Quelle: https://www.maclife.de/news/medizin-nobelpreistraeger-vermutet-smartphones-hinter-burnouts-10070024.html

Autor: Andreas Donath

Datum: 04.10.15 - 14:32 Uhr

Medizin-Nobelpreisträger vermutet Smartphone und Dauererreichbarkeit hinter Burnouts

Der mit dem Medizin-Nobelpreis aufgezeichnete Forscher Thomas Südhof vermutet, dass die ständige Erreichbarkeit, die erst durch Smartphones entstanden ist, hinter vielen Burnouts. Zudem würden sich viele Angestellte selbst ausbeuten, weil sie zu lange arbeiten und keine Ruhephasen und Entspannungsmöglichkeiten suchen. Der Hirnforscher besitzt aber selbst ein Smartphone. Einen Trick für sich selbst hat er jedoch auf Lager.

Der Medizin-Nobelpreisträger Thomas Südhof hat in einem Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" (FAS) davor gewarnt, sich zuviel Stress durch die ständige Erreichbarkeit zu machen. Vor Smartphones warnt er nicht - er besitzt jedoch selbst eines. Doch Südhof empfiehlt, auch einmal unerreichbar zu sein.

"Es wundert mich nicht, dass viele Menschen an Burnout erkranken, wenn man sich anschaut, wie wir heute leben", so der Forscher, der an der Uni Stanford lehrt im Interview mit der FAS. Die ständige Erreichbarkeit durch Smartphones und andere Geräte erlauben es den Menschen, ständig in Kontakt mit ihrer Arbeit zu bleiben. Das könne auf Dauer nicht gut gehen, meint der 59jährige. Der chronisch Stress, der auch durch ständige Überstunden entstehen würde, sorge für Veränderungen im Gehirn. Wie genau Burnout entsteht, wisse derzeit aber niemand. Schließlich gibt es ja auch positiven Stress.

Eine Therapie gegen Burnout habe er ebenfalls nicht - das sei Aufgabe der Psychiater. Er empfiehlt jedoch, den Lebensstil zu verändern, wenn es einmal dazu gekommen ist. Wichtig seien vor allem Entspannungsphase, das sage schon der gesunde Menschenverstand. Alles was ablenke, sei gut. Das könne Sport sein, aber auch Musik, ein Buch oder andere Sachen, die den Geist ablenken. Natürlich hat die dauerhafte Berieselung nicht nur etwas mit Smartphones und Tablets zu tun, sondern auch mit dem Fernsehen. Das seien eher schlechte Angewohnheiten - was auch für zu langes Arbeiten gelte. Er müsse seine Mitarbeiter teilweise nach Hause schicken, damit sie sich nicht überarbeiten. Wer zu lange arbeitet, vernachlässige außerdem die Qualität seiner Arbeit, meinte Südhof.

Nur viel Arbeit oder Smartphones alleine sorgen aber vermutlich nicht für Burnouts. Dazu müssen noch andere Risikofaktoren kommen, meint der Forscher. Das könnte zu wenig Anrechnung, fehlender Teamgeist oder Existenzängste sein. Dann würden vom Gehirn irgendwann die Belastungen nicht mehr abzufedern sein.

Sein persönliches Rezept verriet er auch: Nach 20 Uhr schaltet er alle elektronischen Geräte ab und erst zum Frühstück wieder ein. Es sei nicht schlimm, wenn in der Zeit einige E-Mails eingetroffen und nicht bearbeitet worden sein. Einen Fernseher besitzt er nicht.