Apples iPhone und die Nintendo Wii haben eines gemeinsam: Sie setzen auf alternative Steuerungsmethoden. Schon bald könnten Maus und Tastatur endgültig vom Computer verbannt sein, sagt Vordenker und Designer Dale Herigstad. Die Computersteuerung der Zukunft werde vor allem durch Gesten, Gedanken und natürliche Vorgänge beherrscht. Das iPhone bringt uns diese Zukunft näher und gewöhnt uns an sie.
Mit großen Gesten wischt Tom Cruise alias John Anderton im Film „Minority Report“ durch die Luft und steuert damit riesige transparente Benutzeroberflächen. Er zoomt, dreht, sortiert und selektiert einzelne Elemente und zwar ganz ohne Maus und Tastatur sondern allein mit den Händen. Es ist das Jahr 2054 in Steven Spielbergs Kinoklassiker, der uns zeigt, wie die Zukunft der Computersteuerung aussehen könnte. Der kreative Kopf hinter diesen Zukunftsvisionen ist Dale Herigstad – der Mann, der schon heute weiß, welche Technik zu unserem morgigen Alltag gehören wird.
Immer gewillt zu sein, die Dinge anders zu sehen, ist für Herigstad das Wichtigste, um neue Techniken, Ideen und Visionen zu entwickeln. Seinen Durchbruch erlebte der vierfache Emmy-Award-Gewinner mit seiner Arbeit am Film „Minority Report“ im Jahr 2002 und kann sich heute in seiner Agentur für digitales Design „Schematic“ vor Aufträgen kaum retten. Große Namen der Film-, Fernseh- und Spieleindustrie vertrauen ihm, wenn es um die Entwicklung neuer Benutzeroberflächen, Designs und Steuerungsmethoden geht.
So wie Tom Cruise per Gestensteuerung über die riesigen Monitorwände fegt, könnte es schon in Kürze auch in heimischen Wohn- und Arbeitszimmern zugehen. Zumindest, wenn es nach Dale Herigstad geht. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis die Industrie entsprechende Standards setzt, bestimmte Handbewegungen mit Funktionen verbindet und Maus & Co. weitestgehend der Vergangenheit angehören – genug Anzeichen dafür gibt es schon heute.
Ein Handschuh ist noch zu viel
Statt einiger Jahrzehnte hat es nur sechs Jahre gedauert, bis die US-amerikanische Firma „Oblong Industries“ das Betriebssystem G-Speak vorstellte. Den Wissenschaftlern der Technischen Hochschule Massachusetts (MIT) gelang es im Jahr 2008, eine Benutzeroberfläche und Steuerung fast identisch zu der Zukunftsvision aus Minority Report zu entwickeln. Die Gestensteuerung in G-Speak hat jedoch einen Haken, der Herigstad ein kleines Lächeln entlockt: Zur Steuerung des Computers benötigt man Handschuhe, die die Bewegungen der Hände analysieren und an den Computer vermitteln. Dass es für G-Speak nicht zum großen Durchbruch auf dem Markt gereicht hat, spricht für sich. Vielmehr handelt es sich um eine Studie des technisch Machbaren, die lediglich einen Zwischenschritt zur vollendeten Gestensteuerung darstellt.
Auch in Deutschland zeigt man sich erfinderisch, und so war erst auf der diesjährigen CeBIT mit iPoint 3D ein ganz ähnliches Verfahren zu bestaunen. Dem Fraunhofer-Institut für Nachrichtentechnik gelang es sogar, auf lästige Datenhandschuhe und andere Hilfswerkzeuge zu verzichten: Eine Erkennungseinheit, die nicht größer ist als eine Tastatur und beispielsweise an der Zimmerdecke angebracht wird, misst mithilfe zweier FireWire-Kameras die Gesten des Anwenders. Diese werden vom Computer interpretiert und zur Steuerung von Computerspielen, Unterhaltungselektronik oder gar für Haushaltsgeräte verwendet.
Gestensteuerung in die Realität umzusetzen, ist also offensichtlich nicht noch Jahrzehnte entfernt, vielmehr sind die technischen Voraussetzungen bereits geschaffen. Laut Herigstad arbeiten derzeit bereits mehrere Unternehmen an der konkreten Umsetzung in Verbraucherprodukte.
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