iPhone weiter Sorgenkind

Apples Quartalszahlen: Großbaustelle mit Potenzial

Der iPhone-Hersteller aus Cupertino hat am Abend seine Quartalszahlen für das Fiskalquartal Q3 2016 bekanntgegeben. Schon beim letzten Mal waren diese erstmals rückläufig und Apple außerdem in seinen Prognosen weiter verhalten. Das Gute, wenn man so will: Apple tritt „nur“ auf der Stelle. Der Zeitpunkt ist nicht zu kritisch zu betrachten. Doch man merkt zusehends, dass sich das Unternehmen auf einer Großbaustelle befindet, die es sich in Teilen selbst eingebrockt hat. Doch aus der kann man eine Menge rausholen.

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Der Apple Campus 2 ist buchstäblich eine Großbaustelle. Doch die Geschäfte des iPhone-Herstellers selbst wirken wie eine. Sieht man davon ab, fällt es einem schwer, nicht zu erkennen, dass an so vielen Stellen in der Produktion Potenzial versteckt ist. Mittlerweile scheinen das sogar die Aktionäre zu erkennen. Da die „Verluste" im erwarteten Rahmen blieben und das Ergebnis sogar noch etwas besser ausfiel als erwartet, nahm der Kurs der Apple-Aktie nachbörslich bereits um knapp 7 Prozent zu.

Quartalsergebnisse von Apple (Q3 2016)

Im Fiskalquartal Q3 2016 hat Apple erneut leicht rückläufige iPhone-Verkaufszahlen präsentiert. Dazu kommt diesmal, dass Apple erstmals seit Jahren den anhaltenden Trend des schrumpfenden PC-Markts nicht durchbrechen konnte. Der Konzernumsatz beträgt 42,4 Milliarden US-Dollar. Das entspricht einem Minus von 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Unter dem Strich blieben 7,8 Milliarden US-Dollar Gewinn.

  • 40,4 Millionen iPhone wurden verkauft (rund 15 Prozent weniger als ein Jahr zuvor).
  • 9,9 Millionen iPad konnten verkauft werden (9 Prozent weniger als im Vorjahr).
  • Zudem wurden 4,2 Millionen Mac verkauft (knapp 13 Prozent weniger als im Q3 2015).
  • Zu den Verkaufszahlen der Apple Watch oder des Apple TV lassen sich keine Aussagen treffen, da diese neben dem iPod und anderen Produkten lediglich als ein Sammelposten aufgeführt werden. Dieser trug 2,64 Milliarden US-Dollar zum Konzernumsatz bei, 16 Prozent weniger als im Vorjahr.
  • Besonders interessant ist zudem der Posten "Services". Er hat mehr als 5,9 Milliarden US-Dollar eingebracht. Das entspricht einer Steigerung von 19 Prozent gegenüber dem Q3 2015.

Die Prognose für das Q4 2016 wirkt weiterhin verhalten. Man geht von einem Umsatz zwischen 45,5 und 47,5 Milliarden US-Dollar aus. Möglich außerdem, dass man nicht glaubt, mit dem iPhone 7 einen „Turnaround“ zu schaffen. Das deckt sich mit der Meinung von Analysten, die erst 2017 eine Besserung sehen.

Aktionäre erhalten eine Dividende in Höhe von 57 US-Cent pro Anteilsschein. Sie erhält jeder, der bis zum Stichtag, dem 8. August 2016, im Besitz von Apple-Aktien ist. Ausgezahlt wird sie am 11. August.

iPhone, ein Sorgenkind?

Richtig ist, dass die iPhone-Verkaufszahlen im Vergleich zum Vorjahr abermals zurückgegangen sind. Richtig ist aber auch, dass sie nicht eingebrochen sind und die „großen Quartale“ erst noch kommen. Allerdings dürfte sich in ihnen ein ähnliches Bild zeigen. Apple wird in diesem Jahr damit auskommen müssen, dass man die Höhenflüge aus dem Jahr 2015 nicht wiederholen kann.

Für 2017 sehen Analysten jedoch eine Besserung. Warum? Weil das iPhone 7 in diesem Jahr nur wenig Neues bereithalten wird, das iPhone 8 allerdings eine „Revolution“ darstellen soll.

iPhone-Familie
iPhone-Familie (Bild: iPhone)

Ein weiteres Problem ist der Markt in China. Dort hat man als Premium-Hersteller die Vielzahl der Kunden für sich gewonnen, die man gewinnen konnte. Doch das Lohngefälle ist, anders als in Europa oder den USA, deutlich größer. Eine echte Mittelschicht gibt es nicht. Entsprechend geben sich viele Kunden mit Smartphones der Konkurrenz zufrieden, die man deutlich günstiger haben kann. Hierzulande könnte ein Frisör, Postbote oder Müllfahrer sich ein iPhone leisten oder in einem überschaubaren Zeitraum ansparen. Das Jahresgehalt im Frisörberuf in Deutschland soll bei knapp unter 20.000 Euro brutto liegen (Statista). In China müssten dieselben Berufsgruppen Jahre darauf hinsparen. Die Fabrikarbeiter, die für Apple die Smartphones herstellen, könnten sich die Geräte erst recht nicht leisten. „Im Jahr 2014 verdiente ein Beschäftigter in China durchschnittlich 15.920 Yuan pro Jahr“ (Statista). Das iPhone 6s kostet aber selbst schon 5.000 Yuan (circa 680 Euro).

Mac am Gehstock?

Der Mac hat es im Q3 2016 nicht geschafft, dem weltweiten Trend des schrumpfenden PC-Markts zu widerstehen. Sind wir ehrlich, müssen wir uns fragen: Wie hat er es so lange geschafft? Apple hat vor allem mit seinen MacBook die Möglichkeit, Kunden zu interessieren. Doch vom neuen 12-Zoll-Modell abgesehen, das in diesem Jahr eine Modellpflege erhielt, gab es bislang kein Upgrade für irgendeinen anderen Mac.

Dabei liegt es nicht an Chip-Herstellern wie Intel, AMD oder Nvidia. Denn die präsentieren beinahe jährlich neue CPU und GPU. Ein Beispiel? Der Mac Mini hat seit 2014 kein Hardware-Update mehr gesehen. Der Mac Pro sogar seit 2013. Schaut man sich Apples Produktpalette an, geht das vielen Geräten so.

Mac Pro
Mac Pro (Bild: Apple)

Der Preis derselben ist aber nach wie vor identisch. Ein gleichbleibend hohes Preisniveau ließe sich gegenüber dem Kunden jedoch nur mit vergleichbar hoher Leistung begründen. Was also hindert Apple daran, zumindest einmal im Jahr ein Hardware-Upgrade auszuführen? Auf diese Weise sorgt das Unternehmen selbst dafür, dass es einiges an Käuferpotenzial verschenkt.

Doch noch etwas Anderes sorgt zunehmend für Irritation. Die Mac, die ein Retina-Display hätten bekommen können, haben eines bekommen. Doch nun ist „Retina“ kein Argument mehr, sondern Standard. Welche Innovation gibt es also, die die Mac-Verkäufe wieder nach oben schrauben könnte? Stand jetzt kann es Virtual Reality nicht sein. Denn Oculus-Gründer Palmer Luckey hätte zwar nichts dagegen, VR auf den Mac zu bringen, doch kein Mac ist derzeit leistungsfähig genug. Das klingt komisch, ist aber so. Apple verbaut selbst in den Retina-iMac nur On-Board-Grafikkarten. Und der mehrere tausend Euro teure Mac Pro nutzt eine AMD FirePro D700, die ebenfalls nicht genug Leistung bietet.

iPad, Apple Watch, Apple TV und Services sind keine Säulen

Vom iPod spricht man schon länger nicht mehr. Das iPad hat auch in diesem Quartal erneut enttäuscht. Das Apple TV wird außerhalb der USA kaum wahrgenommen. Die Apple Watch verlor zuletzt Marktanteile, weil scheinbar der Markt für Smartwatches sogar schrumpft. Alle diese Geschäftszweige sind nicht dazu angetan, als „Säulen“ von Apples Geschäft betrachtet zu werden.

Doch Tim Cook hatte letztes Mal darauf hingewiesen, dass man zunehmend über seine Service-Leistungen Geld verdient und verdienen möchte. Richtig, auch an Pokémon GO verdient Apple, sogar mehr als Nintendo. Und natürlich wirft der App Store mehr Umsatz ab als beispielsweise die App-Shops von Google. Doch das kann die sinkenden iPhone-Verkaufszahlen nicht kompensieren.

Mit Apple Pay verdient der iPhone-Hersteller ebenfalls Geld. Nur zum einen sind die Transaktionsgebühren je nach Land gering und zum anderen noch geringer. Es kommt also auf Reichweite und hohe Nutzungszahlen an. Doch Apple schafft es nicht, den Service zügig und flächendeckend zur Verfügung zu stellen. Obwohl der Service 2014 gestartet wurde, ist er erst in neun Ländern verfügbar. Einige davon kamen erst in den letzten Wochen hinzu.

Apple TV
Apple TV (Bild: Apple)

Kommen wir auf das ATV zurück. Denn Apple hat sich zwar öffentlich dazu bekannt, Hollywood keine Konkurrenz machen zu wollen. Aber außerhalb der USA kommt das Gerät nicht so recht an. Apple könnte darüber Medien verkaufen und an Abonnements mitverdienen. Doch die Auswahl ist hierzulande sehr eingeschränkt. Das liegt auch daran, dass Apple vieles sich selbst überlässt. Man hatte gehofft, dass die Entwickler es schon richten würden. Stattdessen hat Konkurrent Amazon das ATV 4G aus dem Sortiment genommen und bietet keine Prime-Video-App dafür an. Während eines der überzeugendsten Features – die Universalsuche – in den USA bereits mehrere Dutzend Sender umfasst, sind es in Deutschland und anderswo noch genauso viele wie zum Zeitpunkt der Veröffentlichung. Bei der Ankündigung wurde das Gerät sogar als Spieleplattform fürs Wohnzimmer angepriesen. Disney hat das Prestigeprojekt „Infinity“ beendet. Es wird keine Updates mehr dafür geben. Es hat sich scheinbar nicht gelohnt. Apple hat es selbst verbockt, weil es Entwickler dazu zwang, die Siri Remote zwingend als Steuerung verwenden zu können. Auf der WWDC 2016 nahm man diesen Zwang zurück. Zu spät für viele Entwickler, die zudem nicht genau wissen, auf wie viele Kunden Sie blicken können. Es ist nicht bekannt, wie viele Geräte verkauft wurden.

Apple hat Geld, viel Geld. Das Unternehmen muss einiges davon ausgeben, und zwar auch, um solche Fälle zu vermeiden. Man muss mit Software-Entwicklern kooperieren, wie es Konsolenhersteller tun. Ein paar Tische und Stühle und eine Registrierkasse machen aus einem Raum eben noch keine Gaststätte.

Wir blicken gespannt auf das nächste Quartal.

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Mit Tim Cook als CEO wird das nichts mehr! Der hat inzwischen zuviel Schaden mit seinen Machenschaften angerichtet, das hatten wir ja schon. Zurueck zur Kundenpflege und zu guten, fehlerfreien und nachhaltigen Produkten. Das letzte iOS Update ist ja wieder ein Katastastrophe. Die Fan-Basis ist, ausser ein paar Blauaeugigen, bereits weggebrochen und das Vertrauen vielen gestoert. Der Autor kann natuerlich jetzt wieder wahnwitzige Argument hervorbringen, aber ich erleben das Tag fuer Tag. Coda

@Werner: Warum sollte ich das tun? Ich bringe nur dann Argument vor, wenn ich es für sinnvoll halte. Ich kann zum letzten iOS-Update beispielsweise nichts sagen, weil ich auf meinem iPhone die Beta von iOS 10 nutze, damit ich redaktionell darüber berichten kann. Und ich gehöre nicht zu den Leuten, die sich ein Zwei-Smartphone leisten (wollen/können). Einzig Ihre Allaussagen stören mich. Die Fan-Basis, das können Sie beispielsweise an +20% Umsatz beim Service (alias App Store, Apple Music, Apple Pay, etc.) ablesen, ist fideler denn je.

Die Fanbasis sind diejenigen, die tagelang vor den Applestores ausharren um das neuste, erste Produkt zu ergattern, und die sind weg. Das ist schon laenger so, z.B. bei den letzten Releases, keine Schlangen mehr. Die +20% haben meiner Meinung nach nichts damit zu tun, das ist ganz normale Marktabsatzsteigerung. Wir waren damals die wirklichen Applefans, die diese Firma von dem Konkurs geretten haben, und diese Basis ist inzwischen weggebrochen. Tim Cook ist ein Manager, der zwar immer wieder versichert die Phylosophie von Apple weiterzutragen. Aber naja, das ist ihm offensichtlich nicht gelungen, und es wird wohl in einer aehnlichen Misere enden wie damals bei Scully. Das sind die Zeichen, die ich meine. Apple ist abgestiegen von einer Kultfirma zu einer, die heute die gleichen Methoden anwendet, wie damals Microsoft unter denen Apple in den 90ern gelitten hat. Selbstverstaendlich sind heute die Vorzeichen andere, aber die Zeit von Tim Cook ist definitiv vorbei. Er muss gehen, damit das angekratze Image von Apple wieder eine Chance hat sich zu verbessern, resp. zu veraendern und neu auszurichten.

"Die Fanbasis sind diejenigen, die tagelang vor den Applestores ausharren um das neuste, erste Produkt zu ergattern, und die sind weg. Das ist schon laenger so, z.B. bei den letzten Releases, keine Schlangen mehr. "

Ich glaube, dass du hier etwas durcheinanderbringst: Heute kann man das iPhone z.B. online vorbestellen. Warum sollen sich dann Leute vor dem Store tummeln, z.T. mehrere Tage. DAS gab es früher nicht. Hier hieß es nur: Stell dich an oder warte lange darauf.

Du wirst sicherlich noch mehr und bessere Argumente haben, warum Apple sich selbst zersägt. Dem ist aber nicht so. Es gibt viele Gründe für fehlenden Umsatz. Die Aktualisierung von Geräten gehört dazu. Aber auch die Weltwirtschaftslage, die veränderten Währungsumrechnungen, das immer neue Aufmachen von neuen Geschäftsfeldern um von der überragenden iPhone-Abhängigkeit zu fliehen, denn sie wissen genau, dass der Boom irgendwann nicht mehr weiter geht - immerhin kämpft man gegen den Rest der gesamten Smartphone-Industrie des Planeten ... und irgendwann ist der Markt satt bzw. die neuen Features werden rarer.

DU stempelst aber ausschließlich Tim Cook ab, der Apple als Microsoft-Kopie in den Methoden herunterwirtschaftet. Tröste dich: DIE WELT ist DEUTLICH KOMPLEXER. Vielleicht kannst du keine Zusammenhänge in deinem Ursachen-Universum herstellen, nicht über den Tim-Teller hinaussehen. Aber die Firma ist wie jede andere in ein Wirtschaftssystem mit seinen Gesetzen eingebunden. Und wenn dann mal ein Wurf wie das iP 6 und 6S gemacht wird und danach wieder Normalität eintritt hat das wenig mit Missmanagement zu tun.

Ich weiß, es ist schwer für manche, andere Sichtweisen als die eigene zu akzeptieren. Aber so ist nunmal die Welt. Schwarzmalen sollte ein bedeutendes Merkmal der Medien sein, denn davon und von Negativnachrichten leben sie ja schließlich. Deshalb ist aber dennoch die Welt nicht grundsätzlich negativ.

Du kannst gerne hierauf antworten und dich rechtfertigen und allen zeigen, wie Recht du hast. Aber zumindest ich werde diese Zeilen nicht mehr lesen. Dafür ist mir die Zeit zu schade.

Rechtfertigen muss ich mich bei ihnen aber schon gar nicht, vor allem nicht, wenn Sie eine schlechte Kinderstube genossen, und ausserdem keine Ahnung von Anstand haben. Ausserdem haben wir noch nie zusammen Schweine gehuetet, also muesste es "Sie" heissen.
Sie sind mit Ihrem Geschreibsel, wenn man es ueberhaupt so nennen kann, soweit am Ziel vorbei geschossen, dass es fuer Sie vielleicht sinnvoller waere, eine Bewerbung fuer die Marsexpedition in Erwaegung zu ziehen, damit wir zukuenftig auf so einen Mist verzichten, und Sie sich anderen, wichtigen Aufgaben, widmen koennen. Vielleicht wuerde sich dann auch Ihre Treffsicherheit in Denkprozessen verbessern. Aber naja, ich gehen mal davon aus, dass Sie noch ein ganz junges Kerlchen sind. Also denken Sie nochmals ein paar Takte nach, vielleicht soielt dann auch ploetzlich bei Ihnen die Musik...! Ansonsten haben sie jetzt von mir ja einen durchaus sinnvollen Vorschlag bekommen, wie es mit Ihnen zukuenftig adaequat weiter gehen koennte ;-)! Ihr Werner B.

Nicht »9 Prozent mehr«, sondern weniger iPads … aber immerhin mehr Umsatz.

Lesen hilft ;-)

Das stimmt, ja. 7 Prozent mehr Umsatz.

Ich teile die Meinung von Werner und wiederhole mich; Ein Buchhalter als CEO ersetzt Innovationen durch Kostenstellen, und Kosten will jeder Buchhalter vermeiden. Ein Typ wie Elon Musk könnte Apple wieder Schwung verleihen.

Die Zeit der Kultfirma ist bereits seit längerem vorbei. Die fehlenden Hardware-Upgrades sind ein komplettes Rätsel, insbesondere der Mac Pro dümpelt dahin. Die Profis haben damals - viele heutige Nutzer waren noch gar nicht geboren - Apple aus der Krise gekauft. Auch das Design ist mittlerweile - wie soll man es ausdrücken - eher dürftig. Ein Visionär fehlt leider an der Spitze und Ive sollte auch langsam das Zepter weiterreichen

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