VLC MEDIA PLAYER

Es muss nicht immer iTunes sein

iPod & more 06.2008 - von klaeschen_red
VLC Media Player: Es muss nicht immer iTunes sein

Apples iTunes ist seit langer Zeit ein fester Bestandteil von Apples Betriebssystemen und des iLife-Softwarepakets. Aber auch andere Mütter haben schöne Töchter und so lohnt sich ein Blick auf die Medien-Anwendung VLC.

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Die systemübergreifende iTunes-Begeisterung ist verständlich, denn das Programm ist kostenlos und erlaubt nicht nur die Wiedergabe gängiger Musikformate, sondern auch die Verwaltung umfangreicher Musikbibliotheken. Auch die nahtlose Integration von Apples Medien-Portal iTunes Store, über den Anwender unter anderem Musiktitel und Klingeltöne kostenpfl ichtig laden können, sind Gründe für die ungebrochene Popularität von Apples Media-Software. Seitdem iTunes auch Videos abspielt, sind für den Windows Media Player, Microsofts kostenloses Konkurrenzprodukt, harte Zeiten angebrochen. Beide Programme weisen einen ähnlichen Funktionsumfang auf, aber vor allem die intuitive Bedienbarkeit und die hervorragende Integration des iPod bescheren iTunes Pluspunkte in diesem Duell der Medienspieler. Wie so häufi g gibt es bei jedem Streit einen lachenden Dritten. Im vorliegenden Fall hört dieser auf die Namen „VideoLAN Client“ beziehungsweise „VLC media player“.

VLC – Der lachende Dritte

Wie iTunes und der Windows Media Player ist auch der auf der Heft-CD befi ndliche VLC media Player (VLC) kostenlos. Es gibt, genau wie iTunes und der Windows Media Player, die bekannten Audio-Formate wieder. Sei es MP3, das durch den Windows Media Player verbreitete WMA-Format oder der von iTunes standardmäßig eingesetzte AAC-Codec – VLC verarbeitet fast jedes digitale Audioformat, das man ihm vorsetzt. Wie auch bei den Produkten von Apple und Microsoft ist Video- Wiedergabe mit VLC möglich. Ob QuickTime- Film oder WMV-Datei – ohne zu murren, gibt VLC wieder, was wiedergegeben werden soll. Im Gegensatz zu Media-Playern aus Redmond und Cupertino ist VLC jedoch auch in der Lage, eine schier endlos lange Liste mehr oder weniger exotischer Audio- und Video-Formate wiederzugeben. OGG, FLAC, Matroska und AAC mögen vielen Anwendern fremdartig erscheinen, VLC ist mit diesen Formaten bestens vertraut. Ebenfalls punkten kann VLC, wenn es um die Wiedergabe unkomprimierter Audio- und Videoformate geht. Die Windows-Betriebsysteme XP und Vista verfügen nicht über ein Programm, mit dem das Abspielen von DVDs möglich ist. Hier muss erst ein DVD-Decoder aus dem Internet geladen werden. Etwas komfortabler am Mac: Apple liefert bei Mac OS X die Software „DVD-Player“ mit, die die DVD-Wiedergabe ermöglicht. VLC hingegen nimmt Anwendern die Arbeit ab, da es von Haus aus auch DVDs abspielen kann. Gleiches gilt für die hierzulande weniger verbreiteten Formate VCD und SVCD, die im Gegensatz zu den DVD-Spezifi kationen eine deutlich geringere Qualität aufweisen, aber auch weniger Speicherplatz in Anspruch nehmen und meist auch von handelsüblichen DVD-Spielern gelesen werden können. Auch wenn es um die Darstellung von Untertiteln in Video-Dateien geht, lässt VLC die virtuellen Muskeln spielen. Neben den gängigen Formaten, wie VCD-, SVCD- und DVD-Untertiteln, gibt VLC auch Untertitel aus Text-Dateien in den Formaten MicroDVD, Sub- RIP, SubViewer, SSA1-5, SAMI und VPlayer wieder. Über Programmeinstellungen können nicht nur Farbe und Größe der Untertitel, sondern auch eine zeitliche Verschiebung eingestellt werden. Diese Option gibt es auch für die Audiospur einer Video-Datei. Die Tonspur kann schrittweise der Videospur angepasst werden, sollten diese asynchron sein.

Medien übers Netzwerk abspielen

Die Grenzen der eigenen Musik- und Videosammlung bestimmt bei vielen Anwendern nicht mehr die Größe der eingebauten Festplatte. Ob von der Netzwerk-Festplatte oder von einem entfernten Rechner im hauseigenen (W)LAN-Netzwerk, digitale Musik findet sich vielerorts. In der iPod&more Ausgabe 02/08 haben wir bereits gezeigt, dass es über kleinere Umwege möglich ist, mit iTunes und dem Windows Media Player Musik aus dem heimischen Netzwerk am eigenen Rechner wiederzugeben. Solche Trickserei ist bei VLC nicht nötig, denn das Programm unterstützt verschiedene Streaming-Protokolle. Daher kann es auch als Medien-Server eingesetzt werden, wenn man Musik oder Filme im heimischen Netzwerk oder im Internet zur Verfügung stellen möchte.

Installation

Das Aufspielen von VLC gestaltet sich unter Windows XP und Vista genauso unproblematisch wie unter Mac OS X. Nach einem Doppelklick auf die Installationsdatei im *.exebeziehungsweise im *.dmg-Format startet die Installation. Windows-Anwender bestätigen die Eingaben, Apple-Anwender ziehen die Anwendung einfach in den Programme- Ordner auf der Festplatte. Um eine Musikoder eine Videodatei mit VLC zu öffnen, muss diese mit der rechten Maustaste angeklickt werden. Windows-Anwender wählen im Kontextmenü unter dem Punkt „Öffnen mit...“ den VLC-Player aus. Dieses Vorgehen funktioniert analog auf dem Mac. Auch können Mediendateien oder ganze Ordner, die Mediendateien enthalten, mit gedrückter Maustaste auf das VLC-Programmsymbol gezogen werden. Schon startet die Medienwiedergabe. Die Benutzeroberfl äche von VLC glänzt durch Schlichtheit und sieht dem iTunes- Mini-Player zum Verwechseln ähnlich. Ein Equalizer zur manuellen Klanganpassung lässt sich ebenso zuschalten wie eine Wiedergabeliste. Die Wiedergabereihenfolge der ausgewählten Dateien kann mittels gedrückter Maustaste einfach umgestellt werden. Neben Titel- und Künstlername wird auch die Laufzeit der Mediendateien angezeigt.

Boni für Mac und Win

Für Mac-Anwender hält VLC einen kleinen Bonus bereit. Sie fi nden auf der Heft-CD ein kostenloses Widget für die Software. Das kleine Programm integriert sich in das Apple- Dashboard, das in Tiger und Leopard über die Taste F12 – F4 auf neueren Tastaturen – aufgerufen werden kann. Von hier sind einfache Grundfunktionen wie das Starten oder Stoppen der Wiedergabe, die Einstellung der Lautstärke inklusive Stummschaltung und das Vor- und Zurückspringen in der aktuellen Wiedergabeliste verfügbar. Aber auch Windows-Anwender kommen in den Genuss eines exklusiven Features: Die Windows-Version von VLC unterstützt die Einbindung von so genannten „skins“, mit denen sich das Aussehen des Programms von Grund auf ändern und verschönern lässt. Eine Auswahl verfügbarer Oberfl ächen fi nden Sie auf unserer Heft-CD.

Nachteil und Fazit

Neben all diesen Vorteilen hat der VLC media player aber auch einen Nachteil. Das Programm spielt keine kopiergeschützten Audio- und Videodateien ab. Für solche DRM-geschützten Dateien empfi ehlt sich nach wie vor die Wiedergabe über iTunes oder Windows Media Player, mit denen auch das Verwalten von iPods und anderen MP3- Spielern besser von der Hand geht. Daher ist VLC keine vollwertige Media-Player-Alternative, wohl aber eine sinnvolle Ergänzung, die uneingeschränkt empfohlen werden kann.

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