichterstattung von AppleInsider („HTML5 assault on Adobe Flash“, „Google fights Flash“). Entschuldigt wird hingegen, dass aus dem ursprünglich für HTML5 geplanten Video- und Audio-Standard nichts wurde - auf Druck von Apple. Ursprünglich sollte im Standard ein Format festgeschrieben werden, Browser sollten den entsprechenden Codec mitliefern, um Videos ohne Plug-in abspielen zu können.

Selbst wenn Adobe wollte, könnten sie den HTML-Standard nicht „sabotieren“, dazu sind bloß die Browser-Hersteller in der Lage, indem sie einzelne Teile des Standards nicht unterstützen. Adobe verkauft schließlich auch Werkzeuge zum Erstellen von Webinhalten - bleibt alles beim alten im Web, würde es schwer werden, Updates für Dreamweaver zu verkaufen.

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Guter Bericht, Matthias.

Das ist mit Abstand einer der Besten über die News das Adobe HTML5 sabotieren will. Verstehe nicht wie manche Journalisten das nicht überprüfen und sich dann wundern, oder besser korrigieren.

Gruß Soundtrack

Ja, wirklich, dem kann man nur zustimmen. kurze Erläuterungen, mit entsprechenden weiterführenden Links, vom autor noch eine einschätzung zu lage, ohne indes voreingenommen zu wirken. optimal.

"Entschuldigt wird hingegen, dass aus dem ursprünglich für HTML5 geplanten Video- und Audio-Standard nichts wurde - auf Druck von Apple."

Hätte jemand für mich dafür Quellen? Die Tatsache würde mich doch schon sehr intressieren.

ich tendiere im Moment dazu, diese Frage im Moment mit einen klaren "ja" zu beantworten.

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