Apple versus FBI

Das große Tim-Cook-Interview: Zusammengefasst, verständlich und auf den Punkt

Gegenüber dem Magazin Time erklärt Apples CEO aktuell ausführlich, warum er sich weigert, die Passwort-Verschlüsselung des Terroristen-iPhones von San Bernadino zu hacken. Was macht den Fall so wichtig und wer hat zwischen Bürgerrechten und öffentlicher Sicherheit abzuwägen? Setzt sich Apple derzeit nicht über alle Organe der geteilten Staatsgewalt hinweg? Wie fühlt sich Tim Cook dabei?

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„Der Durchsuchungsbefehl betraf alle Informationen, die wir zu dem iPhone hatten, was für uns ein Cloud-Backup und einige Metadaten bedeutete.“ - Tim Cook erinnert auch im Interview der Time daran, dass Apple in den Ermittlungen zum Terror-Fall von San Bernadino längst volle Kooperation geleistet und alle verfügbaren Daten ausgehändigt hatte, als erst 75 Tage nach dem Attentat vom FBI per in der Presse publizierter Klage die Forderung nach der Modifikation von iOS zum Überwinden der Passwort-Sperre absichtlich zum öffentlichen Thema gemacht wurde.

„…wir hatten lange, interne Diskussionen darüber…Viele Leute waren involviert. Ich saß nicht etwa irgendwo allein in einem Raum und entschied. Es war ein arbeitsintensiver Beschluss“, erklärt der CEO Apples geschlossene Verweigerung. „Es würde Millionen unserer Kunden einem Risiko aussetzen. Zudem fanden wir, hier sollte auf den Bürgerrechten herumgetrampelt werden. Nicht nur bei unseren Kunden sondern im weiteren Sinne.“ Die Diskussion sei von vom Volk gewählten Vertretern im Parlament durch aktualisierte Gesetze, nicht von Fall zu Fall vor Gericht zu führen.

„Der jetzt laufende, gesunde Dialog mit vielen Teilnehmern und Gesichtspunkten, Leuten die uns zustimmen oder widersprechen, ist ein Teil unserer Demokratie… Und ich bin optimistisch, dass wir zur richtigen Einigung kommen werden“, hofft Cook. „Wenn Facebook, Apple, Google und anderen US-Unternehmen Verschlüsselung verboten würde, dann würde eben etwas anderes genutzt. Wären wir dann wirklich sicherer? Ich sage nein.“ Wie ein FedEx-Zusteller sieht sich Tim Cook, der auch nicht in die Pakete seiner Kunden hineinschaut, um Kopien zu archivieren. „Wir glauben nicht, dass wir im Mittelpunkt [der Debatte] zu stehen haben.“

„In meinen Augen ist es ein Thema für den Kongress, weil es immense Bedeutung in unterschiedlichen Bereichen hat… Öffentliche und nationale Sicherheit, Cyber-Security, Privatsphäre und Bürgerrechte müssen allesamt bedacht werden“, führt Tim Cook aus, dass es um weit mehr als den Fall San Bernadino, um dieses eine iPhone geht. Er selbst sieht als Ausgang der Debatte um Schwächung oder Verbot von Verschlüsselung die allgemeine Erkenntnis voraus, dass Sicherheit nur mit mehr und nur mit der besten Verschlüsselung zu erreichen sei. „Keine Hintertüren sind das Beste, und die US-Regierung sollte die weltweit führende Position einnehmen, sie nirgends zuzulassen.“

Ob Tim Cook sich unwohl fühlt in seiner neuen Rolle, zwischen Bürgerrechten und öffentlicher Sicherheit abzuwägen? „Ja. Es ist sehr unbequem. Gegen die Regierung zu kämpfen, ist nichts, dass wir uns vorgenommen hätten… Der richtige Ansatz wäre…mit Technologie und Informationsdiensten gleichzeitig Privatsphäre und Sicherheit zu erarbeiten, anstatt [sie gegeneinander abwiegen zu wollen].“

Zu oft in der Geschichte sei es passiert, so Cook, dass die Regierung zu weit gegriffen und etwas getan habe, bei dem das Volk hätte „Stopp!“ rufen müssen. „Wir haben erkannt, dass dies unser Moment ist aufzustehen, >Stopp!< zu sagen und einen Dialog zu erzwingen.“ Apple sei dazu durch sein Tagesgeschäft geradezu prädestiniert: „Wir wehren jeden Tag Angriffe ab und haben ein gutes Verständnis für die Cyber-Landschaft. Das macht uns vermutlich auch sehr sensibel dafür. Und wir glauben an die Bürgerrechte. Für mich sind sie Teil des Fundaments von [US-]Amerika. Das Recht auf Privatsphäre ist wirklich wichtig. Wenn man diesen Stein herauszieht und den nächsten, wird das Haus ziemlich bald zusammenstürzen.“

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