Ausgebeutet durch Hightech: Online-Game will über Missstände in der Elektronikindustrie aufklären | Mac Life

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Autor: David Sondermann

Datum: 19.11.14 - 10:32 Uhr

Ausgebeutet durch Hightech: Online-Game will über Missstände in der Elektronikindustrie aufklären

Dass es in der Lieferkette der Elektronikindustrie viele Probleme mit Umwelt- und Arbeitsschutzstandards gibt, ist weithin bekannt. Auch Apple stand diesbezüglich in der Vergangenheit oft in der Kritik. Ein Projekt von zwei Nichtregierungsorganisationen möchte besonders jüngere Mobiltelefonnutzer spielerisch an dieses Thema heranführen und für diese Probleme sensibilisieren. Derzeit sucht man für das Projekt eine Finanzierung per Crowdfunding.

Zu den Folgen der Globalisierung gehört unter anderem, dass für Produkte, die in einem Land konsumiert werden, in einem anderen Land die entsprechenden Rohstoffe entnommen werden. Besonders für die Elektronikbranche werden in vielen verschiedenen Ländern, hauptsächlich in Afrika, Asien und Südamerika, Erze von notwendigen Metallen gefördert. So wird beispielsweise Tantal für Kondensatoren, die unter anderem in Smartphones eingesetzt werden, aus dem Erz Coltan gewonnen. Coltan gilt als sogenanntes „Konfliktmineral“. Während des Bürgerkrieges in der Demokratischen Republik Kongo wurden viele Menschen zum Coltan-Abbau unter katastrophalen Bedingungen gezwungen. Damit einher gingen unter anderem Kinderarbeit und eklatante Umweltschäden.

Bildungsprojekt Handy Crash

Auf diese und andere Missstände möchte das Projekt Handy Crash aufmerksam machen. Verständlich aufbereitet und in ein Online-Game verpackt, möchte Handy Crash besonders eine jüngere Zielgruppe ansprechen und für die wichtige Thematik sensibilisieren. Da besonders Teenager und junge Erwachsene Mobiltelefone als Statussymbole ansehen und ihre Geräte überdurchschnittlich oft durch neue ersetzen, ist es wichtig, über die Auswirkungen der Smartphone-Produktion zu informieren.

Projektträger

Getragen wird das Projekt von den beiden Nichtregierungsorganisationen (NGO) Germanwatch e.V. und Solidaritätsdienst International e.V. (SODI). Germanwatch setzt sich unter anderem für mehr Unternehmensverantwortung bei sozialen und ökologischen standards ein und hat in diesem Bereich bereits Bildungsprojekte wie Make IT fair unterstützt. SODI realisiert seit 1990 nachhaltige Projekte in der Entwicklungszusammenarbeit in Afrika, Asien, Lateinamerika und Osteuropa und hat bereits Bildungsarbeit mit dem Online-Spiel No Game - Armut wird gemacht geleistet.

Finanzierung durch Crowdfunding

Nun versuchen beide Organisationen gemeinsam das Projekt Handy Crash umzusetzen und suchen dazu eine Finanzierung per Crowdfunding, um das Spiel final technisch umsetzen zu können. Dafür hat man sich mit der Agentur FLMH – Labor für Politik und Kommunikation zusammengetan. Auf der Plattform Startnext kann man das Projekt mit einer Spende unterstützen. Je nach Höhe der Spende erhält man kleine „Dankeschöns“ wie eine Nennung in den Credits des Spiels, einen Dokumentarfilm über die weltweiten Folgen des Handybooms oder eine VIP-Einladung zur Release-Party des Spiels.

In einem kurzen Video erklären Ettina Zach (SODI) und Julia Otten (Germanwatch) die Idee, die hinter dem Spiel steckt und warum es so wichtig ist, dass sich Kinder und Jugendliche mit dem Thema auseinandersetzen. Das Video wurde übrigens im Computerspielmuseum in Berlin gedreht.