gut (4.5)
1,83 GHz Intel Core Duo, ATI- oder NVIDIA-Grafikkarte mit 128 MB Speicher, Mac OS X 10.4.8, 512 MB RAM, 5,5 GB freier Festplattenspeicher, DVD-Laufwerk
USK: ab 12 JahreX3: Reunion hat eine eigenartige Geschichte hinter sich: Ursprünglich war für den Vorgänger eine Erweiterung angekündigt, die dann wohl im Verlauf der Entwicklung ein Eigenleben entwickelt hat und am Ende komplett eingestampft wurde. Stattdessen floss die bis dahin geleistete Arbeit in eine Runderneuerung des Spiels, die jetzt als X3 ein neues Kapitel im X–Universum aufschlägt.
Vertraute Umgebung
Der Entwicklungsursprung als Erweiterung zeigt sich aber noch im Spielverlauf, denn bahnbrechende spielerische Neuerungen fehlen, im Grunde ist alles beim Alten. Auch in X3 schlüpft man wieder in die Rolle eines hoffnungsvollen Raumpiloten und bereist den Weltraum. Wieder sind keine Wege vorgegeben, es stehen einem alle Möglichkeiten offen. Die große Stärke der X–Serie war und ist das gigantische Universum, in dem sich der Spieler frei bewegen kann. Auch X3 macht hiervon keine Ausnahme, das X–Universum lädt wieder zum Erforschen ein. Dabei reagiert es auch wieder realistisch auf Ereignisse im Spiel und Handlungen des Spielers und erzeugt dadurch diese variable, dynamische Umgebung, die so charakteristisch für die X–Reihe ist.
Ob man sich nun als Händler, Söldner oder gar Pirat betätigt, bleibt einem daher selbst überlassen, die Möglichkeiten gerade im späteren Spiel sind schier endlos und wurden für X3 sogar noch einmal um weitere Schiffstypen und andere Optionen ergänzt. Auch die Möglichkeit, später eigene Raumstationen oder ganze Flotten zu kommandieren sind wieder vorhanden, bis man auch nur an der Oberfläche aller Alternativen gekratzt hat, können Wochen vergehen.
Die Geschichte geht weiter
Die Handlung aus X2 wird in X3 konsequent fortgesetzt, wieder dreht sich alles um Julian Brenner, dem Helden aus dem Vorgänger. Nachdem man endlich das Geheimnis um die eigene Herkunft gelöst und dabei noch die Galaxie vor bösen Aliens gerettet hat, geht es turbulent weiter: Während sich nämlich unter mysteriösen Umständen ein neuer Feind am Horizont abzeichnet und weitere Rätsel gelöst werden müssen, liegt der eigene Vater im Koma …
Auch diesmal ist die Story eigentlich eher schmückendes Beiwerk und kann zwar durchaus motivieren, ist aber immer noch nicht so richtig ins Spiel integriert. Wieder fehlt ein richtiger roter Faden und wer die Storymissionen ignoriert, verpasst im Prinzip nichts Wesentliches. Wenigstens macht der Entwickler diesmal auch keinen Hehl daraus und bietet von vornherein einige Spieloptionen ganz ohne Handlung an.
Menüs, Menüs
Die Steuerung bleibt in X3 ein Schwachpunkt, ist allerdings merklich verbessert worden. Die neue Maussteuerung macht viele Handlungen deutlich einfacher, vor allem Kämpfe sind dadurch jetzt besser handhabbar geworden, was ein großes Manko des Vorgängers war. Die neue Menüstruktur ist zwar so umfangreich wie eh und je, ist aber aufgeräumter und übersichtlicher und wirkt nicht mehr so dröge. Man sollte sich aber keinen Illusionen hingeben: X3 bietet dem Spieler immer noch eine Vielzahl an Funktionen an, die sich nicht einfach beherrschen lassen. Die Tastaturbefehle sind schon traditionell enorm zahlreich und belegen den Grossteil der verfügbaren Tasten.
Hilfen und ähnliches gibt es nicht, ein Tutorial wurde schon immer schmerzlich vermisst. Auch die KI ist nicht unbedingt cleverer geworden, es hat sich also nicht alles zum Guten hin verbessert. X3 behält also seine Achillesferse: Der gewaltige Umfang bringt eine gerade am Anfang nur sehr schwer kontrollierbare Komplexität mit sich, die auch der neue Teil nicht wesentlich verbessern kann. Immer noch greift einem das Spiel kaum unter die Arme, wer also nicht schon ein gestandener X–Veteran ist, hat einen längeren Lern– und Leidensweg vor sich.
Schwarzer, detaillierter Weltraum
Die augenfälligste Neuerung ist auch die umwälzendste: War schon X2 für damalige Verhältnisse eine Augenweide, haben sich die Macher diesmal wieder selbst übertroffen. Durch massiven Einsatz moderner Shader–Technologie sieht X3 unverschämt gut aus. Die grafische Pracht zeigt sich vor allem in wahnsinnig detaillierten Raumschiffmodellen, die schöner als jemals zuvor sind. Auch die tolle Umgebung mit realistischen Planeten, Sternennebeln und anderen Weltraumobjekten ist absolut sehenswert. Ein besonderer Leckerbissen sind Raumstationen, die mit ausgefallenen Konstruktionen und teilweise gigantischen Ausmaßen glänzen können. Beim Sound hat sich dagegen nicht viel getan, vieles wurde einfach vom Vorgänger recycelt und die neuen Effekte wirken auch uninspiriert, hier wären mehr Neuerungen schön gewesen.
Hardwarehunger
Die spektakuläre Grafik hat natürlich einen Preis: Wie auch schon der Vorgänger stellt X3 wieder Systemanforderungen jenseits von Gut und Böse, diesmal ist das Problem sogar noch schlimmer geworden. Durch die Benutzung der Cider–Technologie läuft X3 nur auf Intel–Macs, aber auch hier zeigt sich das Spiel wählerisch. Da eine dedizierte Grafikkarte mit entsprechender Shader–Unterstützung nötig ist, erfüllen momentan nur iMacs und Apples Pro–Linien überhaupt die Minimalanforderungen, was dem Spielspaß eine gehörige Bremse verpasst. Wenigstens ist das kein Problem der Portierung, auch die Windows–Version zeichnet sich durch Ressourcenhunger aus.
Kommentar
Ein neuer X–Titel, ein alter Bekannter: Auch X3: Reunion erfindet sich nicht grundsätzlich neu, sondern bleibt den Wurzeln seiner Vorgänger treu. Erneut handelt es sich eigentlich um einen gewaltigen Weltraum–Simulator von kolossalem Umfang, der zur freien Erforschung geradezu auffordert. Das alte Spielprinzip von Erforschen, Handeln und Kämpfen ist gleichgeblieben und auch sonst hat sich nur wenig Grundsätzliches geändert. Die Bedienung ist überarbeitet und tatsächlich besser geworden, ansonsten gibt es viele kleinere Ergänzungen und Verbesserungen im Detail.
Komplett neu ist dagegen die Grafikengine und meine Güte, was für ein Unterschied. Schon X2 sah gut aus, aber X3 zeigt eindrucksvoll, was mit moderner Grafiktechnologie alles möglich ist. Der Weltraum und vor allem die Raumschiffe sehen unglaublich gut aus, die Shadereinheiten der Grafikkarte leisten bei diesem Spiel Überstunden.
Die alten Probleme aber bleiben: Trotz Überarbeitung ist die Bedienung immer noch höchst komplex, die Einarbeitungszeit ist immer noch viel zu hoch, Tutorials und Hilfen für Anfänger sind weiterhin Fehlanzeige. Die Story ist wieder einmal nett, aber im Endeffekt wieder zu bedeutungslos, der Einstieg bedeutet also wieder einmal mühselige Fleißarbeit. Die extrem schöne Grafik bedingt leider auch extrem harte Hardwareanforderungen, wobei Apple hier mit seiner nur eingeschränkt spieltauglichen Modellpalette für zusätzlichen Frust sorgt.
Es bleibt also alles beim Alten: Anfänger werden weiterhin allein gelassen und haben einen mühsamen Weg in den Weltraum vor sich, Fans werden sich dagegen sofort zu Hause fühlen und haben wieder ein ganzes Universum zu entdecken, sollten aber einen richtig dicken Mac zu Hause stehen haben.
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