Test: Groove Machine Mobile – Musikproduktion auf dem iPad

Image Line hat schon beim Flaggschiff FL Studio auf eine durchdachte Touch-Steuerung gesetzt. Groove Machine Mobile überträgt das Konzept nun auf eine Groovebox für das iPad. Wird das iPad so zum „überall dabei“-Musikstudio? Beat-Autor Jan WIlking hat hat die App für die Mac Life getestet.

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Optisch präsentiert sich Groove Machine Mobile als gelungene Symbiose aus alt und neu. Denn neben dem bewährten DAW-Timeline-Aufbau standen auch das bewährte Pad-Konzept einer MPC, die Ur-Grooveboxen der MC-Serie von Roland oder die Electribe-Reihe von Korg Pate.

Drums

Nach Auswahl eines gespeicherten oder neuen Grooves erscheint das Drum-Modul mit bis zu zehn Kanälen. Die virtuellen Pads können dynamisch gespielt werden, wobei die Lautstärke beim Antriggern im unteren Bereich am höchsten ist und nach oben hin abnimmt. Über ein Menü auf der rechten Seite laden Sie eines der mitgelieferten Presets, jeder Kanal umfasst ein oder zwei Samples. Die Sounds klingen sehr gut, was auch wenig verwundert, da eine Vielzahl von FL Studio übernommen wurde. Neben einem EQ stehen für jeden Sound bis zu drei Insert-Effekte wie Verzerrer und Delay mit jeweils zwei Parametern und LFO zur Verfügung. So können Sie z.B. die Snare mit Hall, Delay, Verzerrer; die Kick mit Tiefpassfilter und Ringmodulator sowie die Hi-Hat mit einem Phaser bearbeiten. Aufgrund der umfangreichen Bearbeitungsmöglichkeiten ist auch verschmerzbar, dass keine eigenen Samples geladen werden können – dies soll laut Entwickler noch ergänzt werden. Wünschenswert wäre auch eine Solo-Funktion, momentan lassen sich nur einzelne Kanäle stumm schalten.

(Bild: Screenshot)

Synthesizer

Ergänzt wird das Drum-Modul mit fünf polyphonen Synthesizer-Spuren für Melodien, Akkorde und Basslinien. Der Aufbau ist grundsätzlich identisch, allerdings wurden die Drumpads durch ein virtuelles Keyboard nebst Modulationsrad und Pitchbender ersetzt, das ebenso dynamisch spielbar ist. Auch in jeden Synthesizer können bis zu zwei Samples geladen und mit EQ und drei unabhängigen Effekten bearbeitet werden, zudem sind Multisamples akustischer Instrumente dabei. Darüber hinaus bietet eine Synthesizerspur noch zahlreiche Modulationsmöglichkeiten wie Ring- oder Frequenzmodulation und Hardsync mit eigener AD-Hüllkurve.

Sequenzer

Eigene Grooves können in Echtzeit eingespielt werden. An dieser Stelle soll auch die vorbildliche Einbindung von MIDI-Controllern positiv erwähnt werden. Quasi jeder Parameter verfügt über eine direkte MIDI-Lern-Funktion für Noten und Controller. Die Nachbearbeitung erfolgt über eine klassische Piano-Roll, wobei Sie hier Noten auch direkt per Fingerdruck eingeben können. Bei Auswahl von Noten öffnet sich links ein Menü zum Kopieren, Quantisieren etc.. Weniger überzeugend ist das eingebaute Metronom, das weder in Lautstärke regelbar ist noch als Vorzähler fungieren kann.

Song

Songs erstellen Sie auf zwei verschiedene Arten. Da so gut wie jeder Parameter automatisierbar ist, können Sie Record und Play drücken, dann einzelne Spuren ein- und ausschalten, Filterfahrten machen, Effekte einblenden und vieles mehr. Alle diese Veränderungen werden aufgezeichnet und können in der Automations-Ansicht anschließend detailliert bearbeitet werden. Dies gilt auch für Glitch, einen Stotter-Effekt, dessen Auswirkung für jede Spur einzeln aktiviert werden kann.

Auf der Controls-Seite, die einen Gesamtüberblick über alle Kanäle bietet, schalten Sie dann zwischen den Loops beliebig um, was ebenfalls automatisierbar ist. Durch Kombination beider Alternativen lassen sich auch durchaus komplexe Songs allein mit der App erzeugen. Dies ist aber auch ein wichtiger Aspekt, da die Verbindung zur Außenwelt momentan eher rudimentär ist. Zwar ist die Einbindung externer MIDI-Controller vorbildlich gelöst, aber es fehlen Standards wie Inter-App-Audio und Audiobus-Unterstützung, und gerenderte Songs können nur per iTunes und nicht per Dropbox, Soundcloud usw. ausgetauscht werden.

Fazit

Groove Machine Mobile ist eine plattformübergreifende Groovebox-App, die sowohl von Funktionsumfang als auch Klang überzeugt. Hervorzuheben sind die intuitive Bedienung mit vorbildlicher Unterstützung von Touchscreen und MIDI-Controllern sowie die umfangreichen Bearbeitungsmöglichkeiten der Samples. Die Kritikpunkte dürften sich durch die angekündigten Updates erledigen. (Jan Wilking)

Testergebnis
ProduktnameGroove Machine Mobile
HerstellerImage-Line
Preis10 €
Webseitewww.image-line.com
Pro
  • durchdachte Touch-Bedienung, vielfältige Klangmöglichkeiten, viele Bearbeitungsmöglichkeiten & Effekte, umfangreiche editierbare Automation
Contra
  • keine eigenen Samples nutzbar, keine Unterstützung für IAA, Audiobus, Dropbox
Bewertung
1,5gut

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