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Wer wird das „Netflix für Podcasts“?

Die Podcast-Welt ist in Aufruhr. Einige Firmen wollen aus der offenen Podcast-Struktur geschlossene Plattformen machen. Dabei versuchen sie es stets über exklusive Shows und großes Kapital. Wir schauen genauer hin und verraten Ihnen in einem kleinen Vergleich, wer unter dem Strich am besten abschneidet.

Das Medium Podcast hat mittlerweile schon viele Trends und einen langen Weg hinter sich. Der erste große Meilenstein war Apples Integration von Podcasts in iTunes. Das war im Jahr 2005 und seitdem hat sich eine Menge getan. Der namensgebende iPod ist zum Beispiel kaum noch ein relevantes Thema für Apple. Die Marktdominanz von iTunes als Podcast-Plattform ist ebenfalls stark zurückgegangen. Und aus dem Hobby-Medium sind eigene professionelle Strukturen entstanden und große Medienkonzerne sind aufgesprungen. Das äußert sich vor allem in der Format- und Themen-Vielfalt sowie in finanziellen Mitteln innerhalb der Podcast-Branche. Mit Podcasts lässt sich mittlerweile gutes Geld verdienen. Audio-Plattformen und neue Podcast-Start-ups wollen ebenfalls mitspielen. Das Rennen um die eine, dominierende Plattform ist somit erneut entbrannt. Dieses Mal wollen alle das „Netflix für Podcasts“ werden. Wer um diesen Titel mit welchen Mitteln kämpft und was das alles für das Podcast-Medium bedeutet, schauen wir uns einmal genauer an.

Spotify expandiert

Der Marktführer in Sachen Musikstreaming will auch Marktführer für Podcasts werden. Das zeigt sich vor allem in Spotifys Einkaufslaune. Für das Podcast-Label Gimlet Media hat Spotify im Frühjahr 2019 satte 230 Millionen US-Dollar bezahlt und kurz darauf auch noch die Podcast-Plattform Anchor übernommen.

Gimlet produziert eigene Podcasts und hat solche Hits wie „Homecoming“ und „Reply All“ im Programm, die wiederum als Vorlage für Hollywood-Produktionen dienen. Aus dem Podcast „Homecoming“ wurde die gleichnamige Amazon-Prime-Serie mit Julia Roberts und eine Reply-All-Episode soll als Film mit Robert Downey Jr. verfilmt werden. Sehr gut möglich, dass Gimlet in Zukunft exklusive Podcast-Formate mit ähnlichem Prestige für Spotify produzieren wird.

Anchor kümmert sich hingegen um das Produzieren und Bereitstellen von Podcasts. Das Start-up aus New York hat sich besonders in den USA als schnelle Startmöglichkeit für neue Podcastende etabliert. Nicht nur für Stars und große Formate, sondern auch für die breite Masse ist Anchor eine wichtige Instanz geworden. Diese Expertise will Spotify in Zukunft sicherlich auch auf der eigenen Plattform nutzen.

Das Ergebnis könnte Spotify schon bald zur wichtigsten Podcasting-Plattform des Netzes machen. Angefangen bei simplen Möglichkeiten zur Podcast-Produktion durch Anchor über exklusive Mega-Hits von Gimlet Media bis hin zu den ohnehin schon etablierten exklusiven Podcast-Formaten wie „Fest und Flauschig“ mit Jan Böhmermann und Olli Schulz oder „Paardiologie“ mit Charlotte Roche und ihrem Ehemann. Spotify könnte sich in der Kombination dieser strategischen Schritte und Angebote schnell zur wichtigsten Anlaufstelle für Podcast entwickeln. Damit würde die Plattform gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Zum einen wäre das ein deutlicher Vorteil gegenüber der Konkurrenz von Apple Music, bei der es bis heute keine (exklusiven) Podcasts gibt. Zum anderen spart Spotify Lizenzgebühren, wenn die Premium-Kundschaft Podcasts statt Musik hört.

Doch nicht nur Musikstreaming-Giganten wie Spotify arbeiten am eigenen Podcast-Monopol. Daneben entstehen momentan komplett neue Podcast-Start-ups, die mit Startkapitalen von 100 Millionen US-Dollar an den Start gehen. Sowohl Luminary als auch Himalaya wollen dabei das „Netflix für Podcasts“ werden. Luminary geht dabei den gleichen Weg wie das große Vorbild. Neben dem breiten Angebot bereits etablierter Podcasts sollen vor allem die exklusiven Formate bei der Verbreitung der Plattform helfen. US-Stars wie der Daily-Show-Moderator Trevor Noah haben exklusive Shows für Luminary angekündigt. Bisher ist die Plattform nur in den USA, Kanada, Australien und in Großbritannien gestartet. Ob und wann sie es auch nach Deutschland schafft, ist bisher unklar.

Ähnlich sieht es bei der direkten Konkurrenz Himalaya aus. Dabei konzentriert sich der Dienst ebenfalls auf größere Namen und Podcast-Stars, um sich so auf dem US-Markt durchzusetzen. Hierzulande gibt es bisher aber keine exklusiven Formate oder Produktionen.

Dass es auch kleiner, aber nicht weniger bescheiden geht, zeigt die dänische Plattform Podimo. Diese will mit einer Startsumme von 6 Millionen Euro ebenfalls das „Netflix für Podcasts“ werden. Dabei will das Unternehmen besonders eng mit Podcast-Produzierenden arbeiten. Ein Start der App ist für September 2019 geplant.

Exklusive Formate bei Audible und Stitcher

Die Hörbuchplattform Audible ist ebenfalls auf Podcasts aufmerksam geworden. Anders als bei Spotify oder anderen Podcasts-Apps können Sie mit Audible aber ausschließlich exklusive Eigenproduktionen hören. Das sind Podcasts wie zum Beispiel das Dokuformat „German Liebe“ oder „Wahre Verbrechen“ des Stern-Crime-Magazins. Dabei handelt es sich bei Audible aber viel mehr um eine Ergänzung der Hörbuchplattform als um einen direkten Konkurrenten von Spotify oder Luminary. Anders sieht es hingegen bei der Podcast-App Stitcher aus. Diese liefert in der kostenlosen Basis-Version eine Vielzahl ebenfalls kostenloser Podcasts aus. Darüber hinaus können Sie aber ein kostenpflichtiges Abo für rund 5 US-Dollar im Monat abschließen. Damit erhalten Sie dann Zugriff auf exklusive Eigenproduktionen von Stitcher Premium. Zum Beispiel den Marvel-Podcast „Wolverine: The Lost Trail“ über die bekannten X-Men oder auch die Bonus-Episoden bereits bekannter Podcasts wie dem Interview-Format „WTF with Marc Maron“. Dabei geht es Stitcher aber eher um die Abgrenzung von konkurrierenden Apps als um den Aufbau einer eigenständigen Podcast-Plattform.

Fazit

Der Podcast-Markt ist heiß umkämpft. Spotify zeigt sich dabei besonders angriffslustig und investiert in Podcasts. Dabei hat die Plattform durch die bereits etablierte Kundschaft die besten Voraussetzungen. 217 Millionen Nutzende und 100 Millionen Premium-Abos zeigen, wie einflussreich die Musikplattform auch für das Podcast-Medium werden kann. Die neuen Podcast-Start-ups und etablierten Premium-Apps haben es daneben schwer. Egal wie die Zukunft auf dem Podcastmarkt aussehen wird. Durch die Investitionsfreude von Plattformen wie Spotify, Luminary und Himalaya erhalten Podcast-Fans spannende und neue Podcastformate, die dem Medium hoffentlich neuen Schwung und viele neue Zielgruppen beschenken werden.

Vergleich von Podcast-Anbietern
Vergleich von Podcast-Anbietern (Bild: Falkemedia)

Was ist mit Apple?

Ohne Apple gäbe es heute keine Podcasts. Allein schon aus dem Grund, dass sich der Name „Podcast“ aus den Begriffen „iPod“ und „broadcasting“, also „senden“, zusammensetzt. Die ersten Podcasts entstanden zur Hochphase des digitalen Musikplayers von Apple. Kurz darauf integrierte Apple dann ein eigenes Podcast-Verzeichnis in iTunes und verhalf dem jungen Medium zu einer enormen Reichweite. Das war allerdings im Jahr 2005 – und lange Zeit passierte nichts. Während Apple untätig in Sachen Podcasts blieb, kümmerte sich die Podcast-Community selbst um Strukturen wie Netzwerke, Labels, Vermarktung und Verkauf der eigenen Inhalte. Durch Apples mangelndes Interesse am Medium konnten Plattformen wie Spotify aber schnell aufschließen.

 

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Wenn es auf einer geschlossene Plattformen läuft, ist es kein Podcast mehr sondern ein Audiobook.

Podcast sind doch einfach Audio-Aufnahmen, oder? Sozusagen wie Radio-Talkshows. Oder wie Hörbücher? Oder früher die Hörspiele in Radios, vor dem TV? Ich hab mir mal mit meiner Freundin so eine Show im Sommer 2018 angehört. Wir mussten schon lachen und hatten Spaß beim zuhören. Ich glaube aber, ich für meinen Teil, hätte kein Interesse. Musik höre ich auf dem Arbeitsweg, Zuhause, bei der Hausarbeit usw, auch Musik, oder lasse auf einem Gerät einen Nachrichtensender laufen.
Also nein, ich glaube es ist nichts für mich. Bei fast allem an Unterhaltung, außer Filme und Serien, tausche ich mich in Kommentarfunktionen aus, oder lese einfach, wie andere Menschen über etwas denken. Ich würde es bei Podcast vermissen.