SELBSTZENSUR EINES MODEMAGAZINS

Die Iran-Ausgabe: Gizmodo-Autor schreibt offenen Brief an Apple

12.05.10 | 11:46 Uhr - von Matthias Jaap
Selbstzensur eines Modemagazins: Die Iran-Ausgabe: Gizmodo-Autor schreibt offenen Brief an Apple

Gizmodo-Autor Jesus Diaz schreibt einen offenen Brief an Steve Jobs - darin kann es doch nur um den iPhone-Prototypen gehen? Falsch, denn es geht um den App Store, beziehungsweise die Zensur, die auch Verlage bemängeln.

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Denn wenn man ehrlich ist, führt kein Weg an der iPhone-OS-Plattform vorbei - zum einen, weil Apple gute Arbeit geleistet hat und zum anderen, weil die Konkurrenten schlicht unfähig waren, einen gleichwertigen App Store aufzubauen. Es bliebe für Unternehmen noch das Web - das sieht auf dem iPhone und iPad zwar gut aus, aber der Fokus liegt auf den Apps.

Diese Apps unterliegen der Kontrolle von Apple, sowohl in technischer Hinsicht (Verwendung von Xcode, keine Nutzung von Entwicklungswerkzeugen Dritter) als auch inhaltlich (Satire, nackte Haut sind problematisch) gibt es Einschränkungen. Diese werden teilweise offen dokumentiert, teilweise nicht - gerade Satire ist stets ein Streitthema.

Diaz warnt Apple davor, die derzeit starke Position durch übermäßige Zensur zu verspielen. Apple habe eine erneute Chance, den Computer mit dem iPad neu zu definieren. Mit wahlloser Zensur könnte Apple aber diese Chance auf Dauer verspielen. Statt die Altersfreigabe von Apps zu nutzen, werden lieber Apps entfernt.

Hintergrund ist die iPad-Ausgabe des britischen Modemagazins Dazed & Confused. Dazed & Confused soll diese Ausgabe intern die „Iran-Ausgabe” genannt haben, aufgrund der Parallelen in der Zensur von nackter Haut im iranischen Staat und im App Store. Das Magazin hat sich selbst zensiert, aber dies wird sicherlich eine einmalige Sache bleiben müssen. Für Werbekunden ist das schwierig, auch wenn es die erste Zeit sicher witzig wäre, wenn der Badehosen-Adonis mit einem Arm zwei Kaiserpinguine vor seine Brust hält und dabei versucht, einigermaßen männlich auszusehen.

Der offene Brief läuft im Grunde auf eine alte Forderung hinaus: Klar definierte Regeln, was im App Store erlaubt ist und was nicht. Die Debatte darum ist so alt wie der App Store, wobei gerade ein international bekanntes Modemagazin vermutlich wenig von Apple zu befürchten hätte – die Playboy-App ist noch im App Store und Apple dürfte es kaum wagen, die berühmte „Swimsuit Edition” von Sports Illustrated abzulehnen. Problematisch ist, dass man sich als Verleger nicht darauf verlassen kann und neue Regeln teils rückwirkend auch auf bereits zugelassene Apps angewendet werden.

Etwas lächerlich macht sich Diaz aber mit Verweisen auf den ersten Mac-Werbespot und die „Think Different”-Kampagne. In den späten 70ern und frühen 80ern waren eine Menge Firmen „cool”. Firmen wachsen, die IT-Welt verändert sich und je nach Wetterlage sind dann eben mal IBM, mal Microsoft, Apple oder Google „böse”.

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