Wenn Apple bestellt, dann frühzeitig und in großen Mengen. Der Konkurrenz kann es dann schwer fallen, ihre Komponenten zu attraktiven Preisen zu bekommen. Das bekam auch Palm/HP zu spüren, wie The Verge in einem längeren Artikel über webOS enthüllt.
Als das Palm-Team den Pre 3 vorbereitete, soll es von HP ein besseres Display und die selbe Kamera wie die des iPhones gefordert haben. Doch als HP bei den Lieferanten anfragte, gab es eine Absage: Apple hatte bereits alle Produktionskapazitäten reserviert. HP hätte sich die Komponenten sicher können, aber nur, wenn Milliarden in den Bau neuer Fabriken investiert worden wären. Auch das spätere TouchPad litt daran, dass HP nicht zu den Investitionen bereit war, die nötig gewesen wären.
ANZEIGE
WWDC 2012: Ausführliche Berichterstattung auf maclife.de
Ausführlich und fundiert: Mac Life begleitet auch die diesjährige Apple-Entwicklerkonferenz WWDC mit einer ausführlichen Berichterstattung – beginnend mit dem Abschluss der Keynote finden Sie bei uns fundierte Berichte über alle Neuheiten des 11. Juni.Alle Infos zu den WWDC-Neuheiten und unsere gesammelte Vorberichterstattung sind unter www.maclife.de/thema/wwdc-2012 abrufbar.
Schon beim iPod gab es Beschwerden, Apple würde durch Großaufträge Konkurrenten von benötigten Komponenten abschneiden und so den Wettbewerb gefährden. Die Quellen von The Verge machen aber eher HP verantwortlich. Tatsächlich bestellt Apple nicht so viel, nur um die Lager zu füllen - die bestellten Komponenten werden auch tatsächlich verbaut und verkauft. Einen Teil der Bargeldreserven setzt Apple für langfristige Verträge mit Komponentenherstellern ein und erhält so Planungssicherheit.
HP kommt in dem Verge-Artikel schlecht weg. Der damalige CEO Mark Hurd hatte nicht die Unterstützung der Finanziers. Ein Drucker mit webOS war zwar fertiggestellt worden, aber das Gerät war nur eine Kombination aus Drucker und Smartphone und wäre dementsprechend teuer gewesen. Matias Duarte, der für die Benutzeroberfläche verantwortlich war, hatte bereits vor der Übernahme seinen Abschied vorbereitet.
Hurds Nachfolger Léo Apotheker wird als Katastrophe für Palm bezeichnet. Apotheker, ehemals bei SAP, wollte HP zu einem Service- und Softwareunternehmen umstrukturieren, ähnlich wie SAP und IBM. Von der Einstellung der webOS-Hardware soll selbst Palm-Chef Rubinstein und der Leiter der Personal Systems Group überrascht gewesen sein, sie waren nicht Teil der Planungen gewesen. Eine 7-Zoll-Version des TouchPads war nur zwei Tage vor Anlauf der Produktion gestoppt worden.
Interessant: Unter den Interessenten für webOS waren auch Google und Apple. Angeblich hatte sich Apple aber nur eingemischt, um den Kaufpreis für Google in die Höhe zu treiben. Letztlich begnügten sich beide Firmen damit, Entwickler abzuwerben. Angeblich sind mittlerweile ganze Abteilungen des webOS-Teams verwaist, selbst wenn HP wollte, sei webOS-Hardware praktisch unmöglich.
Nur wenige Firmen sind bereit, Milliarden in ein Produkt zu investieren, welches vielleicht erst in einigen Jahren Gewinne abwirft. Microsofts Investitionen in Windows Phone und Googles in Android sind beides Wetten auf die Zukunft, finanziert durch hohe Einnahmen in anderen Geschäftsfeldern. Die Kosten für HP wären sogar noch höher gewesen, schließlich sollte auch die Hardware selbst entwickelt werden. (via Golem)
Mehr zu: HP | Palm | Pre





Artikel kommentieren
Schade. Gerade mit (dem Ex-Apple-Mann) Rubinstein hatte ich große Hoffnungen auf Palm gesetzt. Zu schade, dass ausgerechnet einer der Vorreiter mobiler Devices jetzt praktisch endgültig stirbt. Wollte HP WebOS nicht zu OpenSource erklären?
Diskutieren Sie mit!
Damit Sie Artikel auf maclife.de kommentieren können, müssen Sie sich bitte einmalig registrieren – bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Die Moderation der Kommentare liegt allein bei maclife.de – kritische Kommentare und sachliche Diskussionen sind erwünscht, Beschimpfungen & Beleidigungen werden gelöscht. Bitte beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.