AKTIENRÜCKKAUFPROGRAMM UM 50 MILLIARDEN US-DOLLAR AUSGEWEITET

Aktuelle Quartalszahlen: Apple gelingt der Befreiungsschlag

24.04.13 | 00:22 Uhr - von Nils Jacobsen
(Bild: istockphoto.com, sitox)

Apple ist zurück: Nach Monaten der Rückschläge an der Börse und nicht enden wollenden Spekulationen über die Erosion der Gewinnentwicklung hat Apple besser als erwartete Quartalszahlen vorgelegt und ein gigantisches Aktienrückkaufprogramm angekündigt. Doch die Freude währte nur kurz: Der Ausblick auf das laufende Quartal fiel noch schwächer als von Analysten erwartet – und die Aktie kippte im nachbörslichen Handel wieder weg.

Kurzes Aufatmen bei Apple-Aktionären: Der wertvollste Technologiekonzern der Welt hat nach Handelsschluss an der Wall Street eine Quartalsbilanz über den Erwartungen der Wall Street vorgelegt. 

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Der Kultkonzern aus Cupertino verdiente zwischen Januar und März dieses Jahres 9,5 Milliarden Dollar oder 10,09 Dollar je Aktie. Die befragten Analysten hatten ihre Schätzungen zuletzt immer weiter reduziert und einen Gewinn je Anteilsschein von 10,04 Dollar vorausgesagt. Vor allem jedoch beim Umsatz lag Apple besser als erwartet; Mit Erlösen in Höhe in Höhe von 43,6 Milliarden Dollar wurden nicht nur die Analystenschätzungen geschlagen, sondern auch die eigenen Prognosen überboten, die bei 41 bis 43 Milliarden Dollar gelegen hatten.

37,4 Millionen iPhones und 19,5 Millionen iPads verkauft

Treiber der Geschäftsentwicklung war wieder einmal die iPhone-Sparte. Apple konnte von seinem Kultsmartphone 37,5 Millionen Stück absetzen – mehr als von Analysten erwartet (36,4 Millionen) und mehr als im Vorjahr (35 Millionen), als das iPhone 4S in China debütierte.  Allerdings waren die Zuwächse von nur noch 6 Prozent das schwächste Plus seit Einführung vor sechs Jahren.

Der erst drei Jahre alte Tablet-Sparte wächst dagegen weiter rasant. 19,5 Millionen iPads wurden im ersten Kalenderquartal 2013 verkauft – die Wall Street hatte nur mit mit 18,3 Millionen Stück gerechnet. Im Vergleich zum Vorjahr bedeutete das einen Zuwachs von stattlichen 68 Prozent. Die Mac-Unit gab dagegen mit knapp 4 Millionen verkauften Macs leicht nach, während der 20-prozentige Einbruch der iPod-Sparte auf 6,25 verkaufte Apple-MP3-Player erwartet worden war.

Ausblick enttäuscht, Gewinnmarge erodiert

Das waren die guten Nachrichten. Die schlechten: Der Ausblick auf die laufenden Geschäfte fiel deutlich schlechter aus als erwartet. Lediglich Umsätze in Höhe von 33,5 bis 35,5 Milliarden Dollar stellte Tim Cook im laufenden Juni-Quartal in Aussicht.  Das lag sehr deutlich unter den Analystenerwartungen von 38,6 Milliarden Dollar. 

Noch beunruhigender: Die Gewinnmarge erodiert mit geschätzten 36 bis 37 Prozent noch schneller als von der Wall Street erwartet. Die Analystenschätzungen lagen bei 38,6 Prozent. Das wird wie in diesem Quartal weiteren Druck auf die Gewinnentwicklung legen, zumal die Gewinnmarge im Vorjahresquartal noch bei 42,8 Prozent gelegen hatte.

Aktienrückkaufprogramm um 50 Milliarden Dollar ausgeweitet

Um Aktionäre bei Laune zu halten, kündigte Apple-CEO Tim Cook an, von den Barreserven bis zu 100 Milliarden Dollar für Aktienrückkäufe und eine Dividendenzahlung einzusetzen. Das entsprach mehr als einer  Verdopplung der eingesetzten Kapitalmittel. Das Aktienrückkaufprogramm wurde von 10 auf 60 Milliarden Dollar aufgestockt und die Quartalsdividende von 2,65 auf 3,05 Dollar je Aktie angehoben – ein 15-prozentiger Anstieg.

Anleger reagierten zunächst erfreut auf das besser als erwartete Quartalsergebnis und die Ankündigung zur Verwendung der immensen Barmittel. Die Apple-Aktie zog nachbörslich bei Vorlage der Quartalsbilanz in der Spitze um sechs Prozent auf 430 Dollar an. 

Dann jedoch wiederholte sich ein altbekanntes Muster: Tim Cook trat in der Telefonkonferenz vor Analysten – und Anleger drückten reflexartig auf den Verkaufsknopf. Alle Zugewinne des nachbörslichen Handels von in der Spitze 24 Dollar gingen binnen der einstündigen Telefonkonferenz wieder verloren. Bei 403 Dollar notiert die Apple-Aktie nachbörslich sogar im Minus.

Zeitenwende: Das Wachstum ist zu Ende

Auf den ersten Blick sieht der erneute Kursrutsch im nachbörslichen Handel wie perfide Wall Street-Logik aus: Kann man Anlegern denn gar nichts recht machen? Auf den zweiten Blick kamen jedoch mit der Analystenkonferenz reflexartig die Sorgen der vergangenen Monate wieder hoch: Apples Gewinnwachstum ist zu Ende. 

Der 18-prozentige Gewinnrückgang in diesen Quartal, der weitgehend erwartet und eingepreist war, ist alles andere als eine Ausnahme. Der freie Fall beschleunigt sich im laufenden Quartal gar noch mal, denn nach Apples eigenen Schätzungen könnte nun sogar das Umsatzwachstum rückläufig werden: Lag es im Juli-Quartal 2012 noch bei 35 Milliarden Dollar, hat Apple nunmehr eine Umsatzspanne von 33,5 bis 35,5 Milliarden Dollar ausgegeben. Erlöse auf Vorjahresniveau sind also mutmaßlich der Bestcase.

Zu deutlich nachgebenden Gewinnen kommt es nun, da die Gewinnmarge schneller als erwartet wegbricht. Mehr als zwei Milliarden Dollar weniger verdiente Apple im zweiten Quartal im Vergleich zum Vorjahresjahrzeitraum. Kaum anders dürfte es im laufenden Quartal aussehen. Aus heutiger Sicht wird damit immer klarer, dass das Rekordjahr 2012 ein solches bleiben dürfte: ein epochaler Gipfel

Neue Produkte erst im Herbst

Um den Abwärtstrend in der Geschäftsentwicklung zu stoppen, braucht Apple dringend ein neues Hit-Produkt. Doch im einstündigen Conference Call deutete Tim Cook nur an, man habe "großartige Dinge im Herbst und 2014" zu erwarten. Das nun war genau die falsche Botschaft für Aktionäre, denn es bedeutet vor allem eines: ein ganzes Jahr ohne Produktneuerungen! Mit einem neuen iPhone oder iPad dürfte damit nun nicht mehr vor September zu rechnen sein.

Dass Anleger nach den jüngsten Gerüchten über einen iPhone-Launch im Sommer enttäuscht reagierten, erscheint nachvollziehbar. Als Trostpflaster bekamen Aktionäre eine Anhebung der Dividende und mit dem gigantischen Aktienrückkaufprogramm die größte Stützungsmaßnahme in der Börsengeschichte präsentiert. Die Wirkung hielt gerade mal 20 Minuten: Dann sprach Tim Cook – und die Aktie kippte in ihren bekannten Modus zurück.

Dem Autor auf Twitter folgen: Mehr zu: AAPL | Apple-Aktie | iPad | iPhone | iPod | Tim Cook

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Bild von pat_c

" .. ein ganzes Jahr ohne Produktneuerungen .." Ich kann damit leben, und hoffe sogar sie bleiben dabei. Apple ist der Fels in der schaumreichen Brandung der New-Gadget-Launch Hysterie. Hmm, nochmal: ".. der Fels in der schaumreichen Brandung der New-Gadget-Launch Hysterie". Muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Ich finde der ist mir gut gelungen, fast schon ein kleines Stück Poesie.

Bild von Rosember

Eigentlich doch klug von Tim Cook, so wird der Aktienrückkauf billiger und er kann das Analytengenöle schneller beenden, um sich auf seinen eigentlichen Job kümmern zu können. :-)

Bild von Hayara

@pat_c
ja...muss ich dir zustimmen, sehr gut formuliert.

Bild von CMV

Gut, dass endlich die Bargeldreserven vernünftig eingesetzt werden.

Dann sind wir mal auf den Herbst gespannt, müsste ja einiges kommen.

Bild von macumlife

Wenn man sieht wie viele andere Firmen aus dem gleichen und aus anderen Bereichen am Hungertuch nagen kann man den Analysten ein gewaltiges Reality-Distortion-Field diagnostizieren.

Bild von HarryHirsch

Herr Jacobsen!

Haben sie etwas gegen Herrn Cook? Ich finde er lenkt Apple sehr umsichtig. Keine Versprechungen oder Ankündigungen wie bei Börsennotierten Unternehmen sonst üblich.

Gewinnmitnahmen durch Börsenzocker ihm anzulasten ist für mein Empfinden schon arg daneben.

Schauen/Warten wir mal auf die neuen Produkte. Und natürlich auf einen Kommentar von Ihnen.

Bild von Maxima

Das sehe ich ebenso. Immer ruhig Blut. Ich halte das Unternehmen für sehr gesund.

Bild von iGadget-News

Die Überschrift widerspricht dem Artikelinhalt.

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