SECHS MONATE NACH DEM ALLZEITHOCH

Nach Apples Horror-Halbjahr: Zeit für die Trendwende?

22.03.13 | 11:28 Uhr - von Nils Jacobsen
(Bild: photos.com/AUDINDesign)

Heute vor exakt sechs Monaten notierte Apple bei 700 Dollar auf Allzeithochs. Seitdem ist viel passiert – vor allem an der Börse. Die Apple-Aktie hat in der Spitze 40 Prozent an Wert verloren.  Doch in den allgegenwärtigen Abgesängen liegt auch eine Chance: Erste Antizykliker positionieren sich bereits für das zweite Halbjahr…

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21. September 2012, iDay: Wie bestellt zum Launch des iPhone 5 schwang sich die Apple-Aktie nach Tagen um die 700 Dollar-Marke noch einmal zu einem finalen Schub nach oben auf. Bei 705 Dollar blieb das Kursbarometer im Intraday-Handel an diesem Freitag vor sechs Monaten stehen: ein neues Allzeithoch – vielleicht ein historischer Höchstkurs für alle Zeiten.

Genau ein halbes Jahr später sind 252 Dollar oder 35 Prozent je Anteilsschein abhanden gekommen. Bei gerade mal 453 Dollar schloss die Apple-Aktie gestern im späten Handel an der Wall Street. Unglaubliche 240 Milliarden Dollar Börsenwert wurde in 180 Tagen vernichtet – das entspricht dem Börsenwert des Erzrivalen Samsung

Jeff Gundlach: Apples Absturz früh vorhergesagt

Auch wenn sich Apple-Aktionäre nach den erdrutschartigen Verlusten nach den Quartalszahlen im Januar an den neuen Normalzustand von Kursen unter 500 Dollar offenbar gewöhnt haben, erschien der Börsenabsturz in diesen Dimensionen gegen den  Markttrend im Spätsommer 2012 kaum denkbar. Apple hatte seinerzeit gerade Microsoft als wertvollstes Unternehmen aller Zeiten abgelöst und schien langfristig Kurs auf die Marke von einer Billion Dollar Börsenwert zu nehmen.

  • Bild: Valery Marchive (LeMagIT)

Doch es gab auch Mahner. Jeff Gundlach hatte den schwarzen Schwan als einer der Ersten kommen sehen. "Es scheint mir, dass Apple eine Aktie ist, an die jeder glaubt – es ist fast eine Obsession geworden", gab sich der Bond-Guru von Doubline Capital im vergangenen Frühjahr, als Apple fast 50 Prozent an Wert binnen eines Quartals zugelegt hatte, überaus extrem skeptisch. 

"Egal, in welches Meeting ich gehe, jeder besitzt Apple, dabei ist das Unternehmen nicht mehr der Produkt-Innovator, der es einmal war. Ich glaube nicht, dass sich die Leute fürs iPad 482 noch in die Schlange stellen."

Apple-Abgesänge erreichen Höhepunkt

Gundlach nannte Apple einen "generational short" – die Short-Wette einer ganzen Anlegergeneration und gab im Herbst, als sich Apple bereits im Abwärtstrend befand,  bei Kursen von 600 Dollar das seinerzeit ziemlich mutige Kursziel von 425 Dollar aus. Vorletzte Woche sollte Gundlach Recht bekommen: Apple stürzte auf ein neues Jahrestief bis auf 419 Dollar und hatte binnen nicht mal eines halben Jahres in der Spitze 41 Prozent an Wert vernichtet.

Die Abgesänge auf Apple haben sich seitdem gehäuft und einen schon fast hysterischen Ton angenommen: Der Kultkonzern aus Cupertino scheint seinen Zenit überschritten zu haben, im laufenden Quartal wird der erste Gewinnrückgang seit 2004 erwartet. 

Erzrivale Samsung hat zudem gerade mit dem Galaxy S4 seinen Smartphone-Bestseller erneuert, während Apple mit der Evolution seines iPhone 5 wohl erst in der zweiten Jahreshälfte aufwarten wird – und das wohl, ohne mit einem 5-Zoll-Display kontern zu können oder zu wollen. Es ist in diesen Tagen ziemlich einfach, auf Apple einzuprügeln.

Warren Buffett: Empfehlung zu Aktienrückkäufen

Sowohl die Börsenhistorie als auch der gesunde Menschenverstand lehren jedoch, dass sich die Zukunft selten 1:1 so fortschreiben lässt, wie sich die Gegenwart gerade gestaltet. "Die Zukunft ist niemals klar", wusste die Investorenlegende Warren Buffett seit Jahrzehnten zu berichten. "Schon für ein bisschen Gewissheit muss man einen hohen Preis zahlen." Entsprechend tritt Buffett stets als antizyklischer Investor auf, der gegen den Markttrend unterbewertete Unternehmen einsammelt.  

Genau diesen Ratschlag gab "das Orakel von Omaha" unlängst auch Apple-CEO Tim Cook und riet zum Aktienrückkauf (anstatt zu einer Ausschüttung einer Sonderdividende): "Wenn du Dollarscheine für 80 Cent kaufen kannst, dann tu es."

Hamburger Berenberg Bank: Apple-Kursziel von 800 auf 360 Dollar gesenkt

Die alles entscheidende Frage für Apple-Aktionäre und solche, die es werden wollen, ist nun, ob diese Stunde der Antizykliker bereits gekommen ist. Erfahrene Anleger wissen: Nach derart dramatischen Kursstürzen, wie sie Apple erfahren hat, kann es länger dauern, bevor sich ein tragfähiger Boden ausbildet. 

Die überwältigende Anzahl der Analysten ist aktuell damit beschäftigt, ihre Empfehlungen wie Lemminge prozyklisch den jüngsten Kursen nachzubilden: Immer wieder wird Apple aktuell herabgestuft – wie etwa von der Hamburger Berenberg Bank, die ihren Kunden nach fünf Monaten des Stillhaltens empfahl, die Aktie nun doch noch zu verkaufen.

Apples Kursziel wurde über Nacht mal eben so von 800 auf 360 Dollar rasiert. Anfang März war das, bei Kursen von 420 Dollar. Es wird sich zeigen, ob Deutschlands älteste Privatbank ihren Kunden mit dieser sehr späten Verkaufsempfehlung  einen so großen Gefallen getan hat.

BTIG-Analyst Piecyk: Antizyklische Kaufempfehlung

Interessanterweise in die genau entgegengesetzte Richtung bewegt sich dagegen BTIG-Analyst Walter Piecyk, der die Apple-Aktie eine Woche nach der Berenberg Bank zum Kauf empfahl. Zwar ist sein Kursziel von 540 Dollar immer noch weit von den aus heutiger Sicht luftigen Höhen des vergangenen Septembers entfernt, doch Piecyks Statement gegen die aktuelle Untergangsstimmung ist bemerkenswert.

Erst recht, wenn man den Hintergrund des BTIG-Analysten berücksichtigt: Wie Jeffrey Gundlach hatte Piecyk im vergangenen Frühjahr vor einem Absturz des wertvollsten Konzerns der Welt gewarnt. Nun wagt der renommierte Analyst erneut  eine antizyklische Prognose. Seine These: Die Geschäftsergebnisse des laufenden Quartals dürften Anleger noch enttäuschen und auch der Ausblick auf das Juni-Quartal alles andere als rosig ausfallen – doch in der zweiten Jahreshälfte dürfte sich das Blatt wenden. 

Als Treiber des Comebacks identifiziert Piecyk die nächste iPhone-Generation, die mit einem günstigeren Modell auch in den Schwellenländern punkten dürfte.  Ein Deal mit China Mobile könnte Apple auf einen Schlag Zugang zu 729 Millionen potenziellen Kunden verschaffen. Und dann wäre da noch nach mehr als drei langen Jahren des Wartens ein neues Produkt, das für neue Umsatzfantasie sorgen dürfte – aller Voraussicht nach der Apple-Fernseher

Sorge vor dem nächsten Quartal bleibt

Die Gefahr von Rückschlägen sieht auch Piecyk weiterhin, zu fragil ist die aktuelle Geschäftsentwicklung mit vermutlich noch zwei enttäuschenden Quartalsbilanzen im April und auch Juli. Ob das gerade erst vor zweieinhalb Wochen aufgestellte Jahrestief bei 419 Dollar tatsächlich den Wendepunkt markiert, bleibt abzuwarten.

Bei Kursen von aktuell 453 Dollar erscheint es zumindest noch etwas voreilig, von einer Trendwende zu sprechen. Doch die ist ohnehin immer erst in der Rückschau erkennbar. "Die Zeit des größten Pessimismus ist die beste Zeit zum Kaufen", wusste Investmentlegende John Templeton einst zu berichten. In einem weiteren halben Jahr werden wir wissen, ob diese tradierten Börsenweisheiten auch bei Apple ihre Gültigkeit haben.

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Mehr zu: Apple-Aktie | Galaxy S4 | iPhone 5 | iTV | Tim Cook | Warren Buffett

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Bild von pat_c

"Apple-Abgesänge erreichen Höhepunkt" vor allem auch hier. Es ist Freitag, und wieder mal geht die Apple Welt unter. Der Börsenkurs hat mit dem wirtschaftlichen Erfolg einer Fa. soviel zu tun wie das Wetter mit dem Klima: man kann es nicht vollkommen voneinander trennen, aber das eine ist eher langfristig und global, und das andere eher kurzfristig und unvorhersehbar.

Denn an der Verkaufszahlen kann es nicht liegen. Apple liegt einfach im Fadenkreuz der Investoren, die zum einen günstige Einstiegskurse generieren wollen, und zum andern den Eindruck haben die Fa. nicht genug kontrollieren zu können. Das Heuschreckenpack will einen cash-out der Barreserven. Nötige Investitionen soll Apple dann von den Offshore Banken, an denen die Heuschrecken wiederum auch beteiligt sind, aufnehmen. Der jüngste Angriff auf der Hauptversammlung hat die Stoßrichtung klar gezeigt.

A.m.S. dient die ganze organisierte Medien-Basherei nur dem Ziel das Management für den Kursrutsch verantwortlich zu machen, um dieses gegen Vasallen auszutauschen, die dann die gigantischen Barreserven rausrücken. Jeder der sich daran beteiligt spielt das Spiel dieser Räuberbande, und das tun offenbar viele z.B. die Medien obwohl sie noch nicht mal direkt davon profitieren.

Langfristig hat Apple die besten Chancen, denn im Gegensatz zum Mitbewerb verfügen sie über HW/SW integrierte Produkte. Der eigentliche Wechsel zur digitalen computerisierten Gesellschaft steht ja noch bevor bzw. ist gerade im Gange. Bisher war Computertechnik auf dem Niveau der frühen Automobile, mit Handkurbel und so. Erst Apple hat ein geräteübergreifendes HW/SW Ökosystem geschaffen, in dem Computer nicht mehr Computer sind, sondern informationstechnische Gebrauchsgegenstände des Alltags, die aus der Verpackung heraus funktionieren.

Mit diesem Ansatz sind sie anderen immer noch Jahre voraus, und viele haben es bis jetzt noch nicht kapiert, vor allem jene die Apple Produkte immer auf der HW Ebene mit anderen Computern vergleichen. Darum geht es in Zeiten überreichlich vorhandenen Rechenpower schon lange nicht mehr. Es kommt auf die Vernetzung verschiedener auf den Einsatzzweck optimierter Computer (iPhone, iPad, iMac, usw.) an, und hier hat Apple bis jetzt einen uneinholbaren Vorsprung. Die anderen haben noch nicht mal ernsthaft angefangen.

Bild von Macintosh1968

Danke...!

Bild von Rosember

@pat_c: +1
Danke! Endlich mal ein Kommentar, der sich nicht von der täglichen Hysterie und den Unkenrufen in den Medien blenden lässt, sondern hinter die angebliche Berichterstattung über Apple schaut. Es geht dabei fast nie um Apple, sondern um Hype (im Fall der Medien), um Kohle (Analysten) oder um beides zugleich.
Ich bin sehr froh, dass sich Tim Cook & Co. sich von dem ganzen Gejohle nicht beeindrucken lassen. Ein sicheres Indiz dafür, dass Apple bei ihnen aus User-Sicht in den richtigen Händen ist - und dass Steve Jobs eine gute Wahl getroffen hat.

Bild von pat_c

Vielleicht noch eine kleine Ergänzung zu dem oben gesagten. Durch die gigantischen Barreserven ist Apple auch unabhängig von Krediten, und entzieht sich dadurch der Kontrolle des Kapitalmarktes bzw. der Finanzindustrie, und das schmeckt den sog. "Finanzinvestoren" überhaupt nicht. Sie wollen schlicht die Kontrolle über eine bis jetzt unabhängige Fa. erlangen. Der Plan lautet also die Beute einsacken und Apple unter die Kontrolle der Banken bringen. Wenn dieser Geldberg jemals ausgeschüttet wird, wird Apple zum Sklaven der Banken, und muss nach ihrer Pfeife tanzen. Was das dann für die Produktqualität heissen wird, kann sich jeder selbst ausmalen.

Bild von DarthTK

Wie es auch für den kleinen Mann gilt. Wer unter der Kontrolle der Banken ist, ist verloren :)

Bild von Michi CH

nochmals +1
ich hätte gerne mal eine Liste aller Analysten und deren Trefferquoten in den letzten, sagen wir mal 2-3 Jahren. Kursziele von 800 auf 360 setzten ist ja eine Frechheit und sollte von den Private Banking Kunden der Hamburger Bank mit einer Kündigung bestraft werden.

Bild von obd_van_darg

Sehr guter Kommentar pat_c. Auf den Punkt und treffend wie es nicht treffender sein könnte. Apple ist immer noch dasselbe Unternehmen dass es vor 3 Jahren war. Sie machen weiterhin mehr Gewinn als alle anderen und werden das auch in weiteren 3 Jahren. Aber irgendwann mal hat man einfach keine andere Chance in Apple zu investieren wenn man keine 700 $ ausgeben möchte als die Firma günstig zu bashen. So ist es halt an den Börsen.

Bild von michael.koulen

Bekanntlich liegt der Segen im Einkauf, also es ist nicht die Frage für wie viel man etwas verkaufen kann sonder der Einkaufspreis ist entscheiden. Dies gilt auch an der Börse!

Genau aus diesen Grund empfehlen die Experten ein antizyklisches Verhalten an der Börse - wenn alle verkaufen und schlecht über ein Unternehmen reden sollten man kaufen.

Wenn man mal die Kursentwicklung von den letzen 10 Jahren betrachtet sind die Kursrückgänge bei Apple als sehr gering zu bewerten. Selbst wenn man vor 3 Jahres die Aktie gekauft hätte liegt man noch deutlich im Gewinn. Also warum die ganze Aufregung? Wer gedacht hat das bei Apple-Aktie nur den Weg nach oben kennt wurde nun eines besseren belehrt.

Apple ist immer noch das Vorzeigeunternehmen in der Branche und verdient nur mit den iPhone mehr als Microsoft im den ganzen Konzern.

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