Urheberrechtsverstöße

Apple-TV-Konkurrent Android TV bekommt Ärger

Google bietet mit Android TV eine konkurrierende Plattform zu Apples tvOS und dem Apple TV der vierten Generation an. Doch in Kanada regt sich nun Widerstand vor Gericht. Bell, Rogers und Videotron gehen gegen Verkäufer von Android-TV-Set-Top-Boxen vor, weil diese das Abspielen von urheberrechtlich geschütztem Material erlauben. Damit wird mit dem Einzelhandel das schwächste Glied der Kette getroffen. Einem Streit mit Google geht man aus dem Weg.

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Vor allem aus China dringen günstige Android TV Set-Top-Boxen auf den Markt, die Apps wie Kodi samt Plug-ins vorinstalliert haben, mit denen man Streams von regulären Fernsehprogrammen, aber auch illegale Inhalte wie aktuelle Serien und Kinofilme konsumieren kann. Das wäre eigentlich kein Thema, wenn es nicht so einfach wäre.

Kabelbetreiber wollen Verkauf von "Android TV"-Boxen stoppen

Selbst wenn Konsumenten kaum neugierig wären, ist der Preis für solche günstigen Android-TV-Geräte mit vorinstallierten Streaming-Apps ein Argument. Teilweise gibt es sie bereits für 20 bis 25 Euro zu kaufen. Wer ein bisschen mehr investiert, bekommt sogar 4K-kompatible Geräte. Hat man die Geräte angeschlossen, kann man dank vorinstallierter Apps auf aktuelle Kinofilme und Serien oder kopierte Live-Streams von Fernsehanbietern zugreifen.

Natürlich sehen Kabelanbieter in Nordamerika dadurch ihre Fälle wegschwimmen. Deshalb wollen nun Bell, Rogers und Videotron den Verkauf solcher Android TV Set-Top-Boxen in Kanada verhindern. Aus Gerichtsunterlagen geht hervor, dass man schon jetzt gegen 11 Anbieter vorgegangen sei. Diese würden mit dem Verkauf der Geräte die Umsätze der Kabelanbieter schmälern und das Umgehen von Urheberrechten erleichtern.

Handel muss Suppe auslöffeln

Die Verkäufer der Boxen haben die Möglichkeit einer einstweiligen Verfügung zuzustimmen oder sie anzufechten. Da es sich bei den meisten Verkäufern um kleine, selbständige oder aber mittelständische Unternehmen handelt, geht man davon aus, dass diese sich eine Gegenwehr finanziell nicht leisten können und deshalb der Verfügung nachkommen und die Geräte nicht mehr verkaufen. Trotzdem zeigen sich die Einzelhändler überrascht.

Die Offenheit sowohl von Android TV als auch von Kodi erlauben es, dass man damit urheberrechtlich geschütztes Material sehr leicht anschauen kann. Die Plattformen selbst sind per se nicht „böse“. Auf dem Apple TV ist so etwas nur eingeschränkt möglich, da der iPhone-Hersteller über seinen App Store wacht und entsprechende Apps entweder gar nicht erst zulässt oder nach Bekanntwerden unmittelbar löscht.

Kann so etwas auch in Deutschland passieren?

Die deutsche Fernsehlandschaft ist mit sehr vielen Gratis-Programmen anders gestrickt als die nordamerikanische. Allerdings gibt es auch hierzulande Pay-TV. Anbieter Sky geht mit schöner Regelmäßigkeit gegen sogenannte Card-Sharer vor, die Empfangsgeräte manipulieren und theoretisch nur ein bezahltes Abo brauchen, damit jedoch beliebig viele Nutzer das TV-Angebot sehen können. In der Regel geschieht dies nicht gratis, sondern gegen Entgelt. Im Februar 2016 wurde ein Card-Sharer nun aber zu einer Freiheitsstrafe verurteilt und Sky will ferner gegen illegales Streaming der Inhalte vorgehen. So gesehen könnte sich der Pay-TV-Anbieter am Beispiel Kanadas orientieren.

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