Mac-Life-Länderporträt

Inspirierendes Indien: Das Mac-Life-Länderporträt

Indien ist ein Land der Extreme. Über tausend verschiedene Sprachen, urbane Millionenstädte und die größte Filmindustrie der Welt. Doch das Schwellenland ist auch eine aufstrebende Wirtschaftsmacht, die vor gewaltigen Herausforderungen steht. Wir stellen Ihnen den Schmelztigel der Technologie vor, in dem auch Apple demnächst mit der iPhone-Produktion Station machen wird.

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Bei einem Land wie Indien erscheint es fast vermessen, von einem Länderporträt zu sprechen. Schließlich ist der südasiatische Staat fast neunmal so groß wie Deutschland. Auf 3.287.000 Quadratkilometern leben über 1,3 Milliarden Menschen – und damit ist Indien nach China das bevölkerungsreichste Land der Erde. Die größte Demokratie der Welt hat in den letzten Jahren einen enormen Schub in der Wirtschaftsentwicklung gemacht. Im Gobal Competitiveness Index 2016-2017 des Weltwirtschaftsforums, der die Wettbewerbsfähigkeit der erfassten Länder abbildet, verbesserte sich Indien von Rang 55 auf Platz 39. Der indische Markt ist inzwischen für Unternehmen aus der ganzen Welt wichtig. Der Armut in Indien steht eine stetig wachsende Mittel- und Oberschicht gegenüber, die ihr Geld in neue Technologien investieren kann. Das Potenzial im stetig wachsenden Markt haben auch Smartphone-Hersteller wie Apple und Samsung erkannt. Kein Wunder, ist doch Indien inzwischen nach China der zweitgrößte Smartphone-Markt der Welt noch vor den USA. Analysten bescheinigen dem indischen Markt ein enormes Wachstumspotenzial in den nächsten Jahren.

Den indischen Markt im Visier

Die Spatzen pfeifen es von den Dächern, oder eher sie zwitschern es: Apple kommt nach Indien. Es scheint schon fast in trockenen Tüchern zu sein, dass Apple jetzt auch in dem südasiatischen Land eine Produktionsstätte eröffnet. Ende April schon soll der Startschuss für die Produktion fallen. Ob es nun ein neues iPhone 8 oder vielleicht gar ein neues, preisgünstigeres iPhone wird, das stand bei Redaktionsschluss noch nicht fest. Denn der US-Technik-Gigant hält sich wie gewohnt bedeckt und so war es Priyank Kharge, Minister für Informations- und Biotechnologie im Bundesstaat Karnataka, der via Twitter die frohe Kunde in die Welt hinaus zwitscherte. Bereits seit 2016 steht das Unternehmen mit der indischen Regierung in Verhandlungen über die Eröffnung eigener Apple Stores. Bisher erfolgt der Verkauf nur durch autorisierte Apple-Vertriebspartner. Um direkt in Indien verkaufen zu dürfen, müsste Apple 30 Prozent der in den Geräten verwendeten Komponenten auch lokal produzieren. Ob die indische Regierung allerdings auf die Ausnahmeforderungen von Apple, wie zum Beispiel Steuererleichterungen, eingeht, ist noch nicht sicher.

Zahlen & Fakten

Ländername: Republik Indien, Republic of India, Bharatiya Ganarajya (Hindi)
Fläche: 3.287.000 km 2
Einwohner: 1309,7 Millionen
Hauptstadt: New Delhi (Einwohnerzahl: circa 16,3 Millionen, „Nationales Hauptstadtterritorium Delhi“)
Landessprachen: Hindi und Englisch als Landessprachen, 21 weitere anerkannte Sprachen
Währung: Indische Rupie INR, 1 Rupie = 100 Paise

Der Smartphonemarkt in Indien

Auch in Indien gilt das iPhone als Statussymbol. Vielleicht auch, da es auch dank Importzöllen um ein vielfaches teurer ist als vergleichbare Smartphones anderer Hersteller. So kostet das neue iPhone 7 Plus umgerechnet rund 1164 US-Dollar. Die meisten Smartphones kosten jedoch nur rund 100 bis 120 US-Dollar. Premium-Smartphones sind in Indien ab 150 US-Dollar erhältlich. Neben Samsung und Apple sind es besonders chinesische und indische Hersteller, die den Smartphone-Markt dominieren. Für die einheimischen Hersteller sah es im vergangenen Jahr jedoch schlecht aus. Im vierten Quartal 2016 war erstmals kein indischer Hersteller mehr in den Top Fünf vertreten. Neben Samsung aus Südkorea dominierten im letzen Quartal chinesische Smartphone-Hersteller den Markt.

Aufbruch in die Zukunft

Im Juli 2015 startete der indische Staat die mit rund 18 Millionen budgetierte Kampagne „Digital India“. Ziel dabei ist es unter anderem, auch die ländlichen Gebiete mit Highspeed-Internet und einer digitalen Infrastruktur zu versorgen, sodass staatliche Dienstleistungen für alle Bürger und Bürgerinnen online zu Verfügung stehen. Gleichzeitig soll mit diesem Projekt auch die digitale Kompetenz in Indien erhöht werden. Während in den meisten Teilen der Welt das Internet als Alltagsmedium genutzt wird, sind in Indien erst 350 Millionen Menschen (knapp 27 %) online, davon die meisten mobil.

Auch die Initiative „Start up India“ trägt Früchte. Weltweit gesehen steht Indien inzwischen an dritter Stelle, was die Anzahl der Start-up-Unternehmen angeht. Nur in den USA und in Großbritannien gab es mehr. 4.750 der jungen Unternehmen gab es im letzten Quartal 2016. Das indische Silicon Valley liegt in Bengaluru im Süden des Landes.

2016 fand zum ersten Mal die Start-up-Konferenz Surge statt. Über 5000 Besucher aus 72 Ländern strömten nach Bengaluru. Davon 200 Investoren, 290 Medienvertreter, 433 Start-ups und 130 Redner.

Die „Make in India“-Kampagne soll ausländische Investoren ins Land locken. Es sollen weniger Waren importiert werden und mehr im Land selbst produziert werden. Hierfür setzt die Regierung auch auf Bürokratieabbau und investiert in die Infrastruktur des Landes.

Mit der „100 Smart Cities“-Initiative sollen technologiebasierte Innovationen Städte in Indien smarter machen und so auch als Mittel zur urbane Armutsbekämpfung eingesetzt werden. Neben sozialen und ökonomischen Zielen stehen auch Umweltaspekte auf der Agenda.

Mammutprojekt

Indien ist in den letzten Jahren besonders für Fintech-Unternehmen interessant geworden. Mit dafür verantwortlich ist die Einführung der Aadhaar-Karte, einer Karte mit einer zwölfstelligen Identifikationsnummer, auf der biometrische und demografische Daten gespeichert sind. „Aadhaar“ ist Hindu für „Unterstützung“ oder „Basis“. Das Programm wurde 2009 vorgestellt und im September 2010 eingeführt. Eine eigens dafür gegründete staatliche Behörde sammelt die Daten und speichert diese zentral. Natürlich gibt es auch in Indien Sicherheitsbedenken hinsichtlich Datenschutz und Privatsphäre, doch im Januar 2017 besaßen schon 99 Prozent der Erwachsenen eine Aadhaar-Karte. Neben einer Identifikationsfunktion – vorher gab es in Indien kein einheitliches Ausweissystem – ist besonders die Möglichkeit, staatliche Leistungen über Aadhaar zu beantragen, das Ziel der Regierung. Mit der Vorstellung von BHIM (Bharat Interface for Money) am 30. Dezember 2016 soll es bald auch möglich sein, mit einem Fingerabdruck zu bezahlen.

Mobiles Bezahlen

Schon lange ist es in Indien möglich, mit dem Mobiltelefon zu bezahlen. Rund 70 Prozent der digitalen Transaktionen werden mit dem Handy ausgeführt. Paytm, einer der größten indischen Anbieter des mobilen Bezahlens, eröffnete erst kürzlich eine eigene digitale Bank. Während Paytm nach eigenen Angaben rund 150 Millionen Nutzer hat, verzeichnet Konkurrent MobiKwik nur 35 Millionen Kunden. Auch Samsung plant seinen mobilen Bezahldienst noch im diesen Jahr in Indien verfügbar zu machen. Die indische Wirtschaft ist jedoch zum größten Teil noch auf Bargeld angewiesen. Das zeigte sich besonders, nachdem die indische Regierung Ende letzten Jahres eine Bargeldreform einführte und ohne vorherige Ankündigung die 500- und 1000-Rupien-Banknoten für ungültig erklärte. Dies sorgte für Chaos. Die Regierung verteidigte den Schritt als Mittel gegen Korruption und Steuerhinterziehung.

Es sind aufregende Zeiten für die digitale Zukunft des Subkontinents. Indien ist auf dem besten Weg, eine digitale Supermacht zu werden. Neben den ambitionierten Zielen der Regierung sind es besonders Rückkehrer aus dem Silicon Valley, die die digitale Wirtschaft Indiens vorantreiben. Schließlich liegt das südasiatische Pendant des Silicon Valleys, das Tech-Hub Bangalore, in Bengaluru.

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