gut (4.5)
Mac OS X 10.5, Core-2-Duo-CPU mit 2GHz, 6GB HDD, 1GB RAM, Grafikkarte mit 128MB
USK: ab 16 JahreQuake Wars ist ein geselliger Mehrspieler-Shooter. Wer „offline“ spielen will, dem bleibt hingegen nur eine Art Training gegen KI gesteuerte Bots. Deshalb vorweg als Warnung: An Quake Wars findet nur der Gefallen, der sich zum Spielen auf die Server im Internet traut – oder aber im lokalen Netzwerk gegen Freunde spielen will. Der „Einzelspieler“-Modus wird nämlich, sieht man von den gelungenen Tutorials ab, recht schnell langweilig.
Geschichtsstunde
Ein Online-Shooter verzichtet in aller Regel auf eine Hintergrund-Geschichte. Auch Quake Wars bildet hier keine Ausnahme. Klar ist nur, dass die bösartigen außerirdischen Strogg die Erde überfallen haben und überall auf dem Planeten Schlachten um das Schicksal der Menschheit ausgetragen werden müssen. Jeder der zwölf Karten erzählt hierbei einen kleinen Teil der Geschichte.
Wesentliches Element des Spielablaufs sind die verschiedenen Soldaten-Klassen. Vorab eines Gefechts wählen Sie Ihre Seite: Entweder kämpfen Sie in den Reihen der Global Defence Force (GDF) der Menschheit oder Sie schlüpfen in die Rolle eines der Strogg-Aliens. Jede der beiden Fraktionen bietet hierbei je fünf ihr eigene Klassen, die ganz unterschiedliche Fähigkeiten besitzen.
Das ist auch aus anderen Team-Shootern bekannt und funktioniert soweit ganz gut. Im Verlauf des eigentlichen Spiels gründet man Basen, baut Verteidungsvorrichtungen auf und stellt eine Radarüberwachung auf die Beine. Vorauskommandos zerstören Hindernisse im Feindesland und bereiten den Boden für nachfolgende Bautrupps vor. Durch all diese Ziele werden die teilnehmenden Spieler durch ein Missionssystem gelenkt. Über dieses System erhält man klar definierte Ziele zugeteilt und weiß nicht zuletzt dank Wegpunkten, wo gerade etwas zu tun ist. Für das Erreichen bestimmter Ziele werden dem Spieler zudem Erfahrungspunkte gewährt und so erarbeitet man sich so nach und nach neue Fähigkeiten für das eigene Team.
Richtige Schlachtfeld-Stimmung kommt durch die zahlreichen Fahrzeuge auf. Ob „herkömmliche“ Fortbewegungsmittel wie etwa Quads, Panzer, Helikopter oder Exotisches vom Schlage eines Antigravitaionsschiff: Durch die einfach zu handhabende Steuerung können auch Anfänger die Fahrzeuge unkompliziert einsetzen.
Einer für alle, alle für einen?
Die Entwickler von ET:QW haben realisiert, dass viele Spieler die eher simplen Deathmatch- und Flaggen-Spielmodi aus Titeln wie etwa Unreal Tournament 2004 satthaben. In Quake Wars wird der Spieler daher als Teil eines Teams für das Erfüllen von Missionen mit Punkten belohnt. Dabei stellen die Aufgaben im Spiel aber auch hohe Ansprüche an das Niveau des Teamworks: Wer seiner Rolle nicht gerecht wird und aus der Reihe tanzt, gefährdet den Erfolg des eigenen Teams auf dem Schlachtfeld. Hier spielen zwei nicht unwichtige Punkte eine Rolle: Zum einen die Sprachbarriere (ein Großteil der Server ist mit Englisch sprechenden Spielern bevölkert), zum anderen das Phänomen der „einsamen Wölfe“: Nicht jeder Spieler kann und will sich in einem Team unterordnen. Die Qualität der Spielerfahrung ist somit unmittelbar vom Zirkel der Mitspieler abhängig: Einige wenige Querulanten auf der Jagd nach möglichst vielen Erfahrungspunkten können den Sieg der eigenen Fraktion gefährden.
Mac Wars!
Während der in die Jahre gekommene Vorgänger auf die Quake-3-Engine setzt, basiert Quake Wars auf einer verbesserten Version des ebenfalls in die Jahre gekommenen Doom-3-Grafikunterbaus. Insbesondere die Darstellung von Außenarealen profitiert vom Einsatz der auf „MegaTexture“ getauften Technologie, welche der angestaubten Doom-3-Engine zu neuem Glanz verhilft. Ganz im Gegensatz zu Doom 3 beschränkt sich das Spielgeschehen in ET:QW nicht auf düstere Innenlevels, sondern auf ausladende Areale in der Außenwelt - ganz so wie im direkten Konkurrenten Battlefield 2142. Die Mac-Umsetzung ist im großen Ganzen gelungen. Selbst unser Testsystem, ein MacBook Pro der ersten Generation (das die minimalen Systemvoraussetzungen ganz knapp nicht erfüllt), konnte den Titel mit kleinen Kompromissen in Bezug auf die Auflösung und Detail-Einstellungen flüssig auf den Bildschirm bringen. Abzüge in der B-Note gibt es für die Tatsache, dass als Kopierschutz die DVD im Laufwerk liegen bleiben muss: Bei Spielen, die von ihrem über eine Seriennummer geschützten Online-Mehrspielermodus leben, ist das eine unbequeme Last für die Spielerschaft.
Dass Quake Wars als „Intel-only“-Anwendung selbst die Besitzer leistungsstarker PowerPC-Maschinen ausschließt, ist angesichts der hohen Qualität der Portierung sehr schade. Sicherlich hätte auch der ein oder andere G5-Rechner genügend Power für dieses Spiel unter der sprichwörtlichen Haube gehabt. Notiz am Rande: Die in Deutschland vertriebene Version ist inhaltsgleich zum US-amerikanischen Spiel. Inkompatibilitäten zwischen den Spielversionen, wie zuletzt etwa bei Quake IV, sind deshalb nicht zu befürchten. Software und Handbuch sind natürlich trotzdem lokalisiert.
Fazit
Enemy Territory: Quake Wars macht vieles richtig. Erfrischend sind der Fokus auf dem Zusammenspiel der verschiedenen Klassen und das Missions-Korsett. Während man in anderen Ego-Shootern oft als Eigenbrötler unterwegs ist, zählt in Quake Wars echtes Teamwork. Und genau das ist die Krux: Auch die Mitspieler müssen sich dem größeren Ziel, dem Gewinn der Schlacht als Team, unterordnen. Das führt auf den Servern teils zu chaotischen Zuständen, dem das Missions-System nicht immer Abhilfe schaffen kann.
Technisch kann Quake Wars überzeugen. Die Grafik ist schick, die Soundkulisse vermittelt das Gefühl, dass man „mittendrin statt nur dabei“ ist. Quake Wars spielt sich definitiv anders als ein Titel aus der Call-of-Duty- oder Unreal-Tournament-Serie. Wer also etwas Neues wagen will und das Engagement in einem Clan nicht scheut, wird nicht enttäuscht werden. Wer hingegen auf der Suche nach Altbekanntem ist, sollte vor dem Kauf lieber ein Probespiel wagen und – so er seinen Mac nicht mit jedem Shooter füttern mag oder kann – auf einen der beiden Mitbewerber CoD4 oder UT3 warten.
Stefan Molz
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