Zum iPhone 7 Event

iPhone 7 und Apple Watch Series 2: Unerwartet erwartbar – Ein Kommentar

Apple hat immer noch den Nimbus eine der verschwiegensten Firmen der Welt zu sein. Besonders wenn es um neue Produkte geht. Auch wenn das inzwischen nicht mehr der Fall ist. Apple muss neue Geräte in so unvorstellbar großen Mengen produzieren, dass zumindest alle großen neuen Features bereits im Voraus bekannt werden. Auch weil wir alle gemeinsam viel Spaß am Orakeln und in der Gerüchteküche habe.

Von   Uhr

Eine interessante und kurzweilige Veranstaltung war es aber dennoch, an diesem 7. September. Die größte Überraschung gab es gleich zum Anfang: Tim Cook arbeitet weiterhin daran, das trockene und nüchterne Image eines Sparkassen-Filialleiters abzuschütteln und lässt sich singend und scherzend von keinem geringen als der YouTube-Sensation James Cordon zum Veranstaltungsort kutschieren. Ein netter Gag, der den Ton für das gesamte Event vorgibt: habt Spaß!

Das neue iPhone kommt in zwei echten Schwarztönen – matt und glänzend.
Das neue iPhone kommt in zwei echten Schwarztönen – matt und glänzend. (Bild: Apple)

Das iPhone 7

Neu ist vor allem, dass auf den ersten Blick nichts neu ist. Nach dem iPhone 6s ist das iPhone 7 der zweite Design-Aufguss des iPhone 6. Das hat Apple bislang noch nie gemacht. Die Gründe dafür liegen allerdings auf der Hand: Das aktuelle Design kommt extrem gut an, auf diese Weise lässt sich die Gewinnmarge vermutlich nochmals erhöhen und Apple will sich den großen Kracher für das nächste Jahr aufsparen, wenn es gilt „10 Jahre iPhone“ zu feiern.

Erfreulich ist, dass Apple jetzt auch wieder tatsächlich schwarze iPhones im Angebot hat. Das Spacegrau von iPhone 6 und iPhone 6s ist nicht hässlich, hat mich aber bei weitem nicht so überzeugt wie das tiefe Schwarz von iPhone 3G, 3GS, 4, 4S und auch dem iPhone 5. Als „Entschädigung“ für die grauen Jahre bringt Apple nun gleich zwei verschieden schwarze Modelle: eins in einem matten Schwarzton und ein glänzendes in „Jet Black“, respektive „Diamantschwarz“, wie Apple es in Deutschland nennt.

Das glänzend schwarze iPhone ist beeindruckend, aber auch kratzempfindlich. So kratzempfindlich, dass selbst Apple die Verwendung einer Hülle empfiehlt. Als Nicht-Hüllen-Mensch ist für mich damit die Wahl klar: Es wird das matt-schwarze iPhone 7 Plus werden.

Das Kamera-System wurde komplett überarbeitet. Das iPhone 7 Plus verfügt sogar über gleich zwei rückwärtige Kameras.
Das Kamera-System wurde komplett überarbeitet. Das iPhone 7 Plus verfügt sogar über gleich zwei rückwärtige Kameras. (Bild: Apple)

Fokus auf die Kamera

Der Schwerpunkt der iPhone-Präsentation lag – und auch das war zu erwarten – auf der erneut deutlich verbesserten Kamera. Diese  kommt jetzt mit besserem Sensor, intelligentem Bild-Processing, einem verbesserten Blitz und einer optischen Bildstabilisation – auch in dem kleineren iPhone. Das iPhone 7 Plus erhält eine zusätzliche Kameraeinheit mit Teleobjektiv, das einen 2-fachen optischen Zoom und einen 10-fachen digitalen Zoom erlaubt. Mit einem Software-Update reicht Apple für das iPhone 7 Plus einen neuen Porträt-Aufnahme-Modus nach, dessen Bilder denen von vielen DSLRs in nichts nachstehen werden – wobei Profis natürlich weiterhin mit einer professionellen Kamera deutlich besser bedient sein werden.

Etwas irritierend ist, dass Apple mit diesem Feature nicht rechtzeitig fertig geworden ist, beziehungsweise sich selbst mit dem gestrigen Event eine zu enge Deadline gesetzt hat. Mir zumindest will kein anderes Beispiel einfallen, bei dem Apple ein neues, großes Hardware-Feature vorgestellt hätte, die 100-prozentige Nutzbarkeit dieses Features aber erst später nachliefert.

Mehr Speicher! Endlich mehr Speicher!

Nervöses Lachen überkam mich, als Phil Schiller die Präsentationsfolie mit den Speicheroptionen öffnete. Da stand tatsächlich 16 GB für das Einsteigermodell. Innerhalb einer Viertelsekunde war die fällige Schmähschrift in meinem Kopf bereits fertig formuliert.

Zur allgemeinen Erleichterung klärte Schiller das dann jedoch als Scherz auf und präsentierte die neuen Optionen (32, 128 und 256 Gigabyte).

Ich tue mich schwer damit Neuheiten bei Apple mit einem „Endlich“ zu kommentieren, weil das allzu oft von einer völlig irren Erwartungshaltung zeugt. Selten war ein „Endlich“ aber so angebracht wie in diesem Fall! Apple hätte diesen Schritt schon vor zwei Jahren gehen können und sollen. Sich im letzten Jahr noch mit einer 16-Gigabyte-Version des Top-Modells iPhone 6s auf den Markt zu trauen war schlicht lächerlich. Umso schöner, dass Apple hier „endlich“ nachgebessert hat.

Mit den AirPods stellt Apple die ersten eigenen Bluetooth-Ohrhörer vor. Das musste man auch, denn der Klinkenanschluss ist passé.
Mit den AirPods stellt Apple die ersten eigenen Bluetooth-Ohrhörer vor. Das musste man auch, denn der Klinkenanschluss ist passé. (Bild: Apple)

Audio-Aufstand

Apple hat ernst gemacht und sich tatsächlich vom Kopfhörer-Anschluss verabschiedet. Auch das war allerdings bereits im Vorfeld bekannt. Spannend blieb, wie Apple diesen Schritt verkaufen würde. Phil Schiller nannte dazu drei Gründe, die in Wahrheit nur zwei Gründe sind: Der Klinkenstecker ist alt, nimmt Platz weg und die Zukunft ist kabelfrei.

Dem iPhone legt Apple weiterhin EarPods bei. Nur jetzt eben mit einem Lightning-Stecke am anderen Ende. Abgesehen von den raren Fällen, in denen man per Kopfhörer Musik hören und das iPhone gleichzeitig laden möchte, wird der Unterschied kaum jemandem auffallen.

Aber was ist mit all jenen, die keine EarPods nutzen sondern andere (bessere) Kopfhörer mit Klinkenstecker besitzen? Nun, Apple legt den neuen iPhones einen entsprechenden Adapter bei, den man auch separat für erwerben kann. Apple erkennt an, dass diese Entscheidung bei niemandem Jubelstürme auslösen wird. Vielen wird sie egal sein. Mindestens genauso viele Kunden werden so aber vor ein echtes Problem gestellt. Der kostenfreie Adapter zum neuen iPhone ist ein guter Schritt um den Unmut abzufedern.

Ich persönlich hatte zwar mit der Existenz eines solchen Adapters gerechnet, jedoch gewettet, dass Apple ihn als Accessoire verkauft und nicht verschenkt.

Da die Audio-Zukunft laut Apple ja aber eigentlich sowieso kabelfrei wird, war klar, dass Apple auch eigene Bluetooth-Ohrhörer bringen muss. Die AirPods. Sie sind komplett kabelfrei. Also nicht nur die Kabelverbindung zum iPhone fehlt, auch die Verbindung zwischen den beiden Ohrhörern erfolgt via Funk. Fraglich bleibt, wie schnell man die kleinen Ohrstöpsel verliert  – was die mitgelieferte Ladeschatulle eigentlich verhindern soll.

Neben vielen Softwareverbesserungen ist die Apple Watch nun auch schneller, mit GPS ausgestattet und wasserdicht.
Neben vielen Softwareverbesserungen ist die Apple Watch nun auch schneller, mit GPS ausgestattet und wasserdicht. (Bild: Apple)

Apple Watch Series 2

Die meisten großen Neuerungen bei der Apple Watch sind softwareseitig und werden auch Besitzern des bis gestern aktuellen Modells zur Verfügung stehen. Die Killer-Features des neuen Modells sind der integrierte GPS-Chip und die Tatsache, dass die Uhr jetzt Wasserdicht bis 50 Meter ist.

Der Fokus für das Marketing der Apple Watch liegt stärker denn je auf dem Bereich Fitness. Während Tim Cook sie bei der initialen Vorstellung 2014 noch als gleichermaßen grandiose Uhr, grandiosen Fitness-Tracker und grandioses Kommunikationswerkzeug verkaufte, ist die Apple Watch jetzt viel mehr ein Fitness-Gerät, das darüber hinaus noch eine ganze Menge anderer Tricks beherrscht.

Dass die Apple Watch nun selbst über GPS verfügt ist eine gute Erweiterung, die mir persönlich allerdings kaum etwas bringen wird, da ich mein iPhone eigentlich immer bei mir habe. Allein schon für Notfälle. Die Apple Watch wird erst dann zum Stand-Alone-Gerät, wenn Apple einen Mobilfunk-Chip integriert. Das kann allerdings durchaus noch länger als bis 2017 dauern, da das Aufrechterhalten einer Mobilfunkverbindung der Akkulaufzeit alles andere als zuträglich ist.

Interessant ist, dass Apple den neuen, deutlich schnelleren Prozessor der Apple Watch Series 2 auch in die alten Apple-Watch-Modelle, die man jetzt als Apple Watch Series 1 erwerben kann, einbaut. Nett, für alle, die noch keine Apple Watch besitzen, auf GPS und Wasserdichte verzichten können und beim Erwerb ein paar Euro sparen wollen.

Und was ist mit dem Mac?

Es war zu erwarten, dass Apple während des gestrigen Events keine neuen Macs vorstellt. Auch so gab es bereits genug zu erzählen und zu zeigen. Neue Macs sind mittlerweile jedoch mehr als überfällig. Ein gesondertes Event scheint Apple dafür jedoch nicht zu planen. Denn der Veröffentlichungstermin des neuen Mac-Betriebssystems macOS 10.12 Sierra, wurde en passant abseits der Bühne für den 20. September verkündet. Ein Mac-Event wäre doch eigentlich genau der richtige Ort dafür gewesen.

Bleibt also Option zwei und Apple bringt die neuen Macs einfach per Pressemitteilung und Privatvorführungen für Journalisten auf den Markt.

Gänzlich unwahrscheinlich scheint die dritte Option: Keine neuen Macs 2016 (abgesehen von dem aktualisierten MacBook aus dem Frühjahr). Das wäre tatsächlich mal wieder etwas, das niemand erwartet hätte.

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durch alle Kommentare zur Apple Watch Series 2 zieht sich das Bedauern einer zur kurzen Akku-Laufzeit.
Ist es denn ein SOOO unlösbares technisches Problem, die Energiespender in das Armband zu verlegen?

Jein. Aber es würde natürlich bedeuten, dass der zusätzliche Akku im Prinzip in jedes Armband eingebaut werden müsste, damit man nicht mit verschiedenen Armbändern verschieden lange Akkulaufzeiten erlebt.

Spätestens bei Armbändern wie dem Milanese Loop oder dem Gliederarmband wird das dann tatsächlich schwierig.

Ferner beträgt die von Apple angegebene Akkulaufzeit auch so 18 Stunden, also genau so viel wie beim vorherigen Modell auch. Mit diesem komme ich sehr gut durch den Tag und lege sie abends in der Regel mit deutlich mehr als 15 Prozent „Restakku“ vorm Zubettgehen ab.

Sehr guter Artikel. Erfrischend Wertfrei und nicht auf Negative Stimmung aus. Letztlich sind die Dinge so wie sie sind. Fällt ziemlich vielen Leuten (scheinbar, denn Zufriedene äußern sich seltener) schwer, Neues zu akzeptieren.

Ich fand prima so und habe zahlreiche sehr gute Neuigkeiten für mich verbucht, auch wenn andere Hersteller die eine oder andere Sache "schon lange" im Programm haben. Letztlich soll es immer "perfekt" sein. Ein Indiz dafür ist auch der neue Chip W1. Hätte ich nie mit gerechnet. Apple scheint immer mehr und immer öfter eigene Chips für alle möglichen Fälle zu entwickeln. Und das ist (so denke ich) eine wirklich gute Sache. Sie grenzen sich damit von der Masse ab. Der W1 wäre wohl nicht eingebaut, wenn der Klang erkennbar besser ist. Also ich hol mir die neuen AirPods auf alle Fälle. Der Preis ist erst einmal machbar. Und wenns dann doch nichts ist - ab zu eBay.

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