Arbeiten bei Apple: Ehemalige Apple-Mitarbeiter berichten | Mac Life

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Autor: Esther Acason

Datum: 04.11.14 - 14:18 Uhr

Arbeiten bei Apple: Ehemalige Apple-Mitarbeiter berichten

Bei Apple zu arbeiten, stellt für viele einen Traum dar und dient oftmals als Karrieresprungbrett. Viele ehemalige Apple-Mitarbeiter arbeiten heutzutage in bekannten und erfolgreichen Unternehmen. Dass die Arbeit bei Apple jedoch nicht immer dem Idealjob entspricht, wird deutlich, wenn sich ehemalige Angestellte von Apple über den Konzern äußern – und dabei einige interessante Details ausplaudern. 

Wer Apple als Referenz in seinem Lebenslauf hat, muss sich um die weitere Karriere in den meisten Fällen keine Sorgen machen. Tony Fadell zum Beispiel, der an der Entwicklung des iPods mitgeholfen hat, verließ das Unternehmen 2008. Er gründete im Jahr 2010 das Unternehmen Nest Labs, das Anfang des Jahres von Google übernommen wurde für 3,2 Milliarden Dollar. Es stellte damit die zweitgrößte Übernahme in der Google-Geschichte dar. Weitere bekannte Persönlichkeiten sind Andy Rubin, der in den frühen 90er Jahren als Ingenieur bei Apple arbeitete und Android gründete, oder aber Evan Doll, der sechs Jahre lang bei Apple arbeitete und im Jahr 2009 die Nachrichten-App Flipboard mit begründete.

Apples Geheimhaltungspolitik

Der Erfolg nach der Zeit bei Apple verrät jedoch nichts darüber, wie es ist, bei Apple zu arbeiten. Der Journalist Jim Edwards hat für den „Business Insider“ Aussagen ehemaliger Apple-Mitarbeiter zusammenzutragen, die interessante Einsichten geben. Der Artikel stützt sich dabei auf Interviews mit ehemaligen Apple-Mitarbeitern, aber auch auf anonyme Äußerungen auf dem amerikanischen Job-Bewertungsportal Glassdoor und auf Quora.

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Einer der Punkte, die das Leben der Apple-Mitarbeiter am meisten beeinflusst, ist Apples Geheimhaltungspolitik. Ein ehemaliger Mitarbeiter berichtete, dass er seiner Ehefrau nicht seinen Arbeitgeber verraten durfte. Sie wusste nur, dass ihr Mann in einem Gebäude auf der anderen Straßenseite arbeitete und das oft bis tief in die Nacht. Jedoch wusste sie nicht, was die Arbeit ihres Ehemannes beinhaltete. Als ihr Mann auf eine Geschäftsreise gehen wollte, plante sie, ihn zu begleiten. Dies ging jedoch nicht, da sie zu der Zeit bei IBM arbeitete. Zu riskant für Apple.

Ein weiterer ehemalige Angestellter von Apple erfand die Intel Version von Mac OS X, die auf PC’s lief. Sein Home Office musste nach Bekanntwerden der Entwicklung der Software plötzlich an Apple-Sicherheits-Standards angepasst werden. Problematisch war nur, dass der Entwickler seine Frau eingeweiht hatte. Ihr wurde geraten, alles zu vergessen, was sie über das Projekt wisse. Ihr Mann dürfe von diesem Zeitpunkt an nicht mehr mit seiner Frau sprechen, bis die Software öffentlich bekannt gegeben worden sei.

Eine Person, die an der Entwicklung des iPads beteiligt war, berichtete zudem über die Apple-Sicherheitsmaßnahmen, die sicherstellen sollten, dass ein iPad-Prototyp nicht das Apple-Gebäude verließ. Nur die vier Entwickler des iPads waren im Arbeitsraum erlaubt. Apple forderte die Namen und die Sozialversicherungsnummer der Personen, die Zutritt zu diesem Raum hatten. Zudem ließ Apple den Prototyp an den Schreibtischen mit Kabeln befestigen, die normalerweise für Fahrräder benutzt werden.

Arbeitsalltag

Trotz des eigentlich guten Rufs des iPhone-Herstellers scheint die Bezahlung bei Apple, zumindest in bestimmten Bereichen, den Quellen zufolge nicht sehr gut zu sein. Die Arbeitsplätze beim Unternehmen scheinen so begehrt sind, dass die Höhe des Gehalts für die Angestellten in den Hintergrund rückt. Besonders die Mitarbeiter in den Apple Retail Stores sollen kein hohes Gehalt erhalten, aber auch einige IT-Spezialisten.

Interessanter Weise schrieben Nutzer auf der Plattform Glassdoor, dass sie die Arbeit bei Apple lieben. Dennoch herrsche bei Apple eine „schreckliche Work-Life Balance“. Man müsse viel nachts arbeiten und bekam daher nicht viel Schlaf. Zudem müsse man 24 Stunden, 7 Tage die Woche erreichbar sein. Jedoch hängt die harte Arbeit auch davon ab, wie man für diese „belohnt“ werde. Eine weitere Person beschreibt, dass ihr persönlich die harte Arbeit nichts ausmache. Grund dafür sei die gute Behandlung der Mitarbeiter durch Apple  – und dass alle paar Meter tolle Erfahrungen auf einen warten.

In einem Podcast, in dem  zwei ehemaligen Apple-Manager vom Arbeitsalltag bei Apple berichten, werden einige Aspekte noch deutlicher. In dem „Debug 47“-Podcast erzählen der ehemalige Director of Internet Technologies, Don Melton, und der ehemalige Director of iOS Apps, Nitin Ganatra, von ihren Erfahrungen bei Apple. Apple-Angestellte erhalten von ihren Vorgesetzten demnach E-Mails um 1 Uhr morgens. Es wird erwartet, dass sie direkt auf diese antworten. Wenn keine Antwort komme, reagierten die Vorgesetzten gleich leicht genervt.

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Melton sagte im Podcast außerdem, dass alle Apple-Mitarbeiter Sonntag Nacht arbeiten müssen, da am nächsten Tag ein Meeting der Geschäftsführer anstehe.

Angestellte müssen immer auf Abruf arbeiten. Auch wenn man es anders erwarten könnte, ist Tim Cook von dieser Arbeitseinstellung nicht ausgenommen. Melton sagte, dass die oft zweifelhafte Geschichten über Tim Cook, der in aller Frühe zur Arbeit kommen und lange bleibe, keine PR-Geschichten seien, damit man glaube, dass die Apple Geschäftsführer wirklich hart arbeiten. Die Geschäftsführer arbeiten wirklich so lange und seien auf der Arbeit – die ganze Zeit. Melton bezeichnete sie als „verrückt“ (englisch „nuts“). Ganatra schätze, dass Tim Cook nur rund drei bis vier Stunden schlafe – und das jede Nacht. Ähnlich wie Steve Jobs also.

Der ehemalige Apple-Manager Max Paley, der 14 Jahre lang bei Apple gearbeitet hat, sagte gegenüber „Business Insider“, dass sich nach dem Tod ein anderer Punkt in der Arbeitseinteilung verändert habe: Heutzutage nehmen an jedem wichtigen Meeting auch immer Projekt-Manager und Logistiker teil. Früher hätten die Ingenieure alles entschieden und es war der Job der Produkt- und der Einkaufsmanager, diese Entscheidungen umzusetzen. Es gab demnach eine Änderung in der Priorität.

Weitere Kommentare bezieht sich auf Apples Standort. Ein ehemaliger Praktikant von Apple arbeitete nicht im Infinite Loop Campus in Cupertino, sondern in einem weiter entfernten Gebäude bei Vallco Parkway. Dies bedeutete, dass der Praktikant von den anderen Mitarbeitern getrennt war und manchmal den ganzen Tag alleine im Büro saß, ohne mit anderen Kollegen sprechen zu können. So kann die Arbeit bei Apple also auch sein: Ein ganz normaler Job mit Höhen und Tiefen. Doch: Cupertino ist einer weiteren Äußerung zufolge die langweiligste Stadt in der South Bay-Umgebung in Kalifornien. Viel hat der Praktikant also nicht verpasst.

Fazit

Auch wenn die genannten Quellen und Äußerungen natürlich nur Einzelmeinungen darstellen, haben sie doch eines gemeinsam: Die 24/7-Arbeitsmoral, die schon zu Zeiten Steve Jobs vorherrschte und von Tim Cook weitergeführt wird. Bei einer Work-Life-Balance, die scheinbar so gut wie gar nicht vorhanden ist, gibt es immer Vor- und Nachteile, wie in anderen Jobs ebenfalls. Doch ohne diese Arbeitseinstellung wäre Apple heutzutage vielleicht nicht das, was es heute ist.