AAPL-Kolumne

Apples Comeback: Der Traum vom neuen Superzyklus

Was für einen Unterschied eine Börsenwoche machen kann: Nach Vorlage der jüngsten Quartalszahlen, die besser ausfielen als erwartet, zieht die Apple-Aktie wieder an. Anti-Zykliker positionieren sich für den Beginn von Apples neuem Produktzyklus, der das Börsencomeback weiter befeuern könnte. Bricht gar ein neuer Superzyklus an?

Von   Uhr

Endlich August. Während Sommerliebhaber dem vermeintlichen Finale der schönsten Jahreszeit melancholisch entgegenblicken, kann es für Apple-Anhänger und -Anleger kaum schnell genug Herbst werden. Die quälend lange Wartezeit auf neue Produkte, die in der Form wohl kaum geplant war, neigt sich damit ebenso dem Ende entgegen wie das Geschäftsjahr 2013, in dem vom ersten Tag an im vergangenen Oktober ein bemerkenswerter Abwärtstrend begann.

Eine öffentliche Entschuldigung von Tim Cook zum verpatzten Rollout des Kartendienstes Maps pflasterte ebenso den Weg wie der Rauswurf von Hoffnungsträger Scott Forstall, gefolgt von drei Quartalen im Rückwärtsgang. Auch bis zum Sommerende ist fundamental nicht viel von Apple zu erwarten.

Das September-Quartal dürfte bedeutungslosestes Apple-Quartal seit Langem sein

Wie die vergangenen zwei Quartale belegen, trifft Apples Ausblick inzwischen ziemlich genau das dann tatsächlich erzielte Ergebnis. Bedeutet: Je nachdem, ob das iPhone 5S noch mit in die September-Bilanz einfließt, dürfte sich der Gewinn je Aktie zwischen 7 und 8 US-Dollar bewegen. Die aktuellen Wall Street-Schätzungen liegen bei 7,84 US-Dollar je Anteilsschein.

Nach 8,67 US-Dollar im Vorjahresquartal wird das der vierte Gewinnrückgang in Folge sein, der bei Bekanntgabe Ende Oktober aber noch weniger interessiert als aktuell das Juni-Quartal. Das September-Quartal dürfte das bedeutungsloseste Apple-Quartal der jüngeren Geschichte werden. Das Geschäftsjahr 2013 ist so gut wie bereits Geschichte.

Alle Augen auf den iPhone 5S-Launch

Was indes zählt, ist der „iPhone 5S“-Launch Ende September oder Anfang Oktober. Die Verkaufszahlen des ersten Wochenendes werden somit zur wichtigsten Kennziffer seit dem Weihnachtsquartal. Wenn Apple nachweisen kann, dass die Nachfrage mit einem Upgrade-Modell, das optisch offenkundig hinter dem aktuellen Phablet-Trend hinterherhinkt, trotzdem hochgehalten und iPhone 5-Verkäufe sogar nochmals toppen kann, könnte wieder Dynamik in die Aktie zurückkehren.

Die iPhone-Verkäufe im Juni-Quartal waren ermutigend: 31 Millionen Stück mit einem alten Modell im dritten vollen Verkaufsquartal – das war die Nachricht, auf die Anleger gewartet hatten. Seitdem hat die Apple-Aktie 7 Prozent an Wert zulegen können und notiert bei über 450 US-Dollar immerhin wieder auf dem höchsten Stand seit Ende Mai.

iPhone Lite und China Mobile-Deal von Wall Street sehnlichst erwartet

Doch es könnte noch besser kommen: Was in der Folge nachhaltig die Comeback-Hoffnungen schüren könnte, wäre eine robuste iPhone 5S-Nachfrage verbunden mit einem Vorstoß auf die Schwellenländer.

Obwohl das viel zitierte günstige iPhone Kunden aus der westlichen Welt optisch und funktional weniger interessieren dürfte als das iPhone 5S, könnte das Gerät die Richtung der Apple-Aktie noch maßgeblicher bestimmen. Das „iPhone Lite“ ist der Joker, der stechen muss. Schlägt das günstige iPhone ein, das offenkundig iPhone 5C heißen wird, besitzt Apple endlich den Hebel, um wieder in den Wachstumskurs zurückzufinden, dem es in der Gewinnentwicklung seit drei Quartalen hinterherläuft.

Und Apple hat noch einen Joker in der Hinterhand. Kommt das günstige iPhone mit dem lang erwarteten Deal mit China Mobile daher, um den unterdessen neue Spekulationen hochkochen, wäre in der 2014er-Bilanz erhebliches Aufwärtspotenzial vorhanden. Analysten rechnen das Absatzpotenzial beim mit Abstand größten Mobilfunkanbieter, der über mehr als 700 Millionen Kunden verfügt, auf bis zu 30 Millionen iPhones pro Geschäftsjahr – das wäre die Größenordnung des letzten Quartals weltweit.

Mit „iPhone 6“ Rückkehr zum Sommer-Launch-Zyklus?

Mit diesen Trümpfen, die Apple in den Schwellenländern mit seinem erfolgreichsten Produkt aller Zeiten noch nicht ausgespielt hat, steht der iKonzern im vierten Quartal in der Pflicht. 2014 könnte nach einem quälend langen Jahr ohne neue Produkte die Kür folgen: Eine neue iPhone-Generation mit endlich größerem Display – und vor allem neue Produktkategorien.

Wie realistisch ist das? Das iPhone der inzwischen achten Generation ist nicht die schwerste Voraussage der Welt: Die Frage, die sich eher stellt, ist der Zeitpunkt. Eine Rückkehr zum Launch-Zeitpunkt im Juni würde ein Dreivierteljahr nach dem Upgrade-Modell iPhone-5-Nachfolgers an der Börse ziemlich gut ankommen. Noch besser und wichtiger aber: Das nächste „one more thing“.

Nächstes „one more thing“: Zuerst iTV oder iWatch?

Dass es 2014 kommen muss, steht nach der jüngsten Dürreperiode so gut wie fest. Bleibt die Frage: iTV oder iWatch? Auch wenn die Spekulationen zuletzt eindeutig mehr Wellen in Richtung der Smartwatch schlugen, erscheint ein Apple-Fernseher naheliegender, weil überfällig. „I finally cracked it“, gab Steve Jobs Biograf Walter Isaacson auf dem Sterbebett mit auf dem Weg: „Ich habe es endlich herausgefunden“.

Warum davon auch fast zwei Jahre später immer noch nichts zu sehen ist, bleibt eines der großen Rätsel der Tim Cook-Ära. Es ist schließlich alles da: Die Set-Top-Box Apple TV liefert die Blaupause, wie ein iTV funktionieren könnte, während der jüngste iMac, in seiner Schmalheit fast übertrieben verspielt, fast 1:1 als Prototyp dienen könnte. Was fehlt, sind die nötigen Content-Deals, an denen Eddy Cue in diesen Tagen mit Hochdruck feilen dürfte. Ein Launch zum Weihnachtsquartal 2014 erscheint daher wahrscheinlicher als eine iWatch.

iWatch: Frühes Entwicklungsstadium

Das liegt nicht zuletzt daran, dass sich Apple bei der Arbeit an seiner Smartwatch derzeit offenkundig in einem ganz anderen Stadium befindet: Teams werden gebildet, Verantwortlichkeiten wie im Falle Bob Mansfield verschoben und neue Gesichter wie der Belgier Paul Deneve von Ives Saint Laurent verpflichtet. Ein iWatch-Launch in 2015 erscheint da wahrscheinlicher.

Damit sind gleich vier Joker beim Namen genannt: ein iPhone Lite inklusive China Mobile-Deal für die Schwellenländer, ein großes iPhone 6, iTV und die iWatch. Sollte Apple tatsächlich aus allen Zylindern feuern und binnen der nächsten 24 Monate ein solches Produktfeuerwerk abbrennen, könnte ein neuer Superzyklus mit nochmals zweistelligen Wachstumsraten beginnen.

Vorerst ist das nicht mehr als das Bestcase-Szenario, das nach zehn Monaten ohne irgendwelche Neuerungen nahezu fantastisch erscheint. An der Wall Street scheinen in diesen Tagen jedoch erste Positionierungskämpfe für eine solch optimistische Hypothese zu beginnen...

Diskutiere mit!

Hier kannst du den Artikel "Apples Comeback: Der Traum vom neuen Superzyklus " kommentieren. Melde dich einfach mit deinem maclife.de-Account an oder fülle die unten stehenden Felder aus.

Wow, das klingt ja mal vorsichtig optimistisch vom Autoren...

Das kennen wir doch von Nils Jacobsen: Entweder Bestcase- oder Worstcase-Szenarien. Dazwischen gibt es nichts und schon gar nichts Neues. Und dann auch nur Börsenkurse oder Geräte. Was Apple z.B. noch aus seinen über 700 Millionen iTunes-Konten machen könnte, verrät uns der Wirtschaftsjournalist nicht. Ziemlich dünn die immer wieder neu aufgegossene Brühe.

Er ist halt digital, kennt nur Nullen und Einsen ;)

Die Kommentare für diesen Artikel sind geschlossen.