Apple-Aktie: Carl Icahns Rhetorik verpufft | Mac Life

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Autor: Nils Jacobsen

Datum: 22.11.13 - 11:01 Uhr

Apple-Aktie: Carl Icahns Rhetorik verpufft

Der vermeintlich große Befreiungsschlag ist drei Monate alt. Großinvestor Carl Icahn stieg in Apple ein und eröffnete mit Fanfarenklang seinen Feldzug für die Aktie. Seitdem notiert das Papier nur wenige Prozent höher, obwohl Icahn immer wieder von neuen Allzeithochs träumt. Doch auch die Investmentlegende bekommt die träge Apple-Aktie, die gegenüber dem Markt weiter underperformt, einfach nicht zum Fliegen...

Drei Monate ist Carl Icahns Feldzug für Apple nun schon alt, der Mitte August mit einem Tweet bei 467 Dollar begann. Wenige Stunden später stand die Apple-Aktie bei 492 Dollar. Gestern waren es 521 Dollar, nicht mal sechs Prozent mehr, während die Technologiebörse Nasdaq in der Breite im selben Zeitraum um 8 Prozent zulegte.

Über die Entwicklung seit Jahresbeginn würden sich Apple-Aktionäre freilich am liebsten ausschweigen: Während die Nasdaq mit einem enormen Plus von 32 Prozent seit Januar auf das bislang beste Jahr seit Beginn dieses Jahrtausends hinsteuert, hat es die Apple-Aktie trotz zwei gelungener Produktlaunches, der Verwendung von 100 Milliarden Dollar Bargeld in Form von Aktienrückkäufen und Dividendenausschüttungen immer noch nicht mal ins positive Terrain geschafft. Das Minus, so klein es mit zwei Prozent ausfällt, steht stellvertretend für ein Jahr zum Vergessen: (Fast) Alles stieg 2013, nur Apple führte seinen einsamen Kampf im roten Terrain.

Mitteilsamer Großinvestor: "Nettes Gespräch und Essen mit Tim Cook"

Nicht mal die hochkonzentrierte Medizin des Aktionäraktivisten Carl Icahn scheint Wirkung zu entfalten. Es begann mit folgendem Tweet am 14. August "Wir haben im Moment eine große Position bei Apple. Wir glauben, das Unternehmen ist extrem unterbewertet. Habe heute mit Tim Cook gesprochen".

Und weiter: "Ich hatte heute eine nette Unterhaltung mit Tim Cook. Habe ihm gesagt, dass nach meiner Meinung jetzt ein großer Aktienrückkauf geschehen sollte. Wir planen, bald wieder miteinander zu sprechen." Nach dem Gespräch dann das Essen: "Hatte vergangenen Abend ein nettes Essen mit Tim Cook", berichtete Icahn seinen Followern Anfang Oktober vom Zusammentreffen mit Apple-CEO, den er zu sich nach Hause zum Dinner eingeladen hatte. "Wir haben mit Nachdruck auf ein 150 Milliarden-Aktienrückkauf gedrängt", machte Icahn über den Kurzmitteilungsdienst klar.

Auf CNBC legte der legendäre Corporate Raider nach und streifte erstmals die Samthandschuhe ab. "Der Aufsichtsrat wurde nicht von Gott gewählt. Sie verhalten sich aber verwöhnt und nicht im Sinne der Aktionäre", übte Icahn das erste Mal unverhohlen Kritik. Das Dinner sei zum Teil "gereizt" verlaufen, erklärte Icahn und ließ durchblicken, er habe noch "viele Optionen". Der Dialog sollte in drei Wochen fortgesetzt werden.

Es folgte stattdessen – ein Brief. "Hab gerade einen Brief an Tim abgeschickt. Der vollständige Brief wird auf meiner Webseite Shareholders’ Square Table veröffentlicht", twitterte Icahn "Wir haben mit Nachdruck auf einen 150 Milliarden-Aktienrückkauf gedrängt", machte Icahn sein Anliegen nochmals klar.

Angeblich sind 1250 Dollar drin: Icahn wedelt mit luftigen Kurszielen

Der Brief an Cook kündet dann vom großen Potenzial der Apple-Aktie, wenn Apples Konzernchef denn die Güte besäße, zuzuhören: "Wenn Sie den Rückkaufplan durchführen wie vorgeschlagen" – Icahn empfiehlt Cook Aktien im Wert von 150 Milliarden Dollar zurückzukaufen – "erwarten wir, dass die Aktie binnen drei Jahren auf 1250 Dollar steigt."

Um seiner Überzeugung Nachdruck zu verleihen, erhöhte Icahn seine eigene Position nochmals um 22 Prozent auf 4,7 Millionen Aktien. Allein: Bei aktuell 521 Dollar ist Icahns Anteils zwar 2,4 Milliarden Dollar wert, macht allerdings damit lediglich 0,5 Prozent am gesamten Unternehmen aus. Der Feldzug des Finanzaktivisten für Apple bleibt also vor allem eine PR-Show.

Apple-Aktie: Trotz Icahn-Doping am Börsenberg abgehängt

Allein: Gebracht hat die Icahn-Show der Aktie unterm Strich wenig. Fazit nach dreieinhalb Monaten rhetorischer Bemühungen in Apples Sache: Der iPhone-Hersteller bleibt ein Underperformer. Nicht mal die als Kaufkurse angepriesene 525 Dollar-Marke hat zuletzt gehalten. Nach einem Geschäftsjahr mit zweistelligen Gewinnrückgängen bleibt Apple ein Konzern in Wartestellung, der erst beweisen muss, ob er aus eigener Kraft wieder zurück in die Wachstumsspur findet.

Carl Icahn wirkt wie der Einpeitscher mit Doping-Präparaten am Straßenrand der Tour de France, doch den Alpe d’Huez der Aktienmärkte muss Cook allein hochklettern. Nachdem der Hungerast des ersten Halbjahres durchgestanden ist, müsste Apple am Börsenberg nun wieder Fahrt aufnehmen. Der Vorsprung schmilzt: Exxon Mobil (55 Milliarden Rückstand), vor allem aber der dynamische Internet-Rivale Google (113 Milliarden Rückstand) kommen näher.

2013: Bis auf den letzten Metern ein Kampf um schwarze Notierungen

Aktienrückkäufe mögen stabilisierend wirken, können aber für keinen Kursausbruch sorgen, wie ihn Google, Amazon und Facebook dieses Jahr erlebt haben. Für den Rest des Börsenjahres 2013 geht es Apple im Autopilot-Modus maximal noch darum, nicht mit einem Minus aus dem Jahr zu gehen. Bei 532 Dollar liegt die vorläufige Zielmarke.

2014 dann ist es ein neues Rennen. Icahn, der immer wieder erklärt hatte, er wäre "gekommen, um zu bleiben", dürfte spätestens dann den Infight mit Cook suchen und Apple unter Druck setzen. Und auch ein alter Bekannter aus der Investmentszene tauchte gestern wieder auf und meldete sich zurück: David Einhorn, der weiter in Apple investiert ist, ist die Verwendung der Barmittel weiter zu gering.

Um sich in nicht zu viele Nebenschauplätze zu verstricken, kann auf Tim Cooks Agenda 2014 nur ganz oben stehen, im operativen Geschäft zu alter Form zurückzufinden. Doch bis zum vermeintlichen Saisonhöhepunkt mit dem iPhone 6-Launch im September 2014 muss Cook wohl noch einige Ausreißversuche der Konkurrenz und vor allem seiner falschen Freunde kontern...