analoger Synthesizer

Test: MFB Dominion X

Mit dem Dominion X hat Manfred Fricke eine neue Serie von Klangerzeugern ins Leben gerufen. Verbesserte Schaltungen sollen sie im Allgemeinen und den Dominion im Besonderen noch wohlklingender und vielfältiger als seine Vorgänger machen. Wir sind gespannt …

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Der Berliner Hersteller MFB bringt seit über zehn Jahren regelmäßig neue Synthesizer auf den Markt. Dank durchsetzungsfähigem Analogsound, großem Funktionsumfang und außergewöhnlich niedriger Preise war jeder Einzelne ein Erfolg. Allerdings mussten, aufgrund der geringen Kosten, kleinere Abstriche in der Verarbeitung hingenommen werden. Die lagen hauptsächlich in den aus Kunststoff gefertigten Gehäusen, die zwar funktional, aber nicht wirklich schön anzusehen waren. Dieses und mehr möchte MFB nun mit dem Dominion X beheben. Als erstes Produkt der Synthesizerschmiede besitzt er ein solides Metallgehäuse und Holzseitenteile. Auch die inneren Werte wurden aufpoliert, was sich neben dem Zuwachs an Bedienelementen auch im Klang niederschlagen dürfte. Vergleicht man die Feature-Liste mit anderen Analogboliden, so findet man sich schnell in weitaus höheren Preisbereichen wieder. Ist der Dominion X also ein neuer Preishammer?

Variabel

Bereits ein erster Blick auf die Bedienelemente verrät, dass bei der Entwicklung des Dominion X mehr Aufwand betrieben wurde als bloße Produktpflege. Die Oberfläche ist komplett mit Drehreglern gefüllt, lediglich ein paar Audio- und CV-Buchsen sowie ein dreistelliges Display nebst zwei Tastern finden noch Platz. Da sie sehr leichtgängig sind, könnten die verbauten Potis MFB-Veteranen zunächst etwas stutzig machen. Der Bedienung tut das allerdings keinen Abbruch. Von schnellen Werteveränderungen bis zu nuancierten Eingriffen ist alles machbar. Trotz dichter Bestückung sind die Abstände weit genug, um auch hektische Anpassungen zu erlauben. Strom bekommt der Dominion X per externem Netzteil. Ein An-/Aus-Schalter ist ebenfalls verbaut. Des Weiteren findet sich auf der Rückseite ein Audioein- und -ausgang im 6,3-mm-Klinkenformat. Wird ein Signal in den Synthesizer eingeschliffen, ersetzt es lediglich den Rauschgenerator. Die eigentliche Klangerzeugung kann parallel weiterverwendet werden. Zur Steuerung ist ein MIDI-Trio verbaut, alternativ lassen sich mit den bereits genannten CV-Buchsen analoge Steuersignale (1V/Okt.) einspeisen. Als Besonderheit ist hier die Möglichkeit zu nennen, jeden Oszillator einzeln zu beschicken und so auch komplexe Melodielinien zu erstellen. Einzelausgänge für einzelne Baugruppen gibt es hingegen nicht, was den Gebrauch mit modularem Equipment ein wenig einschränkt.

Leicht digital

Der Signalweg des Dominion X ist zwar komplett analog aufgebaut, einige Digitalkomponenten haben sich aber trotzdem eingeschlichen. Das Highlight ist sicher die Speicherfunktion. Vier Bänke mit jeweils 32 Slots stehen zum Konservieren von Sounds bereit. Die Einstellung Pot nutzt hingegen sämtliche aktiven Parameterwerte und hilft so, Verwirrung bei der Klangerstellung vorzubeugen. Lade- und Speichervorgänge sind dank dem Display sehr übersichtlich. Zusätzlich lassen sich auch einige andere Werte, zum Beispiel bezüglich Glide-Verhalten oder MIDI-Kanal, mithilfe des Displays bearbeiten.

Aufgebessert

Zur Erzeugung von Sounds nutzt der Dominion X drei Oszillatoren. Diese erinnern in ihrem Aufbau zunächst an das aus gleichem Hause stammende Modul OSC2 Triple VCO. Als Wellenformen stehen Dreieck, Sägezahn und Rechteck bereit, die Feinstimmung von Schwingkreis 2 und 3 wird in Intervallen zum ersten Oszillator geregelt. Es gibt aber auch Unterschiede respektive Verbesserungen: So ist die Auswahl an Fußlagen gegenüber dem Einzelbaustein aufgestockt. Weiterhin sind anstelle der Grundwellenformen auch Ringmodulatoren wählbar. Per Umschalter lässt sich eine von sechs Modulationsarten wählen. Neben der Tonhöhe können auch integrierte Waveshaper beeinflusst werden. Sie machen Überblendungen von Sägezahn zu Dreieck beziehungsweise von Dreieck zu Sinus möglich; die Rechteckwelle ist in ihrer Pulsweite veränderbar. Den Obertongehalt kann man somit frei regulieren. FM- und Sync-Funktionen erhöhen die Flexibilität abermals. Sind alle Teilsignale editiert, können sie in einer Mischsektion frei zusammengeführt werden. Auch für den Rauschgenerator beziehungsweise den externen Eingang ist hier ein Kanal vorhanden.

Biegsam

Das klangliche Spektrum der Oszillatoren ist dem Funktionsumfang entsprechend sehr vielfältig. Speziell die Bewegungen, welche sich durch Modulationen der Waveshaper bewerkstelligen lassen, wussten im Test zu begeistern. Bässe und Lead-Sounds wirken dank ihnen extrem lebendig, womit der Dominion X ein echter Geheimtipp für Musikrichtungen wie Dubstep ist. Wem der bloße Druck der Schwingkreise noch nicht ausreicht, kann zudem per Feedback beliebig viel Breite und Schmutz hinzufügen. Dies soll aber keinesfalls bedeuten, dass das Instrument nur für Bässe gut zu gebrauchen ist. Auch sanfte Leads oder Effekte sind einfach machbar, zum Teil bereits ganz ohne Filter. Nach kurzem Probehören wird allerdings kaum mehr jemand auf diesen Teil des Dominion verzichten wollen. Zur Auswahl stehen drei Tiefpassmodi mit einer Flankensteilheit von 12 dB, 18 dB und 24 dB sowie Hochpass-, Bandpass- und Notch-Varianten. Die erste der beiden ADSR-Hüllkurven ist fest mit dieser Baugruppe verdrahtet, die Einflussnahme kann sowohl in positiver als auch negativer Richtung erfolgen. Durch ihren knackigen Charakter sind neben entspannten Filterfahrten auch perkussive Abwandlungen machbar. Zur weiteren Beeinflussung können ein LFO oder Oszillator 2 beziehungsweise 3 ausgewählt werden. Was Flexibilität angeht, so setzt das Filter des Dominion X neue Maßstäbe. Die unterschiedlichen Tiefpassmodelle sind sehr musikalisch, jedes auf seine ganz eigene Art. Weiche Klangveränderungen, zum Beispiel für wabernde Flächen oder schimmernde Leads, sind mit dem 12-dB-Filter kein Problem. Wer härter zu Werke gehen möchte, bedient sich hingegen einer der anderen Varianten, die beide kräftiger zupacken. Die Resonanz reicht in jeden Fall bis zur Selbstoszillation, per zweistufigem Keytrack ist auch das Spielen des Filters möglich.

Damit aber nicht genug! Der oben bereits erwähnte Feedback-Regler wirkt sich nämlich auch auf den Klang der Filterschaltung aus. Während die Resonanz beim 12-dB- und 24-dB-Tiefpass nur ein wenig spitzer wird, machen hohe Einstellungen die 18-dB-Version zu einer unten dünnen aber schneidenden Bestie. Besonders Acid-Freunde, die ihrer TB-303 einen rotzigen Freund zur Seite stellen möchten, sollten sich einmal ausgiebig Zeit zum Testen nehmen. Als letzte Stufe durchlaufen die entstandenen Signale dann noch einen Verstärker. Dieser wird durch ADSR2 und einen Lautstärkeregler gesteuert.

Bewegung!

Neben den Hüllkurven stehen insgesamt drei LFOs für Modulationen bereit. Einer davon ist ein sogenannter Mod-LFO, der lediglich über einen Sinus verfügt. Dafür kann er mit dem Modulationsrad eines Keyboards einfach ein- und ausgeblendet werden. Als Ziele stehen die einzelnen Oszillatoren sowie Filter und Verstärker zur Auswahl. Die anderen beiden sind vollwertige Wobble-Monster mit sechs Wellenformen. Dank One-Shot-Modus lassen sie sich auch als Mini-Hüllkurven verwenden, eine Reset-Funktion ist ebenfalls enthalten. Die Geschwindigkeit reicht für sämtliche gängigen Anwendungen locker aus und kann auch per Anschlagsdynamik verändert werden. Weitere Ziele sind die Cutoff-, Resonanz- oder Contour-Parameter des Filters, die Symmetrie der Oszillatoren oder selbstverständlich auch die Lautstärke.

Fazit

Dominion X ist ein Name, den sich jeder Freund von Analogsynthesizern merken sollte. Die klanglichen Möglichkeiten der Oszillatoren und Filter gehen weit über die gängige Ausstattung eines Desktop-Klangerzeugers hinaus. Optik und Verarbeitung lassen keinen Zweifel daran, hier einen wirklich edlen Boliden vor sich zu haben. Satte bis brachiale Bässe sind sicher eine Spezialität der Neuerscheinung. Doch auch umschmeichelnde Pads, schillernde Leads oder mystische FM-Konstrukte sind einfach machbar. Der zum Teil recht raue Grundcharakter lässt ihn als gute Alternative zu Rolands berühmten Vintage-Synthesizern erscheinen. Unser Fazit: für den aufgerufenen Preis von unter 800 Euro ein unschlagbares Angebot.

Testergebnis
ProduktnameDominion X
HerstellerMFB
Preis780 €
Webseitewww.mfberlin.de
Pro
  • flexible Oszillatoren
  • Waveshaper & Ringmod
  • FM- & Sync-Funktionen
  • externer Eingang
  • verschiedene Filtermodelle
  • Tiefpässe mit Feedback + hochwertige Verarbeitung
  • niedriger Preis
Bewertung
1sehr gut

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