VIER SYNTHESIZER IN EINEM

Test: Tone2 ElectraX

Beat 3.2011 - von Marco Scherer

ElectraX

Bewertung:
sehr gut (6.0)
Preis: 189 Euro
Webseite:
Hersteller: Tone2
Alternative: Waldorf Largo 229 Euro www.waldorfmusic.de NI Massive 179 Euro www.nativeinstruments.de Synapse Audio Dune 129 Euro www.synapse-audio.com
großes Klangpotenzial
sehr flexible Modmatrix
Beispielpatches per Knopfdruck
ressourcenschonend
Eckdaten:
• vier Synthesizer in einem
• 13 Syntheseformen
• 23 Filtermodelle
• 45 Oszillatortypen
• 18 Effekttypen
• über 1000 Wellenformen
• Sample-Playback
• Wavetables
• drei LFOs
• vier Hüllkurven
• Arpeggiator
• VST-/AU-Plug-in

Ein Access Virus, Waldorf Microwave und Roland TB-303 inspiriertes Plug-in lässt aufhorchen. Ist das der ultimative Synthesizer? Beat hat den ElectraX getestet und prüft, ob auch alles Gold ist, was glänzt.

Der ElectraX beinhaltet vier unabhängige Synthesizer mit jeweils drei Oszillatoren, zwei Filtern, Arpeggiator, vier Hüllkurven, vier LFOs, zehnfacher Modulationsmatrix und Insert-Effekten. Abgerundet wird der Klang durch je einen globalen Effekt sowie einen Equalizer. Jeder Oszillator beherrscht 13 Arten der Klangerzeugung, die sich miteinander kombinieren lassen. Eierlegende Wollmilchsau ist der erste Begriff, der sich aufgrund dieser gewaltigen Ausstattung aufdrängt. Gehen wir ins Detail…

Oberfläche

Trotz der zahlreichen Funktionen kommt die Oberfläche aufgeräumt daher. Die Bedienelemente sind angenehm groß und die verschiedenen Bereiche der Klangerzeugung grafisch gut voneinander getrennt. Die vier Synthesizer besitzen jeweils eine komplett eigene Farbgebung und sind somit gut zu unterscheiden. Wer nicht am Sound schrauben möchte, kann die Oberfläche auf Knopfdruck ins handliche Rackformat schrumpfen.

Die drei Oszillatoren pro Synth sind identisch. Ihre Basis ist einerseits die virtuell-analoge Klangerzeugung mit Ultrasaw-Welle. Doch ebenso stehen auch Fraktal-Synthese, Samples und Wavetables zur Verfügung. Zur Verteilung auf dem Keyboard kann ein Notenbereich bestimmt werden. Oszillator 1 und 2 sowie 2 und 3 lassen sich synchronisieren oder gegenseitig per Frequenzmodulation beeinflussen. Mittels Mix-Regler kann das Signal stufenlos den beiden Filtern zugeführt werden. Pro Oszillator lässt sich ein Sample laden, der Startpunkt justieren und auf Wunsch als Loop abspielen. Gleiches gilt für die Wavetables, wobei sich im Gegensatz zu Samples der Startpunkt durch den PWM-Regler in Echtzeit modulieren lässt.

Fraktalsynthese

„Diese Synthese ist etwas komplett Neues, das es in keinem anderen Konkurrenzprodukt gibt“, so der Entwickler Markus Feil. „Wir simulieren hier die Verhaltensweise von chaotischen analogen Schaltkreisen oder biologischen Organismen. Der Klang ist nicht vorhersagbar, sondern bewegt sich zwischen Ordnung und Chaos.“ In der Praxis erinnert der Klang an frequenz- oder ringmodulierte Sounds und ist eher im experimentellen Sounddesign zuhause.

Das nächste Spielfeld sind die beiden Filter, die gleich diverse Aufgaben erfüllen können. So lassen sie sich nicht nur als Hoch-, Tief- oder Bandpass-Filter verwenden, sondern fungieren auch als Equalizer, Phaser oder Kammfilter. Auch Aliasing oder Ringmodulation stehen auf dem Programm. Dazu kommt jeweils ein Drive-Regler mit wählbarem Klangcharakter.

Effekte etc.

Wie bereits erwähnt, besitzt jedes Synthmodul je vier LFOs und Hüllkurven, die sich in der zehnfachen Modmatrix anderen Quellen wie beispielsweise Modwheel auf ganze 72 Ziele routen lassen. Umfangreicher geht es kaum. Auch bei den Effekten bleiben keine Wünsche offen: Neben den üblichen Verdächtigen wie Chorus, Delay in diversen Varianten und Flanger finden sich auch Kandidaten wie Reverb, Trancegate, Amp-Simulation und ein Kompressor. Alle Effekte lassen sich in Grundwerten an den Sound anpassen.

Nach den bisher gebotenen Möglichkeiten ist klar, dass sich auch der Arpeggiator nicht bloß auf das Abspielen stupider Notenfolgen beschränken wird: So lässt sich neben verschiedensten Akkordbrechungen und Tempi auch stufenlos eine Shuffle- und eine Chord-Funktion aktivieren. Für jeden der bis zu 16 Schritte kann eine eigene Tonlage und Anschlagstärke definiert werden. Des weiteren lässt sich jeder Schritt auch mit einem Slide kombinieren, um beispielsweise 303-typische Muster erzeugen zu können.

Feinschliff

Jeder der vier Synthesizer kann einem bestimmten Notenbereich, Anschlagstärke oder gar einem eigenen MIDI-Kanal zugewiesen werden. So ist es etwa möglich, ein Pad mit einem Arpeggiator zu versehen, Sounds mit rhythmischen Beats zu hinterlegen, Split-Keyboard-Sounds zu erzeugen oder Ensembles zusammenzustellen. Weiterhin lassen sich dank einer Init-Funktion per Knopfdruck vorgefertigte Presets für die verschiedenen Formen der Klangerzeugung kreieren. Klasse!
Der ElectraX kommt mit über 500 kategorisierten Presets, deren Schwerpunkt definitiv im elektronischen Bereich liegt. Die Patches klingen im Gesamtbild sehr weich und analog und demonstrieren eindrucksvoll das vielfältige Klangpotenzial des Plug-ins.

Fazit

Mal ehrlich: Es gibt kaum etwas, das der ElectraX nicht kann. Die Möglichkeiten sind schier grenzenlos, die Bedienung ist einfach und die CPU-Last äußerst moderat. Einsteiger werden dank der Init-Patches an die verschiedenen Synthesen herangeführt und Fortgeschrittene können schier jeden Winkel der Sounds und Synthesen erforschen und bearbeiten. Definitiv empfehlenswert!

 

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