AAPL-KOLUMNE

Apples Abhängigkeit: Segen und Fluch des iPhones

17.05.13 | 01:30 Uhr - von Nils Jacobsen
(Bild: Nils Jacobsen/Montage)

Die Erfolgsstory nähert sich ihrem sechsten Geburtstag: Im Juni 2007 ging das erste iPhone über die Ladentische in den USA. Über Jahre war das Kultsmartphone der Träger von Apples phänomenalem Aufschwung. Doch inzwischen ist Samsung furios an Apple vorbeigezogen. Kann Cupertino noch einmal kontern?

Die Hypothese wirkt alarmierend: "Wir glauben, dass schwächere iPhone-Verkäufe zusammen mit einer starken Nachfrage nach dem Galaxy S4 dazu führen könnte, dass Samsung Apple bei Gewinnen in der Smartphone-Industrie überholt", erklärte Michael Walkley von der kanadischen Investmentbank Canaccord Genuity vergangene Woche.

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Die Unterstellung kommt nicht von ungefähr: Im abgelaufenen ersten Kalenderquartal, in dem Apple 37 Millionen iPhones absetzte, ging der Anteil an den Gewinnen der gesamten Smartphone-Branche deutlich von 72 auf 57 Prozent zurück. Samsung holte, angetrieben von enormen 69,4 Millionen verkauften Galaxy Smartphones, deutlich von 29 auf 43 Prozent der Gewinne auf.

Gartner-Studie: iOS-Anteil um 4 Prozent gesunken

Das bedeutet in anderen Worten auch: Apple und Samsung machen alle Gewinne in der Smartphone-Industrie unter sich aus; kleinere Wettbewerber wie LG spielen mit Gewinnen von 123 Millionen Dollar praktisch keine Rolle, während frühere Konkurrenten wie Motorola sogar Geld verlieren und damit die Statistik wieder ausgleichen.

Der rasante Aufstieg von Samsung ist kein neues Phänomen: Dass die Südkoreaner Apple seit mehr als einem Jahr zahlenmäßig hinter sich lassen, ist hinlänglich bekannt. Auch die jüngste Gartner-Studie zur Verteilung der Marktanteile der mobilen Betriebssysteme bestätigt den schwindenden Einfluss von iOS, dessen Marktanteile von 22 auf 18 Prozent zurückgingen, während Android bereits auf 75 Prozent aller Smartphones verbreitet ist. "Dead in the water" sei Apple setzte das US-Blogkonglomerat Business Insider zum Abgesang an.

Samungs Sommer: Altes iPhone vs. Galaxy S4

Dass Samsung Apple nun auch immer mehr Gewinne streitig macht, muss in Cupertino die Alarmglocken schrillen lassen, zumal kein neues iPhone bis zum Herbst auf den Markt kommen dürfte, wie Tim Cook auf der jüngsten Quartalskonferenz überraschend andeutet.

Keine Frage: Erneut wird es Samsungs Sommer werden, wie schon letztes Jahr, als die iPhone-Nachfrage zwischen April und Juni im Vergleich zum Vorquartal überraschend deutlich auf nur 25 Millionen verkaufte Einheiten zurückging. Der eigene Ausblick auf das laufende Quartal lässt erahnen, dass Apple in diesem Quartal sogar zahlenmäßig hinter dem Vorjahr zurückbleiben könnte.

Analyst: Marktanteil könnte in einstelligen Prozentbereich fallen

Die Folge: Es gibt Analysten, die unterdessen schon befürchten, dass Apples Anteile im Smartphone-Markt aufgrund eines ganz schwachen September-Quartals sogar in den einstelligen Prozentbereich zurückfallen könnten. Toni Sacconaghi von Sanford Bernstein rechnet mit einem Einbruch auf nur noch 9 Prozent – die Hälfte des aktuellen Marktanteils.

Entsprechend sind Analysten und Marktexperten in diesen Tagen damit beschäftigt, ihre Gewinnprognosen anzupassen – nach unten. So rechnet etwa der Hedgefondsmanager Doug Kass, der im vergangenen September in seinem Bären-Szenario als erster auf den kommenden Abstieg Apples hingewiesen hat, damit, dass die Gewinne im Gesamtjahr auf 35 Dollar je Aktie einbrechen, was einer drastischen Gewinnerosion von 21 Prozent entspräche. Ein solches Negativszenario hat noch kein Analyst einer renommierten Wall Street-Adresse verbreitet, was in den kommenden Monaten mit entsprechenden Herunterstufungen für weiteren Druck auf die Aktie sorgen könnte.

Apple, die iPhone-Company: Warten auf das nächste Modell 

Einmal mehr zeigt sich, wie Apples erfolgreichstes Produkt der Unternehmensgeschichte zum Segen und Fluch des Kultkonzerns geworden ist. Über Jahre befeuerte es das phänomenale Wachstum und damit den schier rasanten Aufstieg der Apple-Aktie von weniger als 100 Dollar vor dem Launch des ersten iPhones auf in der Spitze 700 Dollar im vergangenen September zum Verkaufsstart des iPhone 5. Bei mehr als der Hälfte der Umsätze und Gewinne, die das Kultsmartphone inzwischen ausmacht, ist Apple längst zur iPhone-Company geworden.

  • „iPhone 5S“ oder „iPhone 6“: Apples mittelfristige Zukunft hängt von der nächsten iPhone-Generation ab

Entsprechend hängt Apples mittelfristige Zukunft wieder einmal an der nächsten iPhone-Generation, von der nach den Erfahrungen der Vergangenheit dieses Jahr aber nicht mehr als ein Upgrade auf ein iPhone 5S zu erwarten ist. Mit einer Runderneuerung, bei der als iPhone 6 auch ein größeres Modell, wie es von Samsung längst äußerst erfolgreich angeboten wird („Phablets“), auf den Markt kommen könnte, rechnen Analysten unterdessen erst in 2014.

Vorstoß in den Schwellenländern entscheidend

Umso wichtiger wird es für Apple in den nächsten 12 bis 16 Monaten sein, die Marktpositionen in den boomenden Schwellenländern zu verbessern. Ein verbilligtes iPhone erscheint so unabdingbar wie ein Deal mit dem größten chinesischen Mobilfunkanbieter China Mobile, der Apple im Handumdrehen 25-30 Millionen verkaufte Einheiten pro Jahr bringen könnte – das wären die Dimensionen eines ganzen Quartals.

  • Kann Apples Chef-Designer für Aufbruchstimmung sorgen?

So weit die Theorie. In der Praxis halten sich die Gerüchte darüber so lange wie über einen Apple-Fernseher – passiert ist in den vergangenen zwei, drei Jahren nichts. Doch zumindest der Ausblick auf die nahe Zukunft ist nicht fern. Wenn Designchef Jony Ive in rund drei Wochen auf der WWDC die nächste iOS-Generation vorstellt, wird es darauf ankommen, wieder Aufbruchstimmung zu erzeugen und so ein ganzes Jahr ohne neue Produkte zumindest mit der Vision zu überbrücken, dass Apple ab Herbst wieder angreift.

Mehr zu: Apple-Aktie | iPhone | iPhone 5 | Jony Ive

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Bild von macbln

Apple könnte den Absatz des iPhone schon dadurch deutlich erhöhen, dass sie das iPhone ganz einfach beim autorisierten Fachhandel verkaufen und nicht nur selbst in den Apple Stores oder ihren eigenen Online-Shop. Ein Freund, der in einem Apple autorisierten Laden arbeitet, beklagte sich neulich darüber, dass sie das iPhone nicht verkaufen dürfen ohne Vertrag. Dabei könnten sie locker ein paar hundert im Jahr absetzen. Viele Kunden verstehen das nicht und wollen sich von Apple nicht gängeln lassen. Diese entscheiden sich dann oft für Android. Klang im ersten Moment zwar komisch, aber dann habe ich das selbst mal gecheckt und bei einigen Händlern angerufen. Es scheint wirklich ein Problem zu sein. Die, die welche verkaufen, importieren die direkt aus anderen EU-Ländern.
Und Apple beklagt sich, dass sie nicht genug verkaufen? Selbst schuld sag ich da nur.

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