Durch das iPad könnte Buch-Verlagen ein gleiches Schicksal ereilen wie zuvor den Platten-Verlegern durch das Internet. Der japanische Star-Autor Ryū Murakami veröffentlicht jetzt selbst sein neuestes Buch als App direkt über iTunes und verärgert damit seinen Verleger in Japan.
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Wie die Zeitung „Nikkei“ berichtet, erscheint jetzt der Roman „Utau Kujira – Ein singender Wal“ (iTunes) von Ryu Murakami als App auf dem iPad. Die elektronische Version wartet zudem multimedial mit Videos und Musik von Oscargewinner Ryuichi Sakamoto auf. Die App kostet 1.500 Yen beziehungsweise 10,49 Euro. Angeblich sollen 5.000 App-Verkäufe ausreichen, um die Investitionskosten decken zu können. Bekanntlich gehen 30 Prozent der Einnahmen an Apple. Den Rest muss sich Ryu Murakami mit Ryuichi Sakamoto und dem Softwarehersteller der App teilen.
Laut einem Bericht vom Wallstreet Journal umging Murakami durch die Veröffentlichung auf iTunes seinen Verleger. Die US-amerikanische Zeitung beruft sich auf Berichte in japanischen Medien. Weil der Autor seinen Titel bewusst vor dem Termin der Buchveröffentlichung erscheinen läßt, soll es in der Branche brodeln.
Ryu Murakami arbeitet in Japan als Schriftsteller, Drehbuchautor und Regisseur. Den literarischen Durchbruch markiert 1980 sein Roman „Fast durchscheinend blau“, den er auch selbst verfilmte. In Europa wurde er 1992 mit dem Film „Topaz“ („Tokyo Dekadenz“) bekannt, mit dem er auf der Venediger Biennale 1992 Aufsehen erregte und der auch in die deutschen Kinos kam.
Bereits im April erschien in den USA der Titel „Blockade Billy“ von Stephen King einen Monat vor der gedruckten Ausgabe, die beim New Yorker Großverlag Simon and Schuster verlegt wurde, exklusiv auf dem Kindle von Amazon. Zuvor und zur Einführung einer neuen Geräte-Generation des Kindle im Februar 2009 brachte King eine Novelle ausschließlich elektronisch heraus.
Namhafte Autoren nutzen ihre Bekanntheit in der Vermarktung auf neuen Vertriebswegen. Bleibt abzuwarten, ob sich jenseits des Mainstreams Nachwuchs-Autoren etablieren können, indem sie die digitalen Chancen nutzen. So könnte der Albtraum der Verlagsbranche aussehen. Es bleibt spannend.



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