Äpfel und Birnen

Kolumne: Auch heiße Luft braucht ihren Platz

Auch heiße Luft braucht ihren Platz, stellt Frank Kruf für Mac Life in seiner Kolumne fest. Denn Apple sucht händeringend nach Lösungen, um das boomende Cloud-Geschäft über eigene Server abzuwickeln. Wenn man hört, wie viel Geld der Konzern aus Cupertino nämlich zum Beispiel nur Jeff Bezos für dessen Cloudservices zahlt, schlackert man mit den Ohren.

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Dass man auf dem Weg zum Serviceunternehmen ausgerechnet auf die Dienste von Amazon angewiesen ist, wird einigen führenden Mitarbeitern im Apple-Park-Raumschiff ganz bestimmt als heftiger Dorn im Auge schmerzen. Daher hat man dem Projekt, dass sich schon seit geraumer Zeit damit beschäftigt, eigene Rechenzentren in Schnellbauweise zu entwickeln, den vielsagenden Namen „Project McQueen“ gegeben: Der vor knapp vierzig Jahren verstorbene US-amerikanische Filmschauspieler Steve McQueen war der Prototyp des coolen Killers, der seine Aufträge sehr gewissenhaft auf die „stille Art“ erledigte – und dabei auch noch stets gut aussah. Ähnliches Geschick ist bei Apple nun auch gefragt, will man sich nicht weiter vor Amazons alles zermalmenden Karren spannen lassen.

Das Businessportal „CNBC“ hat errechnet, dass Apple aktuell mehr als 30 Millionen US-Dollar pro Monat an Jeff Bezos Paketversender überweist, um dessen Cloudservices nutzen zu dürfen. Aber was soll man auch tun, wenn der eigene Platz noch nicht einmal ausreicht, um den Grundstein für die schöne neue Dienstleistungswelt zu legen, die man versprochen hat aufzubauen? Denn leere Versprechungen halten den Aktienkurs nicht langfristig in luftigen Höhen.

Wer konkurrenzfähige Streamingdienste in Aussicht stellt, der muss sich auch um die Infrastruktur kümmern, die dahinter steht. Vorübergehend ist es sicher kein Problem, sich den Platz bei alternativen Anbietern zu erkaufen und beide Augen kräftig zuzudrücken, wenn dort das allgegenwärtige Logo mit dem gelben Pfeil auf der üppigen Rechnung steht. In Anbetracht dessen, dass Apple die Zeichen der Zeit erkannt hat und weiß, dass allein mit dem iPhone zukünftig kein Blumentopf mehr zu gewinnen sein wird, wäre es ratsam, das „Project McQueen“ zu forcieren.

Vielleicht sollte man sich auch eine gänzlich neue Strategie überlegen und dem Kind einen ganz neuen Namen verpassen – etwas frischer Wind täte der Sache bestimmt gut. Wie wäre es zum Beispiel mit „Project Stallone“ – die harte Faust statt der eleganten Worte? Genug geredet und unter dem Radar scharmützelt! Das beängstigende Wachstum der übermächtigen Konkurrenten lässt nicht die Zeit für diplomatisches Geschick. Hier ist der Hammer gefragt, nicht das Florett!

Schließlich steht man schon mit der „Apple Card“ hinten an: Während Apple noch die Vorzüge des Einkaufs mit der eigenen Kreditkarte anpreist und den Startschuss für den Sommer 2019 in Aussicht stellt, haben Prime-Kunden schon längst ihre Bonuspunkte mit der Amazon-Karte eingelöst.

Als Apple-Sympathisant fühlt man sich manchmal so wie mancher Anhänger von Ferrari. Dort weiß man auch, dass Enzos Nachfahren mit Abstand die schönsten Autos bauen. Trotzdem musste man zuletzt – trotz Starts von der Pole-Position – wegen eines Fahrfehlers in der Boxengasse warten und durfte zusehen, wie ein schnöder Mercedes vorbeizog.

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