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Apple kann wieder Geheimnisse hüten: Warum wir uns auf die WWDC 2017 freuen dürfen

Bald ist es wieder so weit: Apple veranstaltet im Rahmen der Entwicklerkonferenz WWDC 2017 am 5. Juni eine „Keynote“. Dort werden viele Highlights zur Einführung des Events erwartet. Doch dieses Jahr sind Apple-Fans seit langem wieder in der Lage, sich auf die Präsentation des iPhone-Herstellers zu freuen. Denn anders als in den Jahren zuvor, gibt es auf viele Fragen keine Antworten, hat Apple es geschafft Geheimnisse über einen möglichen Siri-Lautsprecher, zukünftige iPads oder neue Computer und auch iOS 11 oder macOS 10.13 weitgehend geheim zu halten.

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Ich freue mich auf die WWDC. Es gab Jahre, in denen ich das nicht tat. Jahre, in denen beispielsweise der Kollege Mark Gurman über eine anonyme Quelle bei Apple in der Lage gewesen ist, vorab bereits sehr viele Informationen über beispielsweise ein neues iOS oder macOS (damals noch OS X) zu veröffentlichen. Gurman war Blogger bei den Kollegen von 9to5Mac und wechselte aber vor noch nicht allzu langer Zeit in das Lager von Bloomberg. Er wurde von dem Nachrichten-Netzwerk „abgeworben“.

Wir wissen so gut wie nichts über iOS 11 und macOS 10.13

Nun müsste man sich fragen: Hat es mit dem Wechsel zu Bloomberg zu tun, dass Gurman aktuell keine Neuigkeiten über Apples künftige Software wie iOS 11 oder macOS 10.13 verbreitet? Oder hat womöglich Apple den „Maulwurf“ gefunden und ihn oder sie mundtot gemacht? Vielleicht arbeitet die Quelle Gurmans auch nicht mehr bei Apple. Aber ich möchte mich nicht zu früh freuen. Immerhin sind es noch drei Tage, bis zu Apples Aufgalopp der WWDC, und bis dahin könnten jeden Tag neue Informationen ans Licht der Öffentlichkeit dringen. Was wir bis hierhin erfahren haben ist, dass Apple den Support für 32-bit-Apps abschalten wird, was zum Massensterben von Apps führen könnte. Darüber hinaus gab es bislang nur „Phantastereien“ eines kreativen Designers, der sich selbst Gedanken zu iOS 11 gemacht hat. Die WWDC-Logos geben in diesem Jahr auch keinen so rechten Hinweis darauf, worum es Apple gehen könnte.

Nicht jede Information Gold wert

So sehr ich es Gurman gönne, ein Netzwerk an Informanten aufgebaut zu haben, so wenig freue ich mich dann doch, wenn Informationen dieser Art schon vorab publik werden. Entsprechend froh bin ich, dass er in diesem Jahr noch keine Infos zu Apples neuer Software veröffentlicht hat. Dieses „Gefühl“ bekommen wir als Redaktion bei der Veröffentlichung einiger Gerüchte-Artikel von unseren Lesern ebenfalls zu hören. Es hat aber eine andere Qualität, wenn man über die „Panama Papers“ aufgeklärt wird, oder aber einem Unternehmen den Überraschungsmoment klaut.

Welche Information ist wichtig und richtig, und welche raubt die Vorfreude? Die Auswahl ist oft ein schmaler Grat.
Welche Information ist wichtig und richtig, und welche raubt die Vorfreude? Die Auswahl ist oft ein schmaler Grat. (Bild: CC0)

Schmaler Grat

Wenn wir eine Richtung erahnen können, auf der Basis von Informationen aus Industriekreisen, ist das unverfänglich und trotzdem nicht uninteressant. Mögliche „Trends“ zukünftiger Apple-Produkte wie beispielsweise ein OLED-Display beim kommenden iPhone 8 vorhersagen zu können, ist eine interessante Information. Die sorgt aber in der Phantasie der Beobachter für so viel Verwirrung, dass „Alles oder Nichts“ möglich erscheint.

Wenn hingegen für ein paar Dollar Aufnahmen von Prototypen des nächsten iPhone oder iPad oder deren Baupläne verkauft werden, dann ist das in erster Linie tragisch. Ich muss nicht vorher wissen, wie das nächste Apple-Produkt ausschaut, finde es aber nicht uninteressant zu wissen, dass Apple sich für den Blutzucker seiner Kunden interessiert, mit dem Blick die Diabetes-Forschung voranzutreiben. Wie dies letztlich geschieht, sollte allerdings Apple „uns“ verraten, und wir nicht schon vorher im Detail in Erfahrung gebracht haben.

Es ist ein schmaler Grat zwischen der Information, die wichtig und richtig ist, und derjenigen, die die Vorfreude raubt und die Erwartung ins Unermessliche treibt.

Apple zieht Daumenschrauben an und produziert nicht nur im Niedriglohnsektor

Schon vor einigen Jahren hat Apple die Produktion mancher seiner Geräte nicht mehr nur in Asien vorangetrieben, sondern den Standort gewechselt. Ein Grund, warum wir im Vorfeld nur wenig über den damals neuen Mac Pro in Erfahrung gebracht haben, lag auch daran, dass Apple das Gerät in den USA zusammengebaut hat.

Ferner hat Apple in den letzten Jahren immer mehr Hersteller vertraglich darauf geeicht, doch bitte keine Informationen nach draußen zu geben. Diese Informationssperre wird nicht oft umgangen. Eine Ausnahme bilden Institutionen wie die Eurasische Wirtschaftskommission (EAWK). In deren Datenbank fanden sich Dokumente mit Hinweisen.

Der Siri-Lautsprecher und die MacBooks

Machen wir es doch noch konkreter: Es gibt bislang Gerüchte über einen Siri-Lautsprecher, ein neues iPad Pro und neue MacBooks. Bei letzteren ist die EAWK Schuld, dass es gar nicht mehr so sicher ist, ob nicht sogar eher der Mac mini, der iMac und der Mac Pro aktualisiert werden, statt den MacBooks. Trotz allem gibt es im Apple Store Lieferschwierigkeiten.

Und was ist mit dem Siri-Lautsprecher, der Alexa Konkurrenz machen soll? Klar gab es Gerüchte, doch die blieben verhältnismäßig unspezifisch. Hat er ein Display? Braucht er überhaupt eines? Bis heute haben wir keine „Skizze“ gesehen, wie denn „das Ding“ eigentlich aussehen könnte. Deshalb können sich wieder Leute den Kopf darüber zerbrechen, ob Apple damit das „nächste große Ding“ auf den Markt bringt, oder das Produkt nicht doch eher floppt. Ohne Details zu kennen, kann man diese Frage aber nicht seriös zu beantworten versuchen.

Das schwarze Schaf namens iPad Pro

Ganz anders sieht alles beim vermeintlich neuen iPad Pro aus. Vieles von dem, was wir gehört haben, fußt aber auf der Phantasie und Erfahrung der Beteiligten. Alleine der Hinweis, dass Apple Displays in dieser Größenordnung (10,5 Zoll) gekauft hat, heizte in der Folge die Spekulationen an. Nicht alles, was drumherum veröffentlicht wurde, hatte tatsächlich mit dem Produkt zu tun. Doch wie man „Dummies“ anfertigt, die täuschend echt aussehen, hat diese „Branche“ in den letzten Jahren gelernt. Vor vielen Jahren wurden diese oftmals als „Fake“ enttarnt. Heute sind sie leider sehr nahe am Original dran.

Die Sache mit dem Erwartungsdruck

Die Hinweise auf neue Produkte stammen nur auf den ersten Blick aus zwei Kanälen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Da sind die „armen“ Fließbandarbeiter, die für ein paar Dollar Geheimnisse verkaufen zu scheinen. Und dann sind da die gut bezahlten Finanzanalysten von Großbanken. Doch diese sind es in vielen Fällen, die Ihre Quellen dafür bezahlen, Details preis zu geben. Denn sie stehen unter Erwartungsdruck. Stellen Sie sich vor, Ming-Chi Kuo würde seinen Kunden sagen: Es wird ein iPhone 8 geben. Diese Information würde müde belächelt. Denn der gesunde Menschenverstand von uns allen reicht aus, um diese Prognose zu tätigen. Und also werden Finanzanalysten zu modernen Archäologen der Zukunft ausgebildet, die nach dem heiligen Gral des „One more thing“ Ausschau halten. Warum? Weil es um viel Geld geht. Diejenigen, die sich am besten auskennen und deren Prognosen am häufigsten richtig liegen, können für Ihre Kunden das meiste Geld rausschlagen.

Es liegt in der Natur der Sache: Medien wollen Informationen verbreiten
Es liegt in der Natur der Sache: Medien wollen Informationen verbreiten (Bild: CC0)

Die Kunden und die Medien sind zwar auch Teil des Spiels – es liegt in der Natur der Sache, dass Medien Informationen verbreiten wollen. Nur: Selbst wenn wir damit aufhören würden, würde die Jagd nach der Information dadurch nicht beendet. Tatsächlich können wir nur versuchen, die guten von den schlechten Informationen zu trennen und das Feld nicht den Fake-News zu überlassen.

Vorfreude auf die WWDC

Nach dieser langen Rede möchte ich zum Abschluss noch einmal meine Vorfreude auf die WWDC betonen. Dass wir bis heute nicht alle Fragen beantworten können, ist ein gutes Zeichen. Denn gerade das hat den Mythos um Apple zum Teil ausgemacht. Es gab ein „One more thing“, weil der iPhone-Hersteller Dinge geheim halten konnte. Ach und was ist eigentlich mit dem Apple TV? Kommt da was Neues? Nichts Genaues wissen wir nicht.

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Guter Artikel!
Ich freue mich auch schon sehr auf die wwdc!

Zu schön um wahr zu sein

Da die Show nur 2h dauert und IOS MACOS und WATCHOS vorgestellt werden, ist nicht mehr viel Platz für Hardware....

Das ist ja auch gut so. Nur Software ist auch Teil der Überraschung. Wenn Apple fleißig an Siri geschraubt hat, macht es nicht viele Umstände, einen Siri-Lautsprecher mit den „neuen“ Funktionen der KI ins Rampenlicht zu rücken.

Danke für den "guten" Artikel!!

Gerne.

Wenn die meisten Artikel mit Wertung zum Thema Wahrscheinlichkeit oder Fake geschrieben werden würden wäre uns auch schon geholfen. Oft aber stehen Überschrift und Inhalt sich gegenüber. UND LEIDER FEHLT SEHR OFT DAS WORT: GERÜCHT

Aber dieser Artikel ist wirklich OK. Er provoziert nicht und weckt auch keine Hoffnungen. Ist einfach nur ehrlich geschrieben. Ist damit auch glaubwürdiger.

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