LERNEN SIE, FREI ZU SPRECHEN!

Das iPhone-Kit von Mercedes Benz im Test

iPod & more 06.2009 - von Flavio Trillo
iPhone-Kit
Bewertung:
sehr gut (5.5)
Preis: 249.- Euro (ohne Anschlusskabel)
Hersteller: Daimler Benz
einfache Bedienung
optimale Integration
keine sichtbaren Zusatzteile im Fahrzeug
Qualität nimmt bei hohen Geschwindigkeiten ab

Im Auto ist freies Sprechen Pflicht. Ob per Ohrhörer oder fest installierter Anlage ist dem Ordnungshüter egal, solange das Mobiltelefon nicht direkt am Kopf festgehalten werden muss. iPod & more hat daher für Sie eine Freisprechanlage von Daimler Benz getestet, die speziell für Mercedes-Fahrzeuge entwickelt wurde.

Das stetig wachsende Verkehrsaufkommen verlangt Fahrerin und Fahrer jedes Quentchen Aufmerksamkeit ab. Während sich Ablenkungen durch Senderwechsel am Autoradio und Rauchen oder Essen am Steuer der Kontrolle des Gesetzgebers noch weitgehend entziehen, kann das Telefonieren mit dem Mobiltelefon während der Fahrt ohne Freisprechanlage empfi ndlich teuer werden. Aus diesem Grund ist es ratsam, eine der vielen Möglichkeiten zu nutzen, das iPhone in das Armaturenbrett zu integrieren. Mercedes Benz bietet hierfür ein eigens entwickeltes iPhone–Integrations– Kit an, das speziell auf das 3G–Modell zugeschnitten ist und dem Fahrer die volle Kontrolle über sein Apple–Mobiltelefon verschafft. Dabei können viele Funktionen bedient werden, ganz ohne den Blick von der Straße wenden zu müssen.

Steuer–Prüfung

Das Zubehörteil ermöglicht die Steuerung sowohl der iPod–Funktionen als auch den Zugriff auf Kontakte und Anrufdaten über die Navigations– und Audio–Hardware im Fahrzeug. Voraussetzung hierfür ist entweder die Sonderausstattung „Komforttelefonie“ oder das Mediainterface in Verbindung mit dem COMAND System und der Audio– 20–HiFi–Lösung. Simple Optionen wie Lautstärkeregelung und Titel–Navigation können dabei bequem über die Lenkrad–Tasten gesteuert werden. Auch das Annehmen und Ablehnen eingehender Anrufe sowie das sprachgesteuerte Wählen sind nur einen Daumendruck entfernt. So bleibt der Blick stets auf das gerichtet, was unmittelbar über die nähere Zukunft bestimmt, nämlich die Straße voraus. Für alle weiteren Aufgaben muss das Control–Center in der Mittelkonsole bemüht werden. Doch schon nach kurzer Zeit ist man an die Position der Menüeinträge gewöhnt und fi ndet stets treffsicher die richtige Schaltfläche.

Gesprächs–Kultur

Die Geräusche, die in den Innenräumen moderner Autos zu hören sind, werden schon lange von so genannten Sound–Designern hergestellt. Monatelang wird jedes Motoren–, Abroll– und Windgeräusch so lange bearbeitet und manipuliert, bis sich ein für die Fahrerin oder den Fahrer angenehmes KfZ–Konzert ergibt. Gleichzeitig wurde jedoch die Lautstärke derjenigen Geräusche, die vom Fahrzeug ins Innere dringen insgesamt gedrosselt, so dass selbst bei geschwind zurückgelegten Kilometern im Innenraum eine Unterhaltung möglich ist, ohne die Stimme erheben zu müssen.
Besonders interessant ist der Geräuschpegel im Fahrzeug bei Telefongesprächen über die Freisprechanlage. Die Tonqualität bei Mobiltelefon–Gesprächen lässt ohnehin schon einiges zu wünschen übrig. Hier muss die Hardware also Nebengeräusche so gut wie nur möglich herausfi ltern. Gleichzeitig muss sie aber empfi ndlich genug sein, die Stimme der Person am Steuer deutlich aufzunehmen. Dem iPhone–Kit von Mercedes Benz gelingt dies bei den im innerstädtischen Bereich üblichen Geschwindigkeiten hervorragend. Die Klangqualität ist überzeugend, und auch Personen auf dem Beifahrersitz können sich problemlos ins Gespräch einschalten, ohne sich unnatürlich verrenken zu müssen.
Muss man allerdings jenseits der 100 Kilometer pro Stunde mit dem Chef oder der lieben Verwandtschaft telefonieren, beklagen sich die Gesprächspartner über blechernen Ton und störende Nebengeräusche. Diese stammen einerseits vom Wind, der gegen die Frontscheibe peitscht und andererseits von den Vibrationen, die im Fahrzeug entstehen. Diese wirken vom Motorraum fort bis hin zu dem kleinen, empfi ndlichen Mikrofon im inneren Rückspiegel.
Was die Gesprächsqualität angeht, ist das iPhone–Kit für den Alltagsgebrauch in der Stadt also mehr als tauglich. Wer dagegen hauptsächlich lange Strecken auf der Autobahn fährt, sollte darauf achten, wie sehr sich die Windgeräusche bemerkbar machen. Der für diesen Test verwendete geländegängige und wenig windschnittige Mercedes Benz GLK wäre hierfür sicherlich nicht die erste Wahl.

Kontakt–Aufnahme

Was ist ein Mobiltelefon ohne die gespeicherten Telefonnummern? Heutzutage hat schließlich kaum jemand noch Telefonnummern im Kopf. Wozu auch, wenn jedes Mobiltelefon genug Speicherkapazität für mehr als genug Bekanntschaften bietet. Zum Glück muss man auf diese Erinnerungsstütze auch im Auto nicht verzichten. Über die Bedienoberfl äche des Media-Interface können mit wenigen Klicks alle Kontakte aus dem Telefonbuch des Mobiltelefons importiert werden. Anschließend stehen die übertragenen Daten auch im Fahrzeug zur Verfügung. Aufgrund einer Einschränkung seitens Apple, die auch den Ingenieuren bei Daimler Benz auferlegt wurde, ist eine Änderung der Kontakt–Daten im iPhone oder eine Übertragung geänderter Daten zurück in das iPhone allerdings nicht möglich. Auch für das Lesen und Verfassen von Kurznachrichten muss das Gerät selbst in die Hand genommen werden. Dabei darf man aber nicht vergessen, dass die Entwickler auch die Sicherheit des Fahrers im Auge haben müssen. Wer während der Fahrt SMS schreibt, kann schließlich getrost als Gefahr für sich und alle anderen Verkehrsteilnehmer bezeichnet werden.

Ton–Probe

Doch wollen wir den iPod nicht vergessen, der bekanntlich in jedem iPhone schlummert. Das iPhone muss für die Musikwiedergabe, im Gegensatz zur Telefonie, mit dem Auto verbunden sein. Dafür schließt man es entweder über die Aufnahmeschale in der Mittelkonsole an, die auch gleichzeitig die Verbindung zur Fahrzeugantenne herstellt, oder über eine Kabelverbindung im Handschuhfach. Beide Varianten haben allerdings den Nachteil, dass das Gerät während der Fahrt nicht so einfach zugänglich ist. So können viele der nützlichen Apps, die für das iPhone erhältlich sind, nur schwer verwendet werden. Wer also etwa GPS–Tracking– Software nutzen möchte, muss dafür auf die direkte Verbindung und damit die Musikwiedergabe verzichten. Auch beim Anschluss über das Dock–Kabel im Handschuhfach ändert sich das nicht, da es zu kurz ist, um das iPhone im Sichtfeld des Fahrers anzubringen. Ein längeres Kabel ist zu diesem Zeitpunkt nicht erhältlich. Hier spielt jedoch vermutlich ebenfalls der Sicherheitsgedanke eine Rolle, denn das Ablenkungspotential durch das iPhone während der Fahrt ist natürlich äußerst hoch.
Nachdem man vollkommen unabgelenkt und sicher über die bequeme Navigation durch die gespeicherten Titel einen geeigneten Stau–Song gefunden hat, erfolgt die Wiedergabe über das Audio–System des Fahrzeugs. Die Qualität hängt dabei natürlich entscheidend von der gewählten Ausstattungsvariante ab, das im Testwagen verbaute System von Harman/Kardon ist in dieser Hinsicht aber über jeden Zweifel erhaben. Die im ganzen Fahrzeug verteilten Lautsprecher decken sogar die durch die Komprimierung bedingten Unsauberkeiten der MP3–Titel auf. Dass diese nicht vom System selbst herrühren, ließ sich ganz einfach durch einen Vergleich mit der verlustfreien Wiedergabe einer herkömmlichen Audio–CD ermitteln.
Praktisch ist, dass man in dem Display die bekannte Ordnerstruktur wieder erkennt. Man muss sich also nicht an eine neue Menü–Struktur gewöhnen, sondern fi ndet sofort die gewünschte Wiedergabeliste, das Album, den Interpreten oder das Genre.

Fazit

Wer viel im Auto unterwegs ist, wird auf eine fest verbaute Freisprechanlage nicht verzichten wollen. Sicherlich gibt es genügend Drittanbieter, die verschiedene Möglichkeiten der Integration für das iPhone und viele andere Mobiltelefon–Modelle produzieren. Wer allerdings über das entsprechende Auto verfügt, kann von der ungeteilten Aufmerksamkeit der Spezialisten bei Mercedes Benz für Telefonie und Fahrzeugtechnik profi tieren. Das iPhone–Kit aus Stuttgart ist perfekt in das Cockpit integriert und fügt sich elegant in die Bedienung des Audio– und Navigationssystems ein. Abgesehen von dem etwas blechernen Klang bei hohen Geschwindigkeiten ist auch an der Gesprächsqualität nichts auszusetzen. Die Aufnahmeschale inklusive Adapterkabel für die Verbindung zum MediaInterface ist beim Mercedes–Händler ihres Vertrauens für 288 Euro erhältlich, der Einbau ist in einer Fachwerkstatt innerhalb von etwa 90 Minuten erledigt. Dafür kann man sicher sein, dass kein einziges Telefongespräch mehr die Aufmerksamkeit vom Straßenverkehr ablenkt und die Lieblings–Titel auch unterwegs immer dabei sind.

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