Mac selbstgebaut: Hackintosh im Selbstversuch | Mac Life

Quelle: https://www.maclife.de/mac/rechner/mac-selbstgebaut-hackintosh-im-selbstversuch

Autor: Martin Dirk Zimmer

Datum: 11.02.14 - 18:48 Uhr

Mac selbstgebaut: Hackintosh im Selbstversuch

Selbst das aktuellste OS X Mavericks läuft auch auf Rechnern ohne Apple-Logo. „Hackmacs“ oder „CustoMacs“ sind heute auf Basis normaler PC-Komponenten einfacher zu realisieren denn je. Zu beachten gibt es bei Wahl der Hardware und Konfiguration der Software dennoch einiges. Dieser Erfahrungsbericht…

…will ausdrücklich keine verbindliche oder gar erschöpfende Anleitung zur Nachahmung sein. Vielmehr soll im kurzen Einblick gezeigt werden, auf welchen Zeitaufwand und welche Kosten sich ein Interessent gefasst machen sollte. Denn teilweise treten Probleme auf, die dem „verwöhnten“ Mac-Anwender im Traum nicht einfielen. Im Beispiel geschildert wird die Konfiguration eines Mittelklasse-CustoMac für das Home Office und leistungshungrige Spiele.

Kompetente Hilfe

Wer sich für den Betrieb eines CustoMac interessiert, kann im Angebot des Web-Portals tonymacx86.com, wiederum unverbindlich, auf viele Ressourcen zum Thema zurückgreifen. Der dem Portal größtenteils zugrunde liegende Anspruch heißt „Out of the Box“: Betriebsbereitschaft des Rechners unter OS X mit kleinstmöglichem, nachträglichem Konfigurationsaufwand. Raubkopiert wird dabei nicht. System und Anwendungen sind genau wie auf einem echten Mac legal zu erwerben. Ein echter Mac muss für einige Schritte zur Verfügung stehen.

Der mittlerweile monatlich aktualisierte „Buyer’s Guide“ listet für den Januar 2014 zusätzlich zu den getestet mit OS X kompatiblen Intel-Core-Prozessoren, Hauptplatinen von Gigabyte und Grafikkarten auf Nvidia-Basis auch Kaufempfehlungen für Gehäuse, HD- wie SSD-Laufwerke, Netzteile und andere freier zu wählende Komponenten samt internationaler Amazon-Links. Sogar stimmige Beispielkonfigurationen wie „CustoMac Mini“, „CustoMac Budget“ und „CustoMac Pro“ werden hier vorgeschlagen.

Kostenaufstellung des getesteten Mittelklasse-CustoMac

Grafik|Gigabyte GV-N760OC, 2GB|240 Euro

Der Einkauf

Der Zeitaufwand allein für das Aufstellen der eigenen Einkaufsliste kann also zwischen wenigen, entschlussfreudigen Minuten und Wochen der ambitionierten Recherche liegen. Die Komponenten für den hier und jetzt in Betrieb befindlichen „CustoMac Pro“ waren innerhalb einer Stunde vereinbart und innerhalb zwei weiterer Stunden in drei Kölner Ladenlokalen für insgesamt 1200 Euro gekauft. Die Verfügbarkeit der benötigten Teile war also gut genug für Kurzentschlossene. Apple-Tastatur, Logitech-Maus, externe Festplatten, WiFi-Antennen und Audio-Anlagen waren bereits vorhanden und wurden übernommen.

Ein Hackmac kriegt kein Apple Care. Man kann bei der Auswahl der Steckkarten, Laufwerke und anderer wichtiger Komponenten darauf achten, von wem und welche Garantieleistungen und -dauern für alternative Produkte angeboten werden. Das „K“ in CPU-Typenbezeichnungen wie „Core i5-4670K“ steht für die seitens Intel vorgesehene, dynamische Übertaktung ausgewählter Prozessoren. Stärkere Netzteile bleiben im Zweifel leiser weil kühler, erlauben leistungshungrige Karten- wie Laufwerksaufrüstungen und rechnen sich plausibel über ihre Lebensdauer.

Weil selbst der iMac und das MacBook Pro bis weit jenseits der 2000 Euro nur abgespeckte Mobilgrafik bieten, kann die Wahl der Grafikkarte für Spielfreudige der ausschlaggebende Faktor für die ganze Unternehmung sein. Detaillierteste Echtzeit-3D-Welten zeichnen nicht billige aber schon preiswerte GPUs.

Schnellstmöglichen, lokalen Zugriff auf System- oder Archivdaten bieten SSD-Optionen. Der alternierende Einsatz von OS X und Windows kann mit separaten Laufwerken eingeplant werden. Apple-Schnittstellen wie FireWire und Thunderbolt sind auf Hauptplatinen und Steckkarten verfügbar aber nicht selbstverständlich. Dafür gibt es USB 3.0 im Überfluss. Die im Test gewählte Hauptplatine bietet sechs Buchsen, das Gehäuse topseitig je zweimal USB 3.0 und 2.0.

Ist die Hardware angeschafft, gilt es, die Komponenten zu einem Computer zusammenzufügen. So trivial das für alte Hasen klingen mag, ist der Bau eines PCs deutlich aufwändiger als zum Beispiel die Inbetriebnahme eines iMacs. Wer weiß, was er tut, ist mit dem Auspacken, Bestecken, Verschrauben und Verkabeln der Komponenten bei gebotener Vorsicht und ohne tägliche Übung gut und gern eine Stunde beschäftigt - stolze Rekordschrauber ausgenommen. Allein die bei aller Liebe noch fummelig zu nennenden Anschlüsse des Frontpanels und die Krakenarme eines PC-Netzteils können Schweiß treiben.

Im Download-Bereich des spenden- und werbegestützten Hackmac-Portals tonymacx86 wird ein Gratis-Tool bereitgestellt, mit dem sich die Original-Lizenz des aus dem Mac App Store gekauften OS X Mavericks zum Beispiel mit einem USB-Stick als Zündschlüssel für den CustoMac zusammenfügen lässt. Verantwortlich dafür ist das nach simpler Anleitung einfach anzuwendende „UniBeast“. Nach dessen erfolgreicher Anwendung und simplen Einstellungen im BIOS der Hauptplatine läuft auf der PC-Hardware bereits nach Minuten OS X - mit Einschränkungen.

Eintritt das „MultiBeast“. Dieses Werkzeug bietet in eigentlich übersichtlichem Fensteraufbau leider kryptische Konfigurationsmöglichkeiten wie Treiberauswahl für die verbauten Komponenten, Boot-Optionen und mehr. Im Forum und in den Anleitungen von tonymacx86 wie anderswo werden stabile, erfolgreiche Konfigurationen unter Angabe der verbauten Hardware und der gemachten Einstellungen ausgetauscht. Zudem gibt es im Forum FAQs und die Möglichkeit eigene (auf Englisch gestellte) Fragen klären zu lassen. Dieses Feintuning kann zwischen Minuten und Stunden dauern.

Datenmigration und Stolpersteine

Wie sieht es mit der Übernahme von Kontakten, Kalendern, Fotos, Filmen und Musik, sprich Daten bisher genutzter Macs aus? Apple selbst bietet mit der Technologie Time Machine die Möglichkeit des automatisierten Backups. Während man bei der Einrichtung eines neuen Macs auf den Migrationsassistenten zurückgreifen kann, ist dessen Funktionalität auf dem Hackmac nicht 100-prozentig gesichert. Nötigenfalls können mit Administrator-Rechten der bisherige Anwender-Ordner und wichtige Programme vom Quellrechner über externe Medien kopiert werden. Den Rest erledigen die Synchronisationen der iCloud, des iTunes und der App Stores per Apple-ID.

Bei Updates der Systemversionen muss man mit CustoMacs gegebenenfalls etwas warten, und die Datenverschlüsselung per FileVault funktioniert nicht. Drucker müssen eventuell neu angemeldet werden. Die OS X App „Nachrichten“ ist bekannt dafür, bei der Einrichtung auf dem CustoMac mit verschiedenen Fehlermeldungen den Dienst zu verweigern, wie auch hier aufgetreten aber gelöst. Audio über HDMI erfordert gesonderte Einstellungen, schlechter WiFi-Empfang musste hier mit anderen Antennen verbessert werden und und und.

Fazit

Für einen CustoMac sollte man sich ganz bewusst entscheiden, wenn man bereit dazu und interessiert daran ist, dieser Bastellösung, auch in der Folge, einige Zeit und Aufmerksamkeit zu widmen. Entlohnt wird die Mühe mit einer im Rahmen des Machbaren nach eigenen Vorstellungen konfigurierten, flexibel aufzurüstenden und auf aktuellsten Technologien basierenden OS-X-Maschine, wie es sie „designed in California“ nicht zu kaufen gibt. Doch auch auf Apples gefälliges Hardware-Design muss mit Standard-Komponenten natürlich verzichtet werden.

Für die freundliche Unterstützung bei der Umsetzung danken wir Mike Nolte Bürotechnik - Mac Service Köln.