Quelle: https://www.maclife.de/news/verlierer-gewinner-bei-apples-neuen-app-abos-10078875.html

Autor: Martin Grabmair

Datum: 10.06.16 - 12:17 Uhr

Verlierer und Gewinner bei Apples neuen App Abos

Am kommenden Montag startet Apples World Wide Developers Conference. Das Unternehmen wird dann unter anderem einige größere Änderungen im App Store vorstellen. Eine dieser Änderungen wird die Öffnung von Abonnement-Geschäftsmodellen für alle App-Kategorien sein. Während Apple mittel- und langfristig unzweifelhaft von dieser Entscheidung profitieren wird, dürften andere durch die App Abos in Schwierigkeiten geraten.

Apple wird auf der World Wide Developers Conference (WWDC) bekanntlich das Abonnement-Modell auf alle Kategorien des App Stores ausweiten. Das hat der App Store Chef Phil Shiller in einem Interview gegenüber der US-amerikanischen Webseite The Verge bereits angekündigt. Bisher können lediglich einige wenige App-Kategorien, beispielsweise Streaming-Apps, monatliche oder jährliche Gebühren verlangen, während alle anderen Entwickler für ihre Apps nur einen einmaligen Betrag kassieren dürfen. Gleichzeitig wird Apple bei Apps mit Abonnement-Geschäftsmodell ab dem zweiten Jahr nur noch 15 Prozent der App-Einnahmen für sich behalten. Bisher sind es sowohl beim normalen als auch beim Abonnement-Modell 30 Prozent. Es stellt sich aber die Frage, wer denn von diesen neuen App Abos profitiert.

Wer profitiert von den App Abos?

Apple hat durch dieses neue Modell sowohl Nach- als auch Vorteile, wobei letztere überwiegen dürften: Zwar erhält das Unternehmen durch die Reduzierung der Gebühren auf 15 Prozent wohl kurzfristig etwas weniger Einnahmen durch App-Verkäufe. Langfristig dürften sich die Einnahmen dank des Abonnement-Modells jedoch steigern, da diese Modelle generell mehr Geld umsetzen. Außerdem dürfte die Verzögerung der Gebührenreduzierung seitens Apples um ein Jahr einen großen Teil der kurzfristig zu erwartenden Mindereinnahmen auffangen.

Bei den App-Entwicklern dürfte das Abonnement-Modell jedoch zu einer Verstärkung der Zweiklassengesellschaft führen. Zwar hab App-Entwickler Angaben Apples zufolge seit der Einführung des App Stores in 2008 mehr als 40 Milliarden US-Dollar umgesetzt – ein Drittel davon allein im letzten Jahr. Allerdings entfällt ein Großteil davon auf wenige Apps. Im April 2016 gingen dem Marktforschungsinstitut App Annie zufolge 75 Prozent der App-Einnahmen an die Entwickler von Gaming-Apps. Der Rest entfällt größtenteils auf einige wenige Big Player aus den Kategorien Streaming-Apps, Cloud-Speicher-Lösungen, Unterhaltungs-Apps und Kommunikations-Apps. Sehr viele Entwickler kleinerer Apps, die nicht Millionen Downloads verzeichnen können, können mit den Einnahmen aus Verkäufen, Werbung und In-App-Verkäufen kaum ihre Kosten decken. Sie verzichten deshalb oft darauf, ihre Apps für andere Plattformen, beispielsweise tvOS oder watchOS anzupassen oder für die besonderen Fähigkeiten, zum Beispiel die des iPad Pro, fit zu machen.

WWDC 2016: Live dabei mit maclife.de!

Am 13. Juni ist es einmal mehr soweit, Apple eröffnet seine Entwicklerkonferenz WWDC mit einer großen Keynote-Veranstaltung. In deren Rahmen werden unter anderem die Vorstellung von iOS 10 und OS X 10.12 erwartet – und als „one more thing“ darf man sich womöglich sogar auf die Enthüllung neuer Hardware in Form neuer MacBook-Pro-Modelle freuen. Es bleibt spannend! Mac Life begleitet den Livestream von Apple mit Artikeln zu den Neuheiten des Abends, Kommentaren und Einschätzungen – los geht’s am 13.6. um 19 Uhr!

Dies dürfte sich durch die Öffnung des Abonnement-Modells nur verstärken. Nutzer werden sich gut überlegen, für welche Apps sie regelmäßig Gebühren bezahlen wollen. Viele kleinere Apps können schon allein deshalb nicht auf Abonnements umstellen, weil sie dann noch weniger Kunden bekommen würden als bei einem Geschäftsmodell mit Werbung, In-App-Verkäufen oder einem einmaligen Kaufpreis. Gleichzeitig steht Nutzern nur ein bestimmtes Budget für App-Käufe zur Verfügung. Wenn davon bereits ein Großteil durch monatliche oder jährliche Abo-Kosten aufgefressen wird, dürften die spontanen Käufe anderer Apps zurückgehen.

Nicht jeder erfolgreiche App-Entwickler wird auf ein Abonnement-Modell umsteigen können oder wollen. Schiller hat impliziert, dass die Entwickler einen kontinuierlichen Mehrwert anbieten müssen, beispielsweise einen Rund-um-die-Uhr-Support oder einen Multiplayer-Modus, um App Abos rechtfertigen zu können. Außerdem verdienen viele erfolgreiche Gaming-Apps ihr Geld sowieso mit In-App-Verkäufen. Und so lange dieses Geschäftsmodell funktioniert, werden die Entwickler daran auch nichts ändern. Die die es können und sich davon mehr Profit versprechen – und das werden viele der erfolgreichen Apps sein – wären allerdings dumm, wenn sie kein Abonnement-Modell einführen würden.

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Bei den Nutzern dürfte das Lager ebenfalls zweigeteilt sein. Viele Anwender werden wohl auf den Abschluss eines Abonnements verzichten, weil sie sich nicht durch regelmäßige Gebühren binden wollen. Einmal-Käufe und In-App-Käufe sind nun einmal einmalige Ausgaben und keine langfristigen Verpflichtungen und bei Apps mit Werbung fallen für Nutzer oft gar keine Kosten an. Sie werden stattdessen versuchen eine kostenlose Lösung zu finden oder auf eine Anwendung verzichten. Gleichzeitig bedeutet dies aber auch, dass sie das vermutlich beste Produkt nicht verwenden werden. Wer sich jedoch dafür entscheidet, ein App Abo abzuschließen, wird wahrscheinlich von besseren Apps profitieren. Denn um Anwender überhaupt dazu zu bringen ein Abonnement anzunehmen und es später auch zu behalten, müssen sich die App-Entwickler immer wieder ins Zeug legen und laufend einen Mehrwert anbieten – seien es neue Funktionen, Online-Dienste oder ein toller Support.

Zu guter Letzt dürfte Apple mit seiner Öffnung des Abonnement-Modells eine lästige Eigenheit des App Stores beseitigen. Denn derzeit veröffentlichen Entwickler eine größere neue Version einer App oft als komplett neue App, um auch trotz des Einmalpreises weiterhin Geld verdienen zu können. Denn in vielen Fällen generieren Apps nur in den ersten Monaten nach der Veröffentlichung viele Einnahmen, während die Downloads danach massiv abnehmen. Nutzer müssen sich die App in diesem Fall ein zweites Mal kaufen.