Zwei klappbare 7-Zoll-Touchscreens, mit stark modifiziertem Windows und digitaler Tinte vor allem für das Erschaffen von Inhalten per Finger und Stift optimiert - so hätte der Tablet-PC „Microsoft Courier“ von Xbox-Vater J. Allard ausgesehen. Jetzt wird klar, wieso das U-Boot-Projekt 2010 unterging.
ANZEIGE
Aus 18 Quellen zusammengetragen, erzählt ein Artikel bei Cnet eine Geschichte von Egos und Inhalten, die das Schicksal eines außergewöhnlichen Produkts aus dem Hause Microsoft ausleuchtet.
James Allard, der Design-Kundige
Für Microsoft, aber abgekapselt von dessen üblicher Forschungs- und Entwicklungs-Administration, leitete der Apple-Anwender, leidenschaftliche Mountainbiker und Vize-Präsident James Allard sowohl die Design-Schmiede „Pioneer Studios“ als auch die Abteilung für Marketing-Analyse „Alchemie Ventures“.
Deren gemeinsames Projekt „Courier“ sollte innovative, kreative Konzepte in einem im Design von den Moleskine-Organizern inspirierten Tablet-PC umsetzen. Doch der „Microsoft Courier“ hatte von Beginn an ein produktpolitisches Problem.
Allard und seine in Spitzenzeiten über 130 Mann starken Teams hatten schnell erkannt, dass die von PCs und Laptops bekannte Windows-Oberfläche im Kontext des geplanten Tablet-PC hinderlich gewesen wäre.
So hatten sie ein System erschaffen, das im Kern zwar auf Windows basierte, diese Herkunft aber durch seine Touch- und Stift-optimierte Bedienung leugnete.
Zwei Welten
Steven Sinofsky, dem Chef der Windows-Abteilung, wollte diese Unabhängigkeit vom hauseigenen Zugpferd so gar nicht gefallen. Doch seine eigene Tablett-freundliche Version von Windows war zu dieser Zeit noch über zwei Jahre entfernt.
So schaltete CEO Steve Ballmer Anfang 2010 Firmengründer Bill Gates ein, den Konflikt zwischen seinen Top-Männern zu schlichten. Bei diesem Treffen im Büro von Bill Gates in Kirkland am Lake Washington stießen zwei Welten aufeinander.
James Allard, sein Divisonsleiter Robbie Bach und zwei Mitarbeiter des Teams „Courier“ stellten ihre in mehreren, unterschiedlich ausgefertigten Prototypen gereifte Vision vom kreativen Werkzeug vor, das als mobile Ergänzung zum PC-Arbeitsplatz Designern und Textern unterwegs erste Rohentwürfe ermöglichen sollte.
Das Bedienkonzept „Free Create“ sollte dafür die gängigen aber hinderlichen Begleiterscheinungen von Windows-basierter Produktivitäts-Software entfallen lassen.
Bill Gates stellte daraufhin die schicksalhafte Frage: „Wie lese ich E-Mails auf dem Gerät?“ Mit der Antwort „Im Browserfenster.“ hebelte das „Courier“-Team nach der weltweit etablierten Windows-Oberfläche zusätzlich Microsofts milliardenschweren Geschäftsbereich um Outlook und Exchange aus. Gates soll „allergisch“ reagiert haben auf den Tablet-PC ohne E-Mail-App.
Windows auf Tablet-PCs
Eine aktuelle Studie der Boston Consulting Group legt dar, dass sich 53 Prozente der US-amerikanischen PC-Anwender einen Windows-basierten Tablet-PC wünschen, da sie mit Windows vertraut sind.
Die aktuelle Marschrichtung von Microsoft kommt dem Wunsch mit Windows 8 deutlich entgegen. Handy, Tablet-PC, Notebook und Schreibtisch-Arbeitsplatz sollen mit dem gleichen System laufen.
Nach Apples Markteinführung des ersten iPads wurde das Projekt „Microsoft Courier“ im Frühjahr 2010 eingestellt und sowohl Robbie Bach als auch James Allard quittierten ihren Dienst aus angeblich anderen Gründen.





Artikel kommentieren
Typisch Microsoft - da haben sie mal ein wirklich originelles und in Teilen auch innovatives Konzept - und schmeißen es weg...
Naja ich find die Entscheidung schon einigermaßen nachvollziehbar, da es doch wirklich nicht komfortabel ist die Web-Dienste der Mail-Anbieter aufzurufen, da ist eine Mail-App hilfreicher , besonders wenn man mehrere Accounts verwaltet.
Es wäre ja sicherlich kein großes Problem gewesen, noch eine Mail-App zu programmieren, die in der Gesamtkonzept des Geräts passt. Beim Lesen des Artikels kommt es mir jedenfalls so vor, als wäre das Thema der Mails im Webbrowser eher ein vorgeschobener Grund, während die echten Gründe für die Ablehnung vermutlich woanders lagen.
ja de fehlt mit Sicherheit einiges an weiteren Gründen die hier nicht mit eingeflossen sind
MS hatte lange genug Zeit aus seinen Tablets was zu machen.
Ob das Courier DER Wurf geworden wäre, bezweifle ich jedoch.
Die Konsequenz mit der Apple das Consumer iPad entwickelt hat, fehlt MS einfach. Bei MS geht es nicht darum Neues zu schaffen sondern Erhaltung. Ich glaube nicht, dass bei MS nur gepennt wird, sie verfolgen lediglich ein ganz andere Strategie.
Wirklich jammerschade, das Projekt sah wirklich großartig aus.
Der Satz "Eine aktuelle Studie der Boston Consulting Group legt dar, dass sich 53 Prozente der US-amerikanischen PC-Anwender einen Windows-basierten Tablet-PC wünschen, da sie mit Windows vertraut sind." erinnert mich an den viel zitierten Satz (von Henry Ford, oder?), dass, hätte man die Menschen nach ihren Bedürfnissen gefragt, die Antwort gewesen wäre "schnellere Kutschen". Und eben keine Autos. Eine Umfrage danach, ob man sich Tablett-PCs mit einer vertrauten oder gänzlichen anderen Benutzerschnittstelle wünschen würde, konnte vor ein paar Jahren ja nur zu Gunsten von "ich will das, woran ich schon gewohnt bin" ausgehen. Sehr schade.
Danke für den beitrag - sehr schlüssig dargelegt.
Das Konzept fand ich jedoch schon damals interessant - es gab sogar eine umfangreiche Animation / Film dazu - leider kenne ich den Link nicht mehr.
Zitat:
"Eine aktuelle Studie der Boston Consulting Group legt dar, dass sich 53 Prozente der US-amerikanischen PC-Anwender einen Windows-basierten Tablet-PC wünschen, da sie mit Windows vertraut sind.
Die aktuelle Marschrichtung von Microsoft kommt dem Wunsch mit Windows 8 deutlich entgegen. Handy, Tablet-PC, Notebook und Schreibtisch-Arbeitsplatz sollen mit dem gleichen System laufen."
Das hat Apple schon lange erkannt, das die Nutzer sowas wollen. Siehe iOS -- OS X.
Microsoft springt nun auf den gleichen Zug auf! Nur viel viel später! Das die gute Produkte haben, stelle ich überhaupt nicht in Frage, aber innovativ waren die noch nie... Das haben die immer schön apple überlassen, um dann die Ideen irgendwann zu übernehmen.
Da versteht man auch vollkommen Steve Jobs, dass er sich so über Gates aufgeregt hat...
Schau dir die Videos zum Courier auf Youtube an. Die gab es schon vor dem ersten iPad: http://www.youtube.com/watch?v=UmIgNfp-MdI
Was ist denn dann bitte in deinen Augen innovativ?
Das haben doch bestimmt die bösen MS-Spione von Apple heimlich aus deren Entwicklungsabteilung geklaut...
Nein, mal im Ernst - zum Arbeiten sehe ich das Ding sogar als wesentlich geeigneter als das iPad an - aber MS ist nicht mal mehr dazu geeignet eine gute Idee zu erkennen wenn sie denen in den A...h beißt.
Das Projekt wegen eines Fehlenden Email-Clients zu killen ist ja wohl der Gipfel der Lächerlichkeit. Ist ja nicht so dass man den hätte noch implementieren können.
Und was den Innovationsgrad angeht: sorry, da kann das iPad nicht mithalten - aber, es handelt sich hier ja auch nur um eine Studie und nicht um ein fertiges Produkt, deshalb bin ich bei der Beurteilung da lieber vorsichtig.
@Gast 14:49
innovativ wäre unter anderem ein Konzept auch umzusetzen
das was man auf dem Video sieht ist animierter CGI Kram ,
hat so zu keinem Zeitpunkt funktioniert. Das war auch der
Grund warum es nie rauskam , die konnten es schlichtweg
nicht..
Naja, da machst Du es Dir ein bisschen zu einfach: Ich finde alleine das Konzept mit den 2 Displays klasse - kleine Grundläche aber großes Display - auch zum Lesen von ebooks wesentlich angenehmer (vor allem wenn im Buch mal was über 2 Seiten geht (Bilder). Alles in allem fand ich das damals toll - würde ich durchaus eines Tests würdigen.
Für Microsifft finde ich das sehr innovativ - Apple hat das Tablet auch nicht erfunden - nur endlich mal benutzbar gemacht...
ä schonmal gemerkt was Appel alles kopiert hat?
ä schonmal gemerkt, wie Apple richtig geschrieben wird?
Danke Rudolf!
Ich finde es schade, dass das Projekt eingestellt wurde. Es sah sehr sehr vielversprechend aus. Das wäre möglicherweise das erste Microsoftprodukt gewesen, dass ich mir seit Jahren gekauft hätte.
Wer sich nicht vorstellen kann, dass auch aus dem Hause Microsoft gute Produkte kommen könn(t)en, sollte sich mal die Videos zum Courier im Netz ansehen.
Hier zeigt sich wieder einmal dass Demokratie in einem Unternehmen überhaupt nichts verloren hat. Natürlich müssen kreative Köpfe die Möglichkeit erhalten Meinungen zu äussern, Ideen einzubringen und Vorschläge zu machen, aber auf keinen Fall darf eine Entscheidung in der Hand von vielen liegen. Nur weil Steve Jobs starke Hand, sein Ego und sein absolutistischer Führungsstil vorhanden war, ist Apple so groß geworden wie es heute ist und darf mehr als nur eine Innovation und Marktveränderer sein Eigen nennen. Ich hoffe inständig dass es unter Tim Cook so bleibt.
hoffe ich auch- und Potenzial dazu hat er auch
Ausser die durchlöcherte Software, die Microsoft seit Jahren nie verbessert hat, ist ein Grund, Microsoft zu meiden. 1000 Türen durch die sich jeder als Admin anmelden kann bzw Software ausführen kann. Vista und auch Windows 7 sind nicht verbessert worden so ger verschlimmbessert :-( Unix, ist da eine ganz andere Welt. Microsoft sollte sich überlegen, seine User nicht für dumm zu verkaufen, und ständig sein Windows Paket neu verpacken.
Der Kern, ist nie wirklich verbessert worden, und kann es auch nicht :-( Microsoft sollte es wie Apple machen, Mac OS 9 begraben, und Mac OS X zum leben erwecken. Ok, es wäre ein sehr großer schritt, aber in die richtige Richtung.
Toller Beitrag !
Ich sehe es genau so wie der erste Kommentator !
Viele Köche verderben den Brei. Besonders wenn sie sich über die Zutaten nicht einig sind. Es scheint offensichtlich zielführend einen entscheidungs- und risikowilligen CEO zu haben.
Kommentar hinzufügen