Kolumne

„Von Bot zu Bot“: Frank Krug gratuliert Siri, Cortana und Co. zum Nachwuchs

Roboternachwachs erwartet. Die digitalen Sprachassistentinnen von Apple, Microsoft und Amazon erwarten Nachwuchs. Siri, Cortana und Alexa haben die Kinderzimmer schon eingerichtet. Die Glückwunschkarten für Skype, Twitter und Facebook liegen bereit.

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Die Firmenzentralen in Cupertino, Redmond und Seattle ersticken im rosa Tüll. Eins soll aber im überschwänglichen Eifer der Geburtsvorbereitungen nicht unerwähnt bleiben. Dass die drei da ordentlich mit unterschiedlichen Assistenten anderer Dienste rumgemacht haben. Zum Beispiel Twitter, Skype oder Facebook. Um nur einige zu nennen. Da kann schon der eine oder andere Kuckucksbot dabei sein. Aber das ist ja zunächst mal nicht sträflich, oder? Soweit ich weiß, hat der Papst zwar gesagt, dass schwul sein immer noch ein bisschen Igitt ist, aber zum polygamen Paarungsverhalten digitaler Sprachassistentinnen steht nichts weiter drin. Das mag auch daran liegen, dass Franziskus gar nicht so recht weiß, was da eigentlich bei rauskommt. Wenn die eine Assistentin gleich mit mehreren Assistenten anderer Dienste rummacht meine ich. Was da in die virtuelle Wiege kommt, ist nämlich kein Baby, sondern ein Bot. Und ein Bot ist erst mal nicht mehr als ein Computerprogramm, das bestimmte Aufgaben automatisiert und selbstständig ausführt. Ein bisschen so wie HAL, der Supercomputer aus dem Film „2001: A Space Odyssey“ vor knapp 50 Jahren. Nur nicht ganz so fies und etwas weniger super.

Ob das jetzt aber unbedingt den Segen vom Papst braucht....? Dürfte eh schwierig werden, weil Cortana bereits im Umgang mit ihrem ersten Kind, dem Chatbot Tay, nicht unbedingt ein glückliches Mutterhändchen bewiesen hat. Da wurde dann kurzerhand im Familienrat beschlossen, Tay wieder abzuschalten. Und Cortana soll sich nicht weiter dagegen gewehrt haben. Erzählt man sich. Und das nur, weil Tay von anderen Nutzern lernen sollte, wie junge Menschen sprechen und dabei ganz viel rassistisches Zeugs nachgeplappert hat. Wenn junge Menschen aber doch nun mal so sprechen? Egal. Auf der hauseigenen Entwicklerkonferenz äußerte sich Microsofts CEO Satya Nadella kurz zur Abschaltung seines Enkelkindes und betonte, dass das auf keinen Fall das Ende der weiteren Familienplanung bedeute. Im Gegenteil, dem Bot gehöre die Zukunft. Man arbeite mit Hochdruck daran, den richtigen Partner für Cortana zu finden. Die Liaison mit Skype sei ein erster Schritt zu einer Schar gesunder Enkelkinder. Dass dann alles so schnell ging, mag darauf hindeuten, dass man bei der Überprüfung des zukünftigen Partners gerne mal zugunsten der Schnelligkeit entscheidet und beide Augen zudrückt.

Bleibt nur zu hoffen, dass den nächsten Spross nicht das gleiche Schicksal ereilt wie Tay, dem unabhängig von dem ganzen rassistischen Geplapper nachgesagt wird, ansonsten ein recht lebensfroher Bot gewesen zu sein. Aber wie gesagt, all das soll die Mutterfreuden bei Siri und Alexa nicht schmälern. Ebenso wenig wie die Tatsache, dass alle ja ein bisschen mit dem gleichen Partner rumgemacht haben. Spannend bleibt es auf jeden Fall, bald an der Wiege zu stehen, sich über den kleinen Bot zu beugen und zu sehen, ob er denn nun mehr nach dem Vater oder der Mutter kommt.

Frank Krug

Frank Krug ist seit vielen Jahren in der Apple-Branche tätig und freier Autor. Er schreibt eine regelmäßige Kolumne für Mac Life.

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