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Urlaubsfotografie: Was ist rechtlich zu beachten?

Urlaubsfotografie: Was ist rechtlich zu beachten?

Endlich ist es soweit: Hochsommer! Hundertausende strömen aus den Städten an die Strände oder jedenfalls ins Freibad. Mit dabei: jede Menge Kameras in iPhone & Co.

Gerade die schönsten Stunden des Jahres wollen fotografisch dokumentiert und auf Fotos gebannt werden. Allerdings: Es stellt sich die Frage, welche Grenzen eigentlich bei der Urlaubsfotografie zu beachten sind. Theoretisch klingt die Sache einigermaßen simpel: Nichts zu befürchten hat, wer vor jedem Strand-Schnappschuss alle erkennbar auf dem späteren Foto abgebildeten kurz fragt, ob sie einverstanden sind, abgebildet zu werden. Und ob sie darüber hinaus auch nichts dagegen haben, in der abgebildeten Form im Internet und Social Media veröffentlicht zu werden.

Idealerweise ist diese unter Juristen neudeutsch so „Model Release“ genannte Bildfreigabe natürlich schriftlich zu erklären, da später leichter beweisbar!

Spätestens an dieser Stelle runzelt die Leserin und der Leser möglicherweise bereits deutlich die Stirn: „Model Release“? Die meisten haben wohl am Strand nicht einmal einen Kugelschreiber griffbereit. Auch ansonsten scheitert diese Pauschallösung, wie die Wortwahl „theoretisch“ bereits nahelegt, an der nicht vorhandenen Praktikabilität. Wir kommen also um Einzelheiten nicht herum. Hier müssen wir zunächst differenzieren:

1. Grundsatz: Fotografieren / Filmen erlaubt

Zunächst einmal dürfen wir auf aufatmen: Andere Leute in der Öffentlichkeit zu fotografieren, gehört - jedenfalls zum Zeitpunkt der Abfassung dieses Beitrags – noch immer zu den Dingen, die grundsätzlich erlaubt sind. Wo der Jurist „grundsätzlich“ sagt, folgt die Relativierung auf dem Fuße:

Wo schon die Anfertigung der Fotografie in die Intimsphäre des Abgebildeten eingreift, endet der Grundsatz und die Ausnahme beginnt: dann muss dieser auch gefragt werden.

Datenschützer weisen in diesem Zusammenhang auch gern darauf hin, dass schon die Anfertigung einer Fotografie, auf der ein Fremder zu erkennen ist, in aller Regel eine Erhebung von personenbezogenen Daten darstellt, die gegebenenfalls erlaubnispflichtig ist. In unserer Strandsituation mag man nun darüber streiten, ob das Bundesdatenschutzgesetz (BDSG) hier Anwendung findet. Der in § 28 BDSG niedergelegte Grundsatz, dass öffentlich zugängliche Daten erhoben, gespeichert und genutzt werden dürfen, so lange nicht ein offensichtliches Interesse des abgebildeten entgegensteht, passt hier allerdings sehr gut. Kurz gesagt: die Szenerie beim Beach-Volleyball einzufangen, ist erlaubt. Aufnahmen von (teilweise) unbekleideten Badenixen oder gar am Strand herumtollenden fremden Kindern nicht.

2. Grundsatz: Veröffentlichung verboten

Auf der zweiten Stufe geht es dann darum, wie die angefertigten Fotografien eigentlich genutzt werden dürfen. Und hier dreht sich das Regel-Ausnahme-Verhältnis dann um: Gemäß § 22 des Kunsturhebergesetzes (KUG) ist grundsätzlich die Einwilligung des Abgebildeten einzuholen, bevor sein Bildnis veröffentlicht wird. Und natürlich gilt als Veröffentlichung auch das Posten in sozialen Netzwerken & Co.

Auch diese Regel ist nicht ohne Ausnahme, denn in bestimmten Fällen müssen Abgebildete auch die Veröffentlichung ohne vorherige Einwilligung dulden. Zum Beispiel, wenn sie nur als Beiwerk zu einer Landschaft abgebildet sind. Wohlgemerkt: Für die „Ausnahme“ ist charakteristisch nur ausnahmsweise zu gelten. Wenn der oder die abgebildete im Vordergrund und die Landschaft (zum Beispiel Strand oder Steilküste) nur sehr im Hintergrund steht, ist sie daher nicht einschlägig (und damit eine Einwilligung erforderlich).

Dazu kommt die folgende Ausnahme von der Ausnahme: wenn und soweit ein berechtigtes Interesse des Abgebildeten entgegensteht, muss er auch hier gefragt werden (§ 23 Abs. 2 KUG).

Bevor sich der Kolumnist nun selbst in die Ferien verabschiedet, möchte er aber noch einen alternativen Lösungsweg für die dargestellten Schwierigkeiten aufzeigen:

Wer Telefon, iPad und Kamera einfach mal im Hotelzimmer oder zuhause lässt, bekommt die genannten Schwierigkeiten gar nicht erst – und hat vielleicht auch mehr vom Sommer …

Der Autor: Stephan Dirks, Rechtsanwalt

Stephan Dirks ist Fachanwalt für Urheberrecht und Medienrecht in der Kanzlei DIRKS.LEGAL mit Sitz in Hamburg und Kiel. Web: http://www.dirks.legal

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