Jury entscheidet

Google vs. Oracle 2: Open Source in Gefahr

In dieser Woche beginnt der „Rückkampf“ zwischen Google und Oracle vor Gericht. Dabei steht zwar auch für den Software-Hersteller Einiges auf dem Spiel, doch die größte Gefahr lauert für Open Source und seine Entwickler. Verliert Google den Kampf, gilt in Zukunft ein Urheberrecht auf Softwareschnittstellen (APIs). Der Disput um die Nutzung ist bereits einige Jahre alt.

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Google und Oracle streiten vor Gericht über die Nutzung von 37 Softwareschnittstellen aus Java. Denn Oracle hat im Jahr 2009 Java von Sun Microsystems gekauft und fand, dass Google mit der Verwendung der Java-APIs in seinem Betriebssystem Android gegen das Urheberrecht und Markenzeichen verstößt.

Google siegte in Runde 1, verlor jedoch die 2te

2012 entschied Richter William Alsup zugunsten Googles: APIs seien nicht dazu berechtigt vom „Copyright“ geschützt zu werden. Allerdings wurde das Urteil zwei Jahre später wieder aufgehoben, und zwar vom „US Court of Appeals for the Federal Circuit“ (dt. ungefähr Bundes-Berufungsgericht). APIs hätten eine gewisse kreative Schöpfungshöhe und seien deshalb sehr wohl vom Urheberrecht geschützt. Dieses Berufungsgericht war in den Fall nur involviert, weil Oracle neben der Grundsatzfrage nach dem Urheberrecht auch eigene Markenzeichen verletzt sah. Entsprechend hat Google Pech gehabt, wie Joe Mullin argumentiert, und mit dem Unternehmen auch alle Open-Source-Entwickler. Denn andere Gerichte haben in der Vergangenheit ähnliche Fälle zugunsten des Beklagten entschieden und diese wären im „Normalfall“ zuständig gewesen. Einzig das verletzte Markenzeichen brachte den Fall vor dieses Gericht.

Microsoft als Feind des Open Source

Google wollte im Verlauf den obersten Gerichtshof der USA anrufen, den „Supreme Court“. Dabei unterstützt wurde der Suchmaschinen-Betreiber von Firmen wie Yahoo, Hewlett-Packard, Red Hat und einer Reihe von Anwälten der Open-Source-Gemeinde, bspw. solchen aus der Electronic Frontier Foundation (EFF). Man wollte erreichen, dass das Urteil aufgehoben wurde.

Doch auch Oracle bekam Unterstützung, und zwar von Microsoft, EMC und NetApp. Diese Unternehmen schrieben den „Supreme Court“ an, man möge das Urteil des vorherigen Gerichts Bestand haben lassen. Genau das geschah.

Google setzt auf „Fair Use“

Der Android-Hersteller griff dann zum letzten Strohhalm. Denn das Bundes-Berufungsgericht hatte bis dahin nicht entschieden, ob Googles Verwendung von Oracles APIs vom Fall des „Fair Use“ gedeckt werden. Dies ist ein Sonderfall, der unter anderem das Copyright in den USA vom deutschen Urheberrecht unterscheidet. Wer urheberrechtlich geschütztes Material beispielsweise in einem Nachrichtenbericht oder eine Parodie, sowie im Rahmen von wissenschaftlichen Ausarbeitungen nutzt, der kann dies ohne Zustimmung des Rechteinhabers tun. „Fair Use“ in den USA ist entfernt vergleichbar mit dem Zitatrecht in Deutschland. Allerdings bietet dieser Sonderfall im US-Urheberrecht eine viel breitere Anwendung.

Open Source steht auf dem Spiel

Es geht in dem jetzt beginnenden Fall vor einem Jury-Gericht darum, zu entscheiden, ob Googles Gebrauch der APIs von Oracle unter die „Fair Use“-Klausel fällt. Schon jetzt ist klar, dass das Ergebnis, ganz gleich, ob es zu Gunsten oder Ungunsten Googles ausfällt, einen Einfluss auf die Open-Source-Gemeinde haben wird. Es geht quasi nur noch darum, den „Spielraum“ zu differenzieren, in dem Open-Source-Entwickler APIs auch ohne ausdrückliche Genehmigung nutzen können. Schlimmstenfalls wäre eine Klagewelle die Folge, die womöglich die Ausmaße eines Tsunamis annimmt. Denn Oracle pocht auf insgesamt knapp 9,3 Milliarden US-Dollar. Selbst bei kleineren Summen könnten manche freien Entwickler vor dem Ruin stehen, würden sie wegen der Verwendung fremder APIs verklagt werden können.

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Will da nicht jemand eher nur kostenlose AusNutzung ?

Kann PRo nur zustimmen. Wenn es nach Oracle gegangen wäre, gäbe es heute kein freies Office Paket mehr. Nach der Übernahme von SUN haben die erst mal alle Arbeiten an OO eingestellt. Wenn dann nicht die führenden Entwickler einen Fork gemacht und die ODF gegründet hätten, wäre das originale OO weiter auf dem Stand von 2009 und es hätte kein neueres Release mehr gegeben. Ellison hasst alles was man nicht maßlos überteuert lizensieren kann. Man muss nur mal die Horrorstories zur Lizensierung von deren Datenbanken lesen, da kommts einem schon hoch, und man fragt sich warum die Leute nicht schon längst eine Migrationsstrategie ausgearbeitet haben. Leute wie Ellison haben jedes Maß für einen "fairen" Profit verloren, und sind der Meinung, dass gefälligst die gesamte Menscheit an sie zahlen soll. Deshalb ist mein Fa. M$-, Oracle- und Adobe-frei. Für alle deren Produkte gibt es entweder freien oder billigeren Ersatz.

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