INTENSIVTEST IPHONE 3GS

„S“ wie schnell?

Mac Life 08.2009 - von Stefan Molz
iPhone 3G S
Bewertung:
gut (5.0)
Preis: ab 1 Euro mit Vertrag
Webseite: www.apple.de
Hersteller: Apple
noch größerer Funktionsumfang
Kamera löst schneller aus, beherrscht Nahaufnahmen und bietet AF
absolut logische, effiziente und praxistaugliche Multitouch-Bedienung
Videoaufnahmefunktion mit stabilen 30 fps und guter Bildqualität
Software-Version 3.0 bringt viele Funktionen auch auf ältere Modelle
kein schneller Datenupload aufgrund fehlender HSUPA-Unterstützung
iPod-Sprachsteuerung mit Kinderkrankheiten

 Es ist inzwischen ein festes Ritual: Fast zeitgleich zum kalendarischen Sommeranfang steht eine neue iPhone- Generation in den Regalen. Wir haben das aktuelle iPhone 3G S getestet: Wie schnell ist das „schnellste iPhone aller Zeiten“ wirklich?

Im Jahr 2007 veröffentlichte Apple die erste Generation seines Multimedia-Handys. Trotz einiger Macken konnte das Apple-Smartphone die Mobilfunkwelt revolutionieren und entfachte nicht nur unter Technikliebhabern die Lust auf mehr. Im Sommer 2008 erfüllte Apple mit dem iPhone 3G viele Wünsche der Anwenderschaft. Damit wurde das Unternehmen einmal mehr der ihm zugesprochenen Eigenschaft als Impulsgeber im Bereich der Smartphones gerecht. Auch der aktuelle iPhone-Jahrgang 2009 in Form des iPhone 3G S hat viele Neuerungen zu bieten. Im Inneren verstecken sich neben einem neuen Prozessor und doppelt so viel RAM ein Magnetometer und mit bis zu 32 GB Flashspeicher die doppelte Menge an Speicherplatz für Apps, Musik, Fotos und Videos. Videos? Ja, denn auch das Kamera-Modul wurde überarbeitet und bietet nicht nur eine verbesserte Auflösung, sondern auch einen Autofokus, die Fähigkeit, Makroaufnahmen anzufertigen, und eine Funktion zur Aufnahme von Videoclips.

Rein äußerlich hat sich hingegen nichts geändert: Das Gehäuse besteht abermals größtenteils aus Plastik in gelungener Klavierlack-Optik, und noch immer umspielt ein chromierter Metallrahmen die Front. Die Abmessungen sind absolut identisch zum Vorgängermodell, lediglich in Bezug auf das Gewicht hat das neue iPhone um zu vernachlässigende zwei Gramm zugelegt. Trotzdem gibt es einige Details zu entdecken: Der Bildschirm ist mit einer neuen fettabweisenden Beschichtung versehen, welche die durch die Multitouch- Bedienung hervorgerufenen, unvermeidlichen „Fingerschmierer“ wirksam reduziert und bewirkt, dass diese mit einem ganz normalen Stück Stoff, egal ob Hemdsärmel oder Jeans, abgewischt werden können. Auch die Gehäuserückseite wurde leicht überarbeitet: Die Schrift ist nun silbern und besser lesbar, eine neue Veredelung verhilft dem Gerät zudem zu einer erhöhten Resistenz gegen Kratzer.

Der elektronische Kompass Bereits das iPhone 3G kann seinen Standort anhand eines integrierten GPS-Empfängers bestimmen. Das Problem: Die Bestimmung der Richtung, in die das iPhone ausgerichtet ist, lässt sich wie bei günstigen Stand-alone-GPS-Empfängern nur dann erfassen und ausgeben, wenn man sich mit dem Gerät in Bewegung befindet. Der neue elektronische Kompass des iPhone 3G S liefert diese Information aus dem Stand heraus – das ist insbesondere bei Naviund Geocaching-Anwendungen ein willkommener Zugewinn. Einen Vorgeschmack liefert eine erweiterte Version der vorinstallierten Karten-Anwendung: Auf Wunsch dreht sich die Karte automatisch mit der Ausrichtung des iPhone und das sowohl bei waagerechter als auch senkrechter Lage des Geräts.Auch die GPS-Fähigkeiten haben sich verbessert: Wir haben nacheinander ein iPhone 3G und ein iPhone 3G S den aktuellen Standort unter erschwerten Bedingungen (Bewölkung, Parkanlage) über die Karten-Anwendung lokalisieren lassen: Das iPhone 3G S konnte bereits nach 8 Sekunden mit einer bis auf wenige Meter genauen Lokalisierung dienen, das iPhone 3G spuckte hingegen erst nach 40 Sekunden ein erstes Ergebnis aus, mit dem es zudem auch noch rund 100 Meter daneben lag.

Verbesserungen in Hard- und Software

So gut wie allen im Testbericht des iPhone 3G (siehe Mac Life 09.2008) genannten Mängeln konnte Apple seitens einer neuen Betriebssystem-Software beikommen: MMS, die Multimedia- Variante der guten alten SMS, wird durch das iPhone OS 3.0 ebenso unterstützt, wie auch die Bluetooth-Schnittstelle weiterhin Beachtung findet. Von vielen dieser Neuerungen profitieren auch die Besitzer der beiden Vorgängergenerationen: Details hierzu finden Sie ab Seite 58.

Darüber hinaus bietet das iPhone 3G S eine ganze Hand voll an exklusiven Funktionen, so wurde beispielsweise die oft kritisierte Akkuleistung deutlich verbessert: Im Telefonie- Betrieb über das UMTS-Netz hielt das Gerät bei unseren Tests mit 5:10 Stunden zwar in etwa gleichlang durch wie sein Vorgänger, aber beim testweisen ununterbrochenen Spielen von Peggle gingen beim iPhone 3G die Lichter ganze zwei Stunden früher aus.

Ebenfalls neu ist die Unterstützung von Nike+. Das Nike+- System verwandelt einen Satz Turnschuhe in ein Gerät zur Erfolgskontrolle für Laufsportler. Dazu greift es auf die Daten zurück, die ein spezieller Pedometer-Senderbaustein im Turnschuh ermittelt. Bisher war die hierzu benötigte Software dem iPod nano und dem iPod touch der zweiten Generation vorbehalten, nun ist diese auch auf dem iPhone 3G S verfügbar. Der Nike+-Sensor ist für rund 20 Euro im Handel erhältlich.

Kritik zu Herzen genommen

Aber auch bezüglich der Kritikpunkte am iPhone 3G hat das Unternehmen aus Cupertino reagiert: Die Bluetooth-Unterstützung wurde erweitert, der Versand und Empfang von MMS ermöglicht und die Akku-Laufzeit nicht überragend, aber dennoch deutlich verbessert.

Ein zweischneidiges Schwert ist hingegen die erhöhte Leistungsfähigkeit des Geräts: Die Unterstützung von OpenGL ES 2.0, der schnellere Prozessor, die verbesserte RAM-Ausstattung, die Videofunktionen und der elektronische Kompass sind Alleinstellungsmerkmale des neuen iPhone 3G S, die auch seitens der Anwendungsentwickler berücksichtigt werden wollen. Die Frage ist allerdings, ob die Software-Hersteller bei rund 40 Millionen im Umlauf befindlichen iPhone- und iPod-touch-Geräten der ersten und zweiten Hardware-Generation ihre Anwendungen zukünftig nicht lieber in Hinblick auf den „kleinsten gemeinsamen Nenner“ entwerfen. Potenzial für viele interessante Anwendungen ist aber vorhanden, und Apple hat mit der Integration der Kompass-Funktion in die Karten-Anwendung und dem leicht zu handhabenden Video-Editor gut vorgelegt.

Auch weiterhin nur exklusiv bei T-Mobile

Ein Reizthema ist die exklusive Bindung des iPhone an T-Mobile: Die Kritik muss allerdings relativiert werden, denn im Vergleich zu den Vorjahren hat das Unternehmen in Bezug auf die Vertragsvielfalt nachgebessert, sodass fast jeder Kunde ein ansprechendes Angebot finden kann. Ob der Bindung an nur einen einzigen Netzbetreiber bleibt dennoch der fade Beigeschmack fehlenden Wettbewerbs.

In der Summe können die mit dem iPhone 3G S eingeführten Neuerungen überzeugen: Die neue „S-Klasse“ ist tatsächlich das schnellste iPhone aller Zeiten, und für Erstkäufer oder Besitzer eines iPhone der ersten Generation ist das neue Apple-Handy eine echte Revolution – wer hingegen ein iPhone 3G besitzt, kann sich ob der eher evolutionären Neuerungen entspannt zurücklehnen: Apple scheint einen Upgrade-Turnus zu etablieren, der einen Umstieg auf eine neue Hardware- Generation alle 24 Monate sinnvoll werden lässt, passend zu einer in den meisten Fällen anstehenden Vertragsverlängerung. Dennoch darf man gespannt sein, mit welchen Funktionen sich Apple im kommenden Jahr einmal mehr selbst übertreffen will.

Fazit

Absolut lobenswert ist, dass Apple nicht sämtliche Neuerungen ausschließlich der neuen iPhone-Hardware vorbehält: Durch das kostenlos verfügbare Update auf das iPhone OS 3.0 können selbst Besitzer der ersten Hardware-Generation von vielen Erweiterungen und Vesserungen profitieren, etwa von Cut, Copy & Paste, der Suchfunktion Spotlight und der Widescreen-Tastatur. Ein solcher nachträglicher Zuwachs an Funktionen ist gerade im schnelllebigen Mobilfunkmarkt außergewöhnlich und hat großes Lob verdient.

Das schnellste iPhone aller Zeiten? Apple bewirbt das neue iPhone-Modell als äußerst leistungsstark. Was aber bedeutet „doppelt so schnell“ im Vergleich zum iPhone 3G in der Praxis? Tatsächlich fühlt sich das iPhone 3G S sehr viel flotter an als sein direkter Vorgänger: Websites laden ähnlich zackig wie am heimischen Mac, die Startzeiten von Apps und Ladepausen in Spielen sind merklich verkürzt. Der Grund hierfür liegt in der verbesserten Hardware in Form der neuen CPU-Komponente auf Basis der ARM-Cortex-A8-Plattform von Samsung, die mit 600 MHz getaktet ist. Der Arbeitsspeicher ist mit 256 MB RAM doppelt so groß wie der des iPhone 3G. Der zusätzliche RAM-Speicher kommt beispielsweise Safari zugute, das nun beim Wechseln zwischen Tabs sehr viel seltener in die Verlegenheit eines „Reloads“ kommt. Darüber hinaus ist die Grafikausgabe dank eines neuen Chip-Bausteins beschleunigt – dieses Potenzial könnte zukünftig beispielsweise für aufwändigere Spiele genutzt werden, kommt aber auch in aktuellen Titeln bereits zum Tragen: Die Bildwiederholraten sind höher und vor allem stabiler.Harte Fakten fernab technischer Eckdaten und subjektiver Eindrücke liefert unsere Tabelle: Wir haben das iPhone 3G gegen ein iPhone 3G S in ganz verschiedenen Disziplinen gegeneinander antreten lassen. Die Ergebnisse sprechen für sich: Die neue Hardware- Generation vermag den Geschwindigkeitsvorteil auch in der Praxis und fernab von Marketing-Worthülsen auszuspielen. 3-Megapixel-AF-Kamera und Video-Aufzeichnung Das iPhone 3G S verfügt über ein verbessertes Kameramodul. Zwar mag die Zunahme um nur ein Megapixel auf dem Papier lächerlich wirken, in der Praxis können die Bilder aber durchaus überzeugen – bei Tageslicht angefertigte Fotos sind selbst auf 10 x 15-Papierabzügen ansehnlich. In „low light“-Situationen darf man indes ob der miniaturisierten Optik und des kleinen Sensors keine Wunder erwarten. Das Rauschen tritt, wie bereits von den Vorgängern bekannt, in den Vordergrund.Ganz besonders interessant ist der neue Autofokus: Dank dieser Technik kann man die Schärfe auf bestimmte Bildausschitte fokussieren. Die Bedienung könnte einfacher nicht sein: Man muss lediglich den entsprechenden Bildbereich mit dem Finger berühren, um zu fokussieren. Apple nennt diese Funktion passend „tap to focus“. In traditionell schwierigen Lichtsituationen hat das iPhone 3G S aber Probleme mit dem Fokussieren. Positiv ist anzumerken, dass nun auch Nahaufnahmen möglich sind: In unseren Tests konnte die Kamera des iPhone 3G S ab etwa 10 cm Entfernung zum Motiv scharf abbilden, was einen ganze Reihe neuer Apps ermöglichen dürfte (beispielsweise Barcode- und Visitenkartenscanner). Zudem ist die Kamera-Anwendung schneller „schussbereit“ (drei Sekunden iPhone 3G gegen zwei Sekunden iPhone 3G S), die Auslöseverzögerung ist dagegen einen Tick geringer.Großes Lob verdient hingegen die Video-Funktion: Die Kamera liefert stabile 30 fps mit einer Auflösung von 640 x 480 Bildpunkten und Ton. Aufnahmen werden H.264-komprimiert innerhalb einer MOV-Containerdatei gespeichert und lassen sich via iTunes mit dem Computer synchronisieren – wahlweise können die Videoclips auch direkt auf den eigenen YouTube- oder MobileMe-Account übertragen oder via E-Mail oder MMS versandt werden: Eine vorgeschaltete und schnell arbeitende Komprimierung schrumpft die Datei vorab ein, um schnellere Uploads zu ermöglichen. Wer mag, kann zudem den Startund Endpunkt innerhalb einer Aufnahme verschieben. Sprachsteuerung „Voice Control“ erlaubt die Steuerung des iPhone 3G S über Sprachbefehle. Neben dem Start von Telefonaten lässt sich so auch der iPod steuern – eine sinnvolle Funktion, wenn das Gerät in der Tasche steckt und man „auf Zuruf“ eine neue Wiedergabeliste erstellen möchte. Zur Aktivierung der Sprachsteuerung drückt man entweder kurz die Home-Taste oder auf das Mittelstück Kabelfernbedienung im mitgelieferten Headset. Das Wählen von Rufnummern („Wähle 123456“) wird bei ziffernweiser Ansage einwandfrei umgesetzt – interessanter ist aber die Anwahl von Kontakten aus dem Adressbuch durch Namensnennung („Wähle Max Mustermann“). Mehrere Adressbucheinträge können weiter spezifiziert werden („Wähle Max Mustermann geschäftlich“). Jede Eingabe wird durch Sprachausgabe bestätigt.Die neue Spracherkennung arbeitete bei unseren Tests mit dem Adressbuch fehlerfrei – klare Aussprache und Hochdeutsch vorausgesetzt, denn Dialekte versteht Voice Control nicht. Probleme gab es bei der Steuerung der Musik: „Spiele Titel von The Prodigy“ wurde seitens des iPhone mit „Keine Treffer“ kommentiert. Den Wunsch nach eher ausgefallenen Bands interpretierte das Gerät mitunter als zu wählende Telefonnummer. Positiv ist, dass Voice Control nicht nur in den eigenen und eher ruhigen vier Wänden funktioniert, sondern auch im Zug, Auto oder der Fußgängerzone: Moderate Hintergrundgeräusche waren im Test kein Problem und die Anwahl von Telefonnummern via mündlicher Eingabe der Ziffern oder Namensnennung funktionierte verlässlich. An der iPod-Steuerung muss allerdings noch gearbeitet werden.

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