Test: Yamaha Vintage Collection

Beat 708.2012 - von Mario Schumacher

Yamaha Vintage Collection

Bewertung:
gut (5.0)
Preis: Channel Strip: 379 Euro, Open Deck: 199 Euro, Stomp Pack: 199 Euro
Hersteller: Steinberg
Alternative: NI Vintage Compressors 199 Euro, IK Multimedia T-RackS Deluxe 379 Euro, Waves Eddie Kramer TTT 300 US-Dollar
erstklassiger, charaktervoller Klang
detailgetreue Simulationen
hohe Flexibilität
intuitive Bedienung
geringe CPU-Last
keine Presets
keine Delay-, Chorus- & Distortion-Pedale
Eckdaten:
• Plug-in-Pakete auf Basis der VCM-Technologie
• Vintage Channel Strip
• Vintage Open Deck
• Vintage Stomp Pack
• Mono- und Stereobetrieb
• Kopierschutz: eLicenser
• 32- und 64-Bit-Unterstützung
• Format: VST 2.4, VST 3, AU

Steinberg und Yamaha konnten sich bereits mit den RND-Portico-Plug-ins als Drittanbieter erstklassiger Simulationen analoger Geräte etablieren. Auch die neue Vintage Plug-in Collection, die sich aus den Paketen "Channel Strip" und "Stomp Pack" sowie der Bandmaschinensimulation "Open Deck" rekrutiert, setzt auf Yamahas Vintage-Circuit-Modelling-Technologie, kurz VCM. Durch eine präzise Reproduktion ihrer Schaltkreise soll das Klangverhalten der analogen Vorbilder bis ins kleinste Detail nachempfunden werden.

Charaktervoller Kanalzug
Das Vintage-Channel-Strip-Paket besteht aus drei für je 149 Euro auch einzeln erhältlichen Plug-ins. Der EQ 601 lässt dabei das typische Klangverhalten des Neve Channel Amplifier aufleben und gestattet mit seinen sechs voll parametrischen Bändern sowohl schmalbandige Korrekturen als auch kraftvolle breitbandige Eingriffe. Die Mittenbänder sind als Glockenfilter ausgelegt, während die beiden äußeren Bänder als Shelving- oder Pass-Filter betrieben werden können. Mithilfe des Drive-Modus können Sie Signalen eine dezente analoge Verzerrung verleihen.
Mit dem Compressor 276 steht dem Entzerrer ein nicht minder charaktervoll klingender Dynamikprozessor zur Seite, der den legendären UREI 1176 Peak Limiter simuliert. Sein kraftvoller, warmer Klangcharakter sowie sein schnelles Ansprechverhalten machen den Stereokompressor zu einer Geheimwaffe für akustische Instrumente und Gesang, mit der sich Signale effektiv verdichten und Transienten hervorheben lassen. Dank drei verschiedener Kompressionstypen und einstellbarer Kennlinie ist auch der Compressor 260 ebenfalls sehr variabel. Ihr transparentes Regelverhalten machen die Emulation des RMS-Kompressors dbx 160A zum Mittel der Wahl, um Signalen wie Gesang auf dezente, musikalische Weise zu mehr Volumen verhelfen.

Virtueller Bandsalat
Hinter dem Vintage Open Deck verbirgt sich ein Stereo-Plug-in mit vier Simulationen analoger Bandmaschinen von Studer und Ampex. Das Plug-in begeistert mit vielfältigen Einstellmöglichkeiten: So können Sie jedes Bandmaschinenmodell als Aufnahme- oder Wiedergabemaschine bestimmen und auf Parameter wie das Alter und die Abspielgeschwindigkeit der Bänder, die Vormagnetisierung und Entzerrung Einfluss nehmen. Bei der Aufnahmemaschine lässt sich dank einstellbarer Eingangsverstärkung auch die Intensität der Bandkompression dosieren, wodurch die Verdichtung von Instrumentengruppen zum Kinderspiel wird.

Softe Tretminen
Nicht nur Gitarristen, sondern auch Sounddesigner und Produzenten kommen bei dem Vintage Stomp Pack voll auf ihre Kosten. Enthalten ist der Max 100 Phaser, eine Reproduktion des MXR-Phase-100-Pedals mit vier verschiedenen Betriebsarten. Dabei wurde sogar das Verhalten des Originals nachgebildet, bei dem sich der Klang auf subtile Weise in Abhängigkeit von der Modulationsgeschwindigkeit verändert. Mit zwei Phaser-Einheiten, zwei LFOs, vier verschiedene Betriebsarten und einstellbarem Routing präsentiert sich der Dual Phaser, der den beliebten Mu-Tron Bi-Phase emuliert, äußerst vielseitig - ein idealer Spielgefährte für psychedelische Klangexperimente.
Der Vintage Phaser stellt hingegen Yamahas Versuch dar, die Vorzüge mehrerer Phaser-Klassiker in einem Effektprozessor in zu vereinen. In der Praxis punktet er mit einer überzeugenden Nachbildung verschiedener Phaser-Typen und seiner enormen Flexibilität. Die zweite universelle Eigenkreation hört auf den Namen Vintage Flanger ist und ist eher auf dezente als auf drastische Flanger-Effekte abonniert. Auch der Wah-Effekt versprüht mit seinem warmen, vollen Klang Vintage-Charme. Er bietet vier verschiedene Effekt-Modi, wobei die Filterfrequenz wahlweise mithilfe eines LFOs, durch den Eingangspegel oder via MIDI beeinflusst werden kann. Dank wähl- und eingrenzbarem Frequenzbereich und einem integrierten Overdrive-Effekt zeigt sich das Wah-Pedal weitaus variabler als viele Mitbewerber.

Fazit
Die Yamaha Vintage Collection beweist eindrucksvoll, dass sich detailgetreue Simulationen analoger Geräte und ein geringer CPU-Bedarf nicht ausschließen müssen. Trotz ihres geringen Leistungshungers brauchen die einfach bedienbaren Werkzeuge den klanglichen Vergleich mit den Simulationen von Universal Audio, Waves oder Softube nicht zu scheuen. Die Effektkreationen legen allerdings etwas weniger Biss an den Tag als ihre analogen Vorbilder, sondern zeichnen sich gerade durch ihre Gutmütigkeit aus. Insbesondere das Channel-Strip-Paket sowie das Open Deck beeindruckten in unserem Test als leistungsfähige Werkzeuge, um Einzelspuren und kompletten Mixen zu der viel zitierten analogen Wärme und einer gehörigen Portion Retrocharme zu verhelfen.
 

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