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Die Guten ins Töpfchen…

Die Guten ins Töpfchen, … Apple verdoppelt seine Recycling-Kapazitäten und nähert sich mehr und mehr dem „Kreislauf-Ziel“. Was das für Auswirkungen zeitigt, darüber macht sich Frank Krug in seiner Mac-Life-Kolumne Gedanken.

Vorweg etwas zur Begriffsklärung: Laut Jedipedia, der freien Star-Wars-Enzyklopädie, besitzen Jawas die Gabe, funktionstüchtige Komponenten aus defekten Maschinen und Vorrichtungen zu entfernen, um diese weiterzuverkaufen. Diese Fähigkeit haben die kecken Bewohner der Wüstenwelt Tatooine zu ihrer Berufung gemacht. Sie durchkämmen permanent ihre Umgebung, immer auf der Suche nach verwertbaren Schrottteilen. Vielleicht ist Ihnen das Erscheinungsbild der Jawas geläufig. Sie sind klein, riechen ziemlich unangenehm und tragen mönchähnliche Kutten. Aus ihren dunkelbraunen Kapuzen leuchten zwei glühend-gelbe Augen hervor.

Daisy arbeitet ebenfalls als Schrottsammlerin – sie wohnt allerdings in den Niederlanden. Ihr Antlitz verbirgt sie jedoch nicht unter einer braunen Kutte. Auch in puncto Körperpflege ist sie den Jawas um Längen voraus. Daisy gehört der zweiten Robotergeneration zum automatischen Zerlegen zurückgekaufter iPhones an. Und sie ist die unangefochtene Hauptdarstellerin in einem kurzen Produktvideo, das Apple zum diesjährigen „Tag der Erde“ veröffentlicht hat.

Als ich Daisy per Video dabei beobachtete, wie sie mit schnörkelloser Eleganz ein iPhone in seine Bestandteile zerlegte, fühlte ich mich sogleich an eine Filmszene aus Star Wars erinnert. Tief im Inneren eines riesigen Raupenfahrzeugs sieht man dort die umtriebigen Jawas, wie sie mehrere ausrangierte Droiden in ihre Einzelteile zerrupfen. Untermalt wird das Roboter-Recycling von panischen Schreien der Maschinen. Nach und nach landet jedes Metall in seinem passenden Sammelbehälter.

Ähnlich akribisch ist auch Daisy beim Zerlegen der iPhones zugange. Zunächst sieht man, wie sie das Display von einem Saugnapf abzieht, um dann die Platine zu zerlegen, bis zu guter Letzt jede einzelne Pentalobschraube in einem durchsichtigen Rüssel verschwindet. Die Klagelaute Siris bleiben dem geneigten Zuschauer dabei glücklicherweise erspart.

Ansonsten ist Apple aber nah dran am Original aus der Feder von George Lucas. Da stellt sich unwillkürlich die Frage, ob man in Cupertino ähnlich unredliche Ziele verfolgt wie die schmuddeligen Schrottsammler auf Tatooine. Deren Absicht ist es nämlich, die Edelmetalle weiterzuverkaufen, um aus dem Gewinn die eigenen krummen Machenschaften zu finanzieren.

Damit an dieser Stelle aber erst gar keine falschen Gerüchte aufkommen, stellt Apples oberste Umwelt-Hüterin Lisa Jackson unmissverständlich klar, dass es dem Konzern ausschließlich darum gehe, seine Technik irgendwann nur noch aus wiederverwendeten Materialien zu erschaffen. Es gehe schließlich um nichts Geringeres als um die ganze Erde. Man wolle sich dem „Kreislauf-Ziel“ schrittweise nähern.

Alle Zweifler können sich daher wieder entspannen und weiterhin beruhigt ihre ausgemusterten iPhones an Apple schicken. Die recycelten Edelmetalle werden garantiert nur der hellen Seite der Macht gutgeschrieben.

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