WAS TAUGT APPLES KOMPAKTKLASSE IN DER PRAXIS?

Angefasst und ausprobiert: Das neue MacBook Air im maclife.de-Test

25.10.10 | 17:36 Uhr - von
(Bild: Apple.com)

Alter Wein in neuen Schläuchen? Von Apple vollmundig als „die nächste Generation der MacBooks“ tituliert, sind die Erwartungen der potenziellen Kundschaft groß: Wo haben die Ingenieure angesetzt, um das MacBook Air* zu verbessern? Mac-Life-Redakteur Stefan Molz hat den Selbstversuch gewagt, seine altgedienten Macs temporär eingemottet und zwei brandneue MacBook-Air-Modelle für einige Tage zum seinem hauptsächlich verwendeten Arbeitsgerät auserkoren.

Der erste Eindruck

Zwei Tage nach der „Back to the Mac“-Keynote hielten wir in der Redaktion sowohl das 11,6”-Modell als auch die 13”-Variante des neuer „Air“ in den Händen. Kaum nimmt man die Geräte in die Hand, fällt die hochwertige Verarbeitung ins Auge. Und ja, auch die Scharniere, vormals die Achillesferse des MacBook Airs, wurden überarbeitet: Apple verwendet hier auf den ersten Blick einen ähnlichen Mechanismus wie in der MacBook-Pro-Produktlinie, unschöne Brüche sollten der Vergangenheit angehören.

  • Von oben nach unten: iPad, MBA 11,6" und das MBA 13"
 

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Die vielleicht größte Überraschung: Im direkten Vergleich zu einem iPad trägt das 11,6”-MacBook Air nur unwesentlich mehr auf und kombiniert so die Mobilität des Apple-Tablets mit den Vorteilen eines vollwertigen Notebooks. Dem serienmäßig verbauten Flash-Speicher dürfte geschuldet sein, dass die subjektiv empfundene Geschwindigkeit angenehm hoch ist. Und das wohlgemerkt nicht nur beim Start von Programmen oder dem Speichern großer Dateien, sondern auch und im Besonderen beim Beenden des Ruhezustands oder des noch weniger an der Akkuladung nagenden Stand-by-Modus: Das MacBook Air ist in den uns vorliegenden 2-GB-Modellvarianten tatsächlich quasi unmittelbar nach dem Aufklappen betriebsbereit. Darüber hinaus wird durch die lange Stand-by-Zeit von bis zu 30 Tagen das gezielte Ausschalten zum Stromsparen und dem anschließenden Booten des Betriebsystems zumindest laut dem Kleingedruckten aus dem Hause Apple überflüssig.

Viel Licht, aber auch ein wenig Schatten

Ähnlich wie bereits beim Vorgängermodell, setzt Apple auch bei der neuen MacBook-Air-Generation auf ein keilförmiges Design: Das Gerät nimmt nach hinten an Dicke zu, die damit einhergehende leichte Neigung der selbst beim 11,6”-Modell normalgroßen Tastatur kommt insbesondere bei Vielschreibern gut an – so gut, dass sogar beim Schreiben dieses Artikels inklusive der Arbeit am Bildmaterial nie der Wunsch aufkam, „doch lieber an einem richtigen Notebook“ zu arbeiten: Der große Unterschied zu Subnotebooks und Netbooks liegt hier vor allem in der ausreichend großen und stabilen Handballenablage, die selbst beim kleinen Modell unverkrampftes Tippen zulässt.

Weitere Auffälligkeiten nach dem ersten Wochenende mit der neuen Apple-Kompaktklasse: Das MacBook Air verfügt endlich über ein Stereo-Lautsprecher-System und über einen SD-Slot (letzterer bleibt offensichtlich aus Platzgründen dem 13”-Modell vorbehalten). Auch die zweite USB-Buchse verdient eine lobende Erwähnung: Sowohl an der rechten als auch an der linken Seite lässt sich nun entsprechende Peripherie anschließen.

Auffällig ist die hohe Auflösung der verwendeten Bildschirme – einen mit dem Retina-Display eines iPhone 4 vergleichbaren Effekt hat die dann doch deutlich niedrigere Pixeldichte von 135 ppi (11,6”-Modell) beziehungsweise 128 ppi (13”-Modell) zwar nicht, dennoch ist es insbesondere beim kleinen Modell erstaunlich, wie viel Bildinhalt auf ein so kleines Display passt, so dass auch in Anwendungen wie etwa iPhoto durchaus komfortabel gearbeitet werden kann. Im Gegensatz zu den großen Pro-Modellen ist der Glossy-Effekt des Weiteren nicht so stark ausgeprägt, Apple verzichtet beim Air auf eine schützende (aber eben auch spiegelnde und vor allem schwere) Glasplatte vor dem eigentlichen Display. Ersatzlos weggefallen ist leider die liebgewonnene Hintergrundbeleuchtung der Tastatur und auch die IR-Schnittstelle für die Apple Remote wurde im MacBook-Air-Jahrgang 2010 wegrationalisiert.

  • Der kleine Bildschirm des 11,6"-Modells bietet erstaunlich viel Screen-Estate, durch die im Gegensatz zu den Pro-Modellen fehlende Glasscheibe halten sich zudem störende Reflexionen in Grenzen

Von Preis und Leistung

Das neue MacBook Air ist seinen Preis wert. Das Attribut „günstig“ ist hingegen trotz des niedrigeren Einstiegspreis noch immer Definitionssache, denn im Austausch für seine schlanken Maße musste insbesondere die reine Rechenleistung Federn lassen: Noch immer kommt in fast allen Permutationen des MacBook Air lediglich eine stromsparende Core-2-Duo-Variante mit Taktungen teils deutlich unterhalb der 2-GHz-Marke zum Einsatz.

Tatsächlich darf man sich vom verhältnismäßig niedrigen Einstiegspreis unterhalb der kaufpsychologisch nicht unwichtigen 1000-Euro-Marke nicht blenden lassen: Zumindest die BTO-Option auf 4 statt 2 GB an RAM sollte unbedingt genutzt werden, denn der Arbeitsspeicher lässt sich nach dem Kauf nicht erweitern und RAM kann man selbst in „Standardsituationen“ wie dem Office-, Mail-, und iLife-Einsatz nie genug haben (zumal sich die Grafikhardware ihren Teil von den nicht sonderlich üppigen 2 GB der Standardaustattung abzwackt). Vor dem Kauf sollte ebenso hinterfragt werden, wie viel Speicherplatz man voraussichtlich benötigt, denn auch der integrierte Flashspeicher (wenn auch in potenziell auswechselbarer Modulform ausgeführt) lässt sich nicht nachträglich austauschen oder aufrüsten: Wer seine Dateien hauptsächlich im Netz speichert, kommt vermutlich auch mit 64 GB SSD-Speicher hin, wer jedoch beispielsweise auch mal Fotos bearbeiten und für die Nachwelt speichern will, sollte die Aufstockung auf mindestens 128 GB ins Auge fassen (256 GB an Flashspeicher bleiben übrigens dem 13"-Modell vorbehalten).

  • Der SD-Slot bleibt dem größeren 13"-Modell vorbehalten. Auf der linken Seite, hier nicht im Bild) findet sich bei beiden Darreichungsformen hingegen ein identisches Set an Schnittstellen: Der Magsafe-Anschluss, eine USB-Buchse und Audio-Out (sowie ein integriertes Mikrofon)

Fazit

Das MacBook Air passt seit jeher nur bedingt in Schubladen wie etwa „UMPC“, „Netbook“ oder „Subnotebook“ – Begriffe, die in der Rezeption der Kunden Abstriche in Bezug auf Leistung und Ausstattung suggerieren. Die ultradünnen Apple-Rechner sind hingegen auf jeden Fall deutlich näher an einem vollwertigen Notebook, als man es auf den ersten Blick vielleicht vermutet – Vermutungen, die durch Details wie etwa die durchaus potente Grafikhardware bestätigt werden. Und trotzdem: Für rechenaufwändigere Arbeiten fehlt es Apples Kleinstem an der Extraportion CPU-Puste, die potenteren Pro-Modelle haben weiterhin ihre Daseinsberechtigung. Das MacBook Air ist deshalb auch weiterhin „nur“ der ideale Zweit-Mac für all diejenigen, die viel unterwegs sind und gerne weniger schweres Notebook-Gepäck in den Taschen hätten, denen das iPad zu wenig „Notebook“ ist und unterwegs auf die Rechenkraft ausgewachsener Core-i5/i7-CPUs zu verzichten bereit sind. Kleinere Abstriche und unerfüllte Wünsche muss man jedoch auch dann in Kauf nehmen: Der fehlende FireWire-Anschluss dürfte für den Großteil der Anwender kein Thema (mehr) sein, die fehlende Hintergrundbeleuchtung sorgt hingegen sicherlich für die ein oder andere Träne und ein integriertes UMTS-Modul – zumindest in Form einer BTO-Option – hätte der Flunder unter den Apple-Notebooks gut zu Gesicht gestanden.

Das neue MacBook Air* im Apple Store.

* = Partnerlink

Benchmarks: Geekbench 2.18

Modell Mac Book Pro 15” (late 2008)MacBook Air 11,6” (late 2010)MacBook Air 13” (late 2010)
CPU & Takt Core 2 Duo: 2,4 GHzCore 2 Duo: 1,4 GHzCore 2 Duo: 1,86 GHz
Geekbench Score330719502679

Benchmarks: Cinebench 11.5 (11.529)

ModellMacBook Air 11,6” (late 2010)MacBook Air 13” (late 2010)
CPU & TaktCore 2 Duo: 1,4 GHzCore 2 Duo: 1,86 GHz
GPU320M320M
OpenGL Score10.59bps13.07bps
CPU Score0.75 Punkte1.09 Punkte

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Bild von renderscout

Könnt oder werdet ihr auch noch etwas zur empfundenen Geschwindigkeit der Prozessoren bzw. der Taktung sagen?! Wie wirkt sich zum Beispiel das Arbeiten in bestimmten Standardprogrammen aus. Wie schnell geht das Öffnen und Speichern von Dokumenten, etc.?!

Bild von Little_Big_Joe

Wie ist es bezüglich Lautstärke? Ich habe gehört, dass es schnell überlastet und die Ventilatoren dann ziemlich laut drehen.

Bild von Gast

Hmm also was mit fehlt, wenn es schon so klein und flach ist, wäre ein simkartenschacht für mobiles surfen. Also so wie beim ipad. Das hätte die Sache etwas abgerundet.

Bild von Gast

habe beide neuen produkte im apple store getestet. besonders auf das 11er macbook war ich aus. tatsächlich machen beide produkte einen sehr wertigen eindruck und liegen meilenweit über der qualität der übrigen netbook produkte. das öffnen des bildschirms ist ebenso wertig wie bei meinem 15er pro. fantastisch auch der eindruck der bildschirmauflösung. das ist konkurenzlos. die frage bei allen computern ist ja immer die des zwecks. ich brauche beruflich als fotograf leistungsstarke rechner - dafür sind die airs natürlich nicht gedacht. deshalb verstehe ich die prozessor/leistungsdikussion nicht. für alle anderen aufgaben stehen selbst mit dem 11er keinerlei probleme im weg. wie im artikel beschrieben lassen sich fotos im iphoto wunderbar und schnell (2GB ram) verarbeiten. im 13er sehe ich bis jetzt nicht so viel sinn - vielmehr ist es wohl ein ausblick in die zukunft der apple macbooks. absolute kritikpunkte sind der fehlende sd-kartenslot im 11er, die fehlende tastaturbeleuchtung und der preis.

Bild von MagneticLion

Wie lange ist die Akkulaufzeit in der Praxis?

Bild von Gast

Nach Benchmarks ist das MacBook Air 13" mit der 1,86GHz CPU in fast allen Anwendungen schneller als das 13" MacBook Pro. In wie fern ist dann das 13" MBP ein richtiges Notebook? Mit einem i5 kann man das Air sicher nicht vergleichen, aber mit der oben getätigten Aussage wird dem MacBook und 13" MacBook Pro der Notebookstatus aberkannt.

Bild von stefanmolz

Vergleicht man ein Core-i5/i7-MBP mit einem MBA, wird durchaus ein ordentlicher Performance-Unterschied deutlich. Wer beispielsweise im Bereich Video und Foto auf Leistung angewiesen ist, wird auch nicht zu den kleinen MacBooks und den kleinen MacBook-Pro-Modellen greifen – für diese Bereiche ist auch das MBA nur bedingt geeignet, weil selbst 256 GB an SSD-Speicher doch arg knapp bemessen sind.

Bild von Gast

Bin direkt von einem 13" MacBook mit 2,4'er Prozessor (4GB) auf ein 11,6" MBAir mit 1,6'er Prozessor, 4GB und 128GB SSD gewechselt (Gravis hatte das 1,4'er nicht mit 128GB vorrätig, also das nächst Bessere genommen)
Erfahrung nach 6 Wochen täglichen Einsatz sowohl im Büro (mit 20" externem Bildschirm) als auch zuhause auf dem Schoß:
Ich vermisse das alte, viel schnellere Book keinesfalls, im Gegenteil, das Kleine ist gefühlt sogar schneller! Und der Bildschirm ist super, hat fast die Auflösung des 13" Book.
OK, ich mache keine Videoumrechnung auf dem Kleinen, aber Keynote mit 100+ Folien, Präsentationen, EXCEL, iPhoto (das neue ist nun mal langsamer, egal auf welchem Rechner) und Surfen.
Batterie hält ewig und ist erstaunlich schnell wieder geladen (im Vergleich zum alten Book)
Größter Vorteil: Das Kleine passt (fast) in die Hosentasche, DER Unterschied ist drastisch!

Bild von Gast

11,6" hat offensichtlich keinen Ventilator, ich habe den in 6 Wochen noch NIE gehört.
Batterielaufzeit an die 5 Stunden sind real (Online mit WLAN)

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