Amerika versus Brüssel

Gemütlichkeit zahlt sich nicht aus: Europa enttäuscht von Apples Steuerplänen

Apple zahlt lieber Steuern in den USA. Die Gemütlichkeit der Europäischen Union hat sich mal wieder nicht ausgezahlt. Das demokratische Konstrukt, in dem die Pizza Napoletana neu gedacht wird, bekommt Risse. Denn Donald Trump zieht den Europäern jetzt die Nase lang und verschlimmert damit einen Schwelbrand. Seiner Steuerreform ist es zu verdanken, dass Apple riesige Investitionen in den Vereinigten Staaten von Amerika tätigt, und nicht nur Apple. In Brüssel sind die Parlamentarier deshalb enttäuscht. Denn der iPhone-Hersteller schafft jetzt Arbeitsplätze, und zwar in den USA. Das kann doch nicht mit rechten Dingen zugehen.

Von   Uhr

Es fing in den 1990ern mit einer Währungsunion an, und trotzdem hat es sich bis 2018 scheinbar nicht nach Brüssel herumgesprochen, dass eigentlich doch Geld die Welt regiert. Das mag damit zusammenhängen, dass an manchen Tagen mehr Lobbyisten in der Stadt sind als Parlamentarier.

Wettbewerbskommissarin sauer?

„Der Plan Apples sei aufgegangen“, so formuliert es Ralph Sina. Er formuliert seinen Kommentar für die Tagesschau. Liest man darin, könnte man denken, Margrethe Vestager, die EU-Wettbewerbskommissarin, hätte das gesagt.

Der Grund, warum Sina der Wettbewerbshüterin diese Worte andichtet, ist einfach. Sie trat zuletzt öffentlich als harter Hund auf, wenn es darum ging, Steuertricks globaler Konzerne zu entschlüsseln. Apple als Weltmarke ist für den WDR-Korrespondenten da nur ein gefundenes Fressen. Blöderweise nicht nur für ihn.

Margrethe Vestager macht keine Gefangenen

Nur hat sich das Beispiel Apple von Herrn Sina in dieser Woche schon überlebt. Denn Vestager hat Apple allen Unkenrufen zum Trotz einen riesengroßen Gefallen getan. Die Wettbewerbshüterin hat den US-Chiphersteller Qualcomm mit einer Strafe in Milliardenhöhe bedacht, weil es das „arme“ Apple ausgenutzt hat. Daran zeigt sich nur: Margrethe macht keine Gefangenen. Sie arbeitet für die Sache, nicht für die Person/das Unternehmen.

Europäische Enttäuschung

Trotzdem hat Sina Recht, wenn er behauptet, dass Europa nun enttäuscht ist. Denn es stimmt, dass zuletzt vor allem in Irland und den Niederlanden jahrelang Steuerschlupflöcher von Weltkonzernen wie Nike ausgenutzt wurden.

Doch während Sina diesem albernen Reflex nachgibt, Apple zum Sündenbock zu stempeln, könnte höchstens Donald Trump als Prellbock herhalten. Doch selbst der tut nur, was er für richtig hält. Das muss nicht jedem Gefallen. Ein Resultat seiner Steuerreform ist, dass Apple einen Großteil seines im Ausland gebunkerten Kapitals nun „nach Hause“ holt und dort für erschwingliche 15 Prozent versteuern wird.

Milliarden verschwinden vom Steuerradar

Das Geld, das zurück in die USA fließt, ist dann für ausländische Steuerbehörden erstmal vom Radar verschwunden. Denn die Länder haben Steuerabkommen miteinander getroffen. Zwar gelten Gesetze, aber immer nur bis zur Landesgrenze. Wollte Europa in Zukunft mit den Apples, Googles und Nikes nachversteuern, müsste es wohl zunächst Donald Trump überzeugen. Das hat beim Klimawandel schon bestens funktioniert. Die Alternative lautet Krieg, Handelskrieg. Doch darüber hinaus sind die Parlamentarier nun machtlos. Sie könnten mit Sanktionen drohen. Aber wer will das schon?

Disney tut es, und Apple auch

Des einen Leid, ist des anderen Freud. Während Brüssel sich in Zukunft den Kopf zerbricht, können „manche“ Amerikaner ihr Glück nicht fassen. Nachdem die Abstimmungen in den US-Gremien positiv ausfielen und die Tinte trocknete, sorgten manche US-Konzerne für Jubelstürme bei ihren Mitarbeitern. Disney zahlt seinen Mitarbeitern nun Boni aus, und auch Apple lässt sich nicht lumpen.

Der iPhone-Hersteller zahlt jedem Mitarbeiter, der unterhalb der Berufsbezeichnung „Director“ angestellt ist, nicht stimmberechtigte Aktienanteile in Höhe von 2.500 US-Dollar aus. Das ist für viele dieser Mitarbeiter wie Weihnachtsgeld und Weihnachtsgeld zusammen. Man kann mit Fug und Recht sagen, dass das Geld bei den Leuten ankommt, die es verdient haben.

Europas Nase

Die EU ist derzeit in keiner guten Verfassung. Das wird die EU-Ratspräsidentschaft durch das kleine Bulgarien nicht ändern. Die innere Zerrissenheit ist überall spürbar. Ausgelöst wurde sie aber nicht erst durch die Flüchtlingskrise. Bei allem, was Geld kostet, scheiden sich die Geister.

Doch es hilft nicht, in so einer Situation mit dem Finger auf andere zu zeigen. Vielmehr müssen sich die Parlamentarier in Brüssel an die eigene Nase fassen. Sie hätten wissen können, dass das große Geld immer den Weg des geringsten Widerstandes geht. Dafür hat man schon zu viele Erfahrungen mit Christine Lagarde gesammelt.

Die USA, der Schurkenstaat?

Da wirkt es nur noch absurd, wenn der Hüter unseres Geldes, Mario Draghi, Donald Trump kopiert. Der Chef der EZB wirft den USA Währungsmanipulation vor. Möglich, dass er damit vom eigenen Handeln ablenken möchte (ganz wie sein Vorbild). Denn für 2018 kündigte Draghi an: Wer sich verschulden möchte, kriegt weiterhin billig Geld. Rentner und Sparer sollen halt schauen, wo sie bleiben.

Auch der US-Präsident wirft in schöner Regelmäßigkeit ausländischen Staaten wie China Währungsmanipulation vor. So schnell wird aus den USA ein Schurkenstaat. – Also haben die EU und die Türkei doch etwas gemeinsam? Immerhin wirft deren politischer Führer, Recep Erdogan, Trump und den USA vor, Terroristen zu unterstützen.

Die Moral von der Geschicht? Europa hat ganz andere Sorgen, und sollte sich auf die eigenen Stärken besinnen. Statt anderen etwas zu neiden, sollte man selbst etwas schaffen.

Mehr zu diesen Themen:

Diskutiere mit!

Hier kannst du den Artikel "Gemütlichkeit zahlt sich nicht aus: Europa enttäuscht von Apples Steuerplänen" kommentieren. Melde dich einfach mit deinem maclife.de-Account an oder fülle die unten stehenden Felder aus.

Daumen hoch, gut zusammengefasst und gutes Fazit.

Die Überschrift hätte besser heißen sollen.

„Totale Unfähigkeit, Inkompetenz und Faulheit wird bestraft“.

Seit mehr als 15 Jahren kennt die EU das Problem mit den Steuerschlupflöchern und was ist passiert nichts man guckt zu. Klackt zwischendurch an wo aber nicht geklagt werden kann. Statt tätig zu werden und entsprechende Gesetze zu beschließen.

Nun noch der Gipfel für die eigene Inkompetenz sollen andere Schuld haben. Das ist ein Witz. Ich hoffe man hat jetzt endlich mal dazu gelernt. Die Hoffnung stirbt zu letzt!!!!!!

Wenn man nicht will, dass die Lobbyisten auf unsere Politiker Einfluss nehmen, muss man die Partei wählen, die dagegen ist und nicht die Vorteilsnehmer von Union, SPD, Grünen oder die braunen Socken von FDP oder AFD. Denn die Politiker müssen sich wieder darüber klar werden, daß sie selbst die Lobbyisten der Wähler sind und gefälligst auch deren Interessen zu vertreten haben. Solange aber die Aussicht auf lukrative Anschlussverwendung das Hirn der Politiker vernebeln dürfen, wird das nichts. Links ist vorne!

Sprachlich und inhaltlich ein schwacher Beitrag. Ich kann das beurteilen, weil ich ein paar Wochen lang in einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft gearbeitet habe.

Nein.

Muss jetzt jeder erst mal "paar Wochen" in so einer Bude arbeiten, um dann für den Normalo-Bürger keine verständlichen Artikel mehr verfassen zu können.

@Maclife: Ein toller Artikel, der eure Hauptthemen und die Politik ganz gut verbindet - für die meisten auch verständlich.

Als was? Reinigungskraft?

Wenn schon, dann schieb auch eine Begründung nach oder halt einfach den Ball flach. Genau so argumentieren ja Brüsseler EU Bedienstete in ihrer Unfähigkeit.

Arbeitest du also für ein paar Wochen bei der Raumfahrt, dann bist du ein Raketenwissenschaftler? Vor allem ein paar Wochen! Komm mal auf den Boden der Tatsachen zurück und tu nicht so, als ob du ein Experte bist. Selbst Jahrelange Mitarbeiter müssen nicht schlussendlich Experten sein in dem was Sie tun.

Steuer ist in Europa ein Thema mit mannigfachem Nachweis von Korruption von der untersten bis in höchste Regierungsebenen. Das Gejammer dass die Löcher die sie für andere und eigene Zwecke schufen generell ausgenutzt werden ist nur ein Gejammer um die Ursachen und Schuldigen zu decken.

Zunächst "Hut ab". Ein sachlich und fachlich und gut verständlicher Artikel!
Aber ehrlich: Unsere europäischen Polit-Penner kriegen außer Gejammer ja nicht viel Gescheites auf den Weg.
Wir Verbraucher klagen zu Recht darüber, vergessen aber leider auch, dass wir Apple-User mit unserem Konsumverhalten ja erst Cook und Co. die Kohle in den Hintern schieben.

LG und noch ein schönes Wochenende - Peter

Vielen Dank. Auch noch einen schönen Sonntag.

Die Kommentare für diesen Artikel sind geschlossen.