gut (5.0)
Mac OS X 10.2.8 oder höher, G4 mit 800 MHz, 256 MB RAM, Grafikkarte mit 32 MB VRAM, 8-fach CD-ROM, 1,2G B auf der Festplatte
USK: ab 12 JahreNach wie vor zählt Neverwinter Nights zu den besten Mac-Rollenspielen. Nun sind die beiden offiziellen Erweiterungssets „Der Schatten von Undernzit“ und „Die Horden des Unterreichs“ in deutscher Sprache erhältlich – endlich!
Respektable fünf Wertungspunkte ergatterte Biowares erstes 3D-Rollenspiel in Mac Life 03/2004. Nicht nur optisch hatte uns der Titel aufgrund hübscher 3D-Grafik und den wunderschön inszenierten Zaubersprüchen gefallen, auch die fein ausgearbeitete Hintergrundgeschichte und die imposante Quest-Anzahl waren mit ein Grund, warum wir eine klare Kaufempfehlung aussprachen. Doch fiel auch ein Schatten auf die Welt von Niewinter. Anstelle von echtem Party-Management wurde der Spielfigur nur ein einsamer Mitstreiter zur Seite gestellt, auf dessen Inventar man keinen Zugriff hatte. Wird dieser Missstand durch die beiden kostenpflichtigen AddOns behoben?
Der Schatten von Undernzit
Eine rund 20 Spielstunden dauernde Singleplayer-Kampagne ist das Herzstück der ersten Erweiterung. Überraschenderweise hat die Geschichte nichts mit dem Hauptplot aus Neverwinter Nights gemein, vielmehr ist ein neuer Held in den Forgotten Realms unterwegs. In den frostigen Gebieten der Silbermarken hat der griesgrämige Zwerg Drogan eine Abenteuerschule eröffnet. Als einer seiner Schüler sammelt unser Held erste Erfahrungspunkte. Kurz vor der Abschlussprüfung überschlagen sich jedoch die Ereignisse, als Unbekannte die Einrichtung überfallen, den Meister vergiften und vier mächtige Artefakte stehlen. Nun wird dem Musterlehrling die Ehre zuteil, das Diebesgut zurückzubringen und ein Gegenmittel zu finden.
Witziges Duett
Mit einem von zwei möglichen Mitstreitern gilt es die unwirtlichen Gebiete der Silbermarken zu durchqueren. Hier stolpert man auch gleich über die erste entscheidende Verbesserung: unserem Kampfgefährten haben die Entwickler nun endlich das so schmerzlich vermisste Inventar spendiert. Das Ausrüsten funktioniert exakt wie beim eigenen Charakter, wodurch die Gruppenzugehörigkeit deutlich besser wirkt. Mehr als einen Begleiter gönnte man unserem Helden jedoch nicht, weshalb auf die aus Baldur’s Gate 2 bekannten herrlichen Zankereien zwischen den Partymitgliedern verzichtet werden muss. Trotzdem enthalten die Dialoge viel Wortwitz, denn die drei neuen Gefährten Dorna Fallenspringer (Zwergen-Diebin), Xanos Messarmos (Halbork-Hexenmeister) und Deekin Schuppensänger (Kobold-Barde) wurden fein ausgearbeitet und tragen ihren Teil zur atmosphärisch gestalteten Spielwelt bei.
Weitere Neuerungen beinhalten drei zusätzliche Fertigkeiten, diverse neue Zauber und die für ein AddOn obligatorischen neuen Waffen und Geländetypen. Außerdem gibt es jetzt fünf Prestigeklassen – Charakterklassen, die einige einmalige Fähigkeiten erlernen können, dafür aber bestimmte Voraussetzungen erfüllen müssen. Zu diesen neuen Überkriegern zählen der Finstere Streiter, Arkaner Bogenschütze, Schattentänzer, Harfner-Kundschafter und Assassine.
Zurück auf Stufe 1
Bei „Der Schatten von Undernzit“ handelt es sich um eine routinierte Erweiterung, die Fans des Hauptprogramms nicht enttäuschen wird. Auch hier entwickelt sich die Story erst spät, läuft im heißen Sand von Anauroch jedoch zur Höchstform auf. Zwischendurch warten abwechslungsreiche Quests und tolles Leveldesign nach bewährtem Bioware-Rezept auf die Heroen, die zusammen mit der nach wie vor guten Grafik für wunderbare Fantasy-Stimmung sorgen. Warum die Geschichte aus Neverwinter Nights jedoch nicht fortgesetzt wurde, bleibt hingegen ein gut gehütetes Geheimnis der Designer. Der Vorteil: auch Einsteiger können ohne Vorkenntnisse sofort loslegen, müssen aber im Besitz des Hauptprogramms sein, um die Abenteuer von Drogans Schüler miterleben zu können.
Die Horden des Unterreichs
Das ebenfalls vom bislang unbekannten Team Floodgate Entertainment entwickelte zweite AddOn zu Neverwinter Nights beginnt da, wo „Der Schatten von Undernzit“ aufhörte. Ein gestählter Held kehrt in seine Heimatstadt Tiefwasser zurück, doch wird ihm keine Ruhepause gegönnt. Unterhalb der wohl bekanntesten Stadt des „Dungeons & Dragons“-Universums existiert ein gigantisches Gewölbe (erinnert sich noch jemand an die „Eye of the Beholder“-Reihe?), das mit gefährlichen Fallen gespickt ist und zugleich einen Verbindungstunnel zu den in der Unterwelt hausenden Dunkelelfen darstellt. Diese haben mit den tückischen Drow einen Pakt geschlossen und nutzen den Weg durch dieses Verlies, um in Tiefwasser einzufallen. Wer darf das Schlamassel ausbaden? Klar, unser Held, der dieses Mal nicht als Greenhorn ins Rennen geschickt wird, sondern entweder aus dem Vorgänger importiert werden kann oder als hochgezüchteter Level-15-Charakter loslegt.
Äußerst anspruchsvoll
Bis auf Stufe 40 darf dieser klettern, wodurch sich bereits zeigt, dass es massig Erfahrungspunkte zu sammeln gibt. Viele der gegnerischen Hordenkrieger wischen mit unerfahrenen und blindlings drauflos stürmenden Helden in Nullkommanix den Boden auf. Ohne taktisch versiertes Vorgehen, der richtigen Waffenwahl und den passenden Schutzzaubern, behalten die Horden meist die Oberhand – und das, obwohl ab sofort mit einer vergrößerten Party ins Gefecht gezogen werden darf, denn das Heldenduo wird fortan von einem dritten Gefährten begleitet. Damit steigt auch die Interaktion unter den Party-Mitgliedern, die nun fröhlich plaudern und Entscheidungen kommentieren.
Auch grafisch hat sich etwas getan, denn viele Schauplätze wirken deutlich aufgehübscht, bieten einen faszinierenden Anblick, können ihren kantigen Designstil aber nach wie vor nicht verbergen. Zudem steht eine zusätzliche Perspektive zur Wahl, bei der die Kamera in Schulterhöhe hinter der Heldengruppe platziert ist, was der Übersicht weniger dienlich ist. Interessanter sind da schon die neuen Talente, insbesondere die Möglichkeit als Waffen- oder Rüstungsschmied zu arbeiten. Damit lassen sich Änderungen in Farbe und Form an bereits bestehenden Rüstungen vornehmen, bzw. mithilfe bestimmter Materialien eigene Panzer und Waffen herstellen. Zudem gibt es nun mächtige Zauberschmiede, die Waffen magisch aufwerten oder um zusätzliche Fähigkeiten erweitern.
Berufliche Vielfalt
Wer die Wahl hat, hat die Qual. Auch „Die Horden des Unterreichs“ bieten sechs neue Prestige-Klassen, die den Wiederspielwert enorm erhöhen. Je nach gewähltem Beruf kann sich der Held mächtige Spezialfähigkeiten zunutze machen und damit gehörig unter den bösen Schergen aufräumen. Zur Auswahl stehen dabei Jünger des Roten Drachens, Bleichen Meisters, Waffenmeisters, Zwergischen Verteidigers, Wahren Wandlers und Vorkämpfers des Torm. Welchen Beruf der Held ergreifen kann, hängt natürlich auch mit der zu Spielbeginn vollzogenen Wahl der Charakterklasse zusammen.
Was das Designteam bei Rätseldichte und Storyführung versäumt hat, gleicht die Horde aufgrund der hochkomplexen Kämpfe und zusätzlichen Charakterfähigkeiten wieder aus. Unerfahrene Abenteuer dürften beim Spaziergang ins Unterreich jedoch deutlich überfordert sein.
Jürgen Beck
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