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Sueddeutsche bezahlt Blog-Rezensionen

18.01.10 | 16:24 Uhr - von Heiko Fleischmann
Kauf' dir deine Meinung: Sueddeutsche bezahlt Blog-Rezensionen

Der aufgeklärte und mitdenkende Netzbürger muss immer und überall aufpassen, ob das, was er liest, auch der Wahrheit entspricht. Zu oft sind Rezensionen auf Preisvergleichsportalen und Anwenderkommentare als versteckte Werbung zu erkennen. Einen richtigen Klops hat sich nun aber die Süddeutsche Zeitung geleistet und Blogger für Rezensionen der iPhone App sueddeutsche.de GOLD bezahlt, berichtet das UPLOAD-Magazin.

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sueddeutsche.de hatte das Basler Unternehmen Trigami ("Social Media Marketing") mit der Marketing-Kampagne beauftragt und Vorgaben der Süddeutschen an interessierte Blogger weitergeleitet, damit sie diese in ihren als Advertorial gestalteten Blogposts umsetzten. Zwar besteht Trigami in solchen Situationen nach eigener Aussage immer darauf, dass zwischen der Überschrift und dem Haupttext ein Hinweis auf den Werbecharakter des folgenden Textes steht. Nichts dem zum Trotz führte das Ganze zu einigermaßen großem Aufruhr in der Blogosphäre, und alle Beteiligten sind mittlerweile ordentlich zurückgerudert.

Zum Einen äußerte sich Remo Uherek, Geschäftsführer bei Trigami, sehr offen: "1. Wir als Trigami haben grossen Mist gebaut! Punkt." Firmenintern habe es einen Fehler bei der Kommunikation gegeben, der überhaupt erst dazu geführt hat, dass der Auftrag in Form eines Advertorials umgesetzt wurde, es hätten ursprünglich ganz einfache Rezensionen werden sollen, bei denen die Autoren keinerlei Vorgaben bekommen sollen hätten. Ein an gleicher Stelle zitierter Brief von Peter Bilz-Wohlgemuth, verantwortlich bei sueddeutsche.de für diese Marketingkampagne, enthält folgende Einlassung: "Wir wollten eine virale Kampagne lancieren ... Das war ein Fehler." Die Süddeutsche hat die Kampagne konsequenterweise sofort stoppen lassen, denn das Etikett "Qualitätsjournalismus", welches das Blatt für sich selbst beansprucht, verträgt sich mit dieser Art von Marketing überhaupt nicht.

Insgesamt wirkt das Ganze etwas überstürzt und auf jeden Fall unausgereift. So haben die Blogger zwar für ihre Tätigkeit ein Honorar bekommen, die Kosten von 1,59 Euro für die App wurden ihnen aber nicht als Spesen auf die Rechnung gesetzt – ein eher unübliches geschäftliches Gebaren. Dass allerdings ein Standardhonorar von nur 17 Euro gezahlt wurde, dementiert Uherek in einem Update zum bereits zitierten Blogeintrag.

Ein interessanter Beitrag mit Interviews von Uherek und Bilz-Wohlgemuth sowie Kommentaren von betroffenen Bloggern findet sich auf dem Schweizer Nachrichtenportal 20 Minuten Online.

 

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Bild von Gast

Die SZ reiht sich übergangslos in das korrumierte System ein: Alles ist kaufbar: Nach FDP und CSU nun auch App-Bewertungen

Bild von Gast

Ich halte die SZ für eine noch relativ gute Zeitung. Aber das geht leider gar nicht. Enttäuschend.

Bild von Mr.Q

So schwer das auch fällt: diesen Fauxpas sollte man klar von dem hervorragenden journalistischen Inhalt trennen. Wer von seiner guten Arbeit überzeugt ist, hat sowas eigentlich nicht nötig – trotzdem, ein paar Lorbeeren sind jetzt erheblich geknickt...

Bild von Whistler

Wieso die Aufregung eigentlich wiessen es doch alle das alles und Jeder seinen Preis hat.
Politiker Parteien Zeitungen Journalisten USW.
Jeder der Viel Geld zur Verfügung hat wird es auch für irgendetwas ausgeben.

Bild von Gast

Nun, Social Media Marketing ist nicht Werbung (siehe auch: http://blog.werbeplanung.at/stories/5995563/). 93% der Social Media User denken, dass ein Unternehmen eine Social Media Präsenz haben sollte und 85% denken, es sollte in Social Media auch interagieren (Cone, Business in Social Media Study, 2008). Allerdings nicht auf werbliche Art sondern im Rahmen der Konsumenteninformation, Öffentlichkeitsarbeit, Public Relations und allenfalls des Lobbying. Erwünscht sind Informationen, Interaktion und Abbildung von Kommunikationsprozessen. Beispielsweise wird die Verlagerung von Kundenservice-Prozessen in Social Media von den Konsumenten durchaus sehr positiv aufgenommen. Social Media ist also kein Werbekanal, sondern ein neues Kommunikationsphänomen, dessen Marketingeinsatz Strategie und Konzept voraussetzt.

Bild von Gast

Wie findest Apple dies eigentlich?
Ist ja eigentlich Betrug. Werden jetzt betrügerische Apps zugelassen? ;)

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