Test: Steinberg HALion 4

Beat 9.2011 - von Vera Schumacher

Halion 4

Bewertung:
sehr gut (6.0)
Preis: 349 Euro (Update: ab 100 Euro)
Hersteller: Steinberg
Alternative: NI Kontakt 4 (379 Euro), Yellow Tools Independence Pro (249 Euro)
leistungsfähige Sampler- und Synthesefunktionen
inspirierende Kreativwerkzeuge
hochwertige Klangbibliothek
gelungenes Effektangebot
hoher Bedienkomfort
Dongle nicht enthalten
Eckdaten:
• leistungsfähiger Sampler
• integrierter virtuell-analoger Synthesizer
• Klangbibliothek mit 1600 Presets
• inklusive der HALion Sonic Library
• anpassbare Bedienoberfläche
• Unterstützung von VST 3.5 und VST Expression
• mächtige MIDI-Werkzeuge
• hervorragender Arpeggiator
• flexibles Signalrouting
• integrierte Mixing-Engine
• 32- und 64-Bit-Versionen
• Format: VST, AU, unabhängig
• Kopierschutz: eLicenser

Das Erscheinen von HALion 3 liegt bereits sieben Jahre zurück – für Software eine halbe Ewigkeit. Gelingt es der vierten Generation, den Platz an der Spitze der Software-Sampler zurückzuerobern?

Bereits das moderne Erscheinungsbild von HALion 4 zeigt deutlich, dass der Software-Sampler komplett überarbeitet wurde. Die optischen Ähnlichkeiten zu HALion Sonic [1] kommen nicht von ungefähr, denn schließlich haben zahlreiche Ausstattungsmerkmale der virtuellen Workstation Einzug in den Sampler gehalten. Neben der von Steinberg gewohnten guten Audioqualität sind die flexiblen Mixer-Funktionen und Signalrouting-Optionen hervorzuheben. Durch die Implementation von VST 3.5 wird nun auch die innovative, in Cubase 6 eingeführte Note-Expression-Technologie für das Bearbeiten von Artikulationsparametern auf Notenebene unterstützt.

Bibliothek

Eine der interessantesten Neuerungen ist, dass HALion nun einen vollwertigen virtuell-analogen Synthesizer mit umfangreichen Einstellmöglichkeiten integriert. Die Möglichkeit, Samples mit zeitgemäßen Synthesizerklängen zu kombinieren, eröffnet Ihnen ein spannendes Experimentierfeld. Aber auch Benutzer, die keine eigenen Klänge erschaffen möchten, kommen dank der über 1600 Sounds umfassenden Klangkollektion voll auf ihre Kosten: An Bord sind zahlreiche Samples akustischer und elektrischer Instrumente sowie eine Vielfalt elektronischer Klänge. Neben der kompletten HALion-Sonic-Bibliothek sind auch exklusive neue Klänge enthalten, wobei 33 Sounds von der Note-Expression-Technologie Gebrauch machen. Ein dickes Lob verdienen überdies die ausdrucksstarken Multi-Programme, mit denen sich zum Teil komplette Arrangements erzeugen lassen.

 

Filter und Effekte

Für ein Plug-in, das in der ersten Liga der Software-Sampler mitspielen möchte, sind umfassende Klangbearbeitungsfunktionen natürlich Pflicht. Die flexible Filterabteilung wartet mit einer Vielzahl an Modellen inklusive verschiedener Verzerrer sowie Effekte zur Bit- und Sampleraten-Reduktion auf, wobei die Morphing-Filter eine Geheimwaffe für lebendige Klangmanipulationen darstellen. 44 hochwertige Effekte warten ferner darauf, Ihre Klänge zu veredeln oder auch zu zerstören. Das Angebot beinhaltet Modulations-, Hall- und Delay-Effekte, darunter der Faltungshall REVerence mit einer großen Sammlung an Impulsantworten, Equalizer, Dynamikprozessoren, Verzerrer sowie Panner- und Routing-Effekte.

 

Kreativschub

Ein echtes Highlight ist zudem der bereits aus HALion Sonic bekannte FlexPhraser, ein intelligenter Arpeggio- und Phrasen-Player, der sich in unserem Test als überzeugende Software-Umsetzung von Yamahas Motif-Technologie beweisen konnte. Seine Sequenzbibliothek deckt ein eindrucksvolles Spektrum komplexer Phrasen von klassischen Arpeggios über rhythmisches Gitarrenspiel bis hin zu Schlagzeug-Grooves ab. Mithilfe der virtuellen Trigger-Pads können Sie zwischen bis zu acht Phrasenvariationen umschalten. Mit dem innovativen MegaTrig-Modul lassen sich ganz ohne Scripting verschiedene Artikulationen und Spieltechniken programmieren.

 

Praxis

Mit seiner umfangreich anpassbaren Bedienoberfläche zeigt sich der Sampler bestens für alle Anforderungen zwischen Laptop- und Multi-Monitor-Betrieb gewappnet. Aufgrund seiner Komplexität kann er für Einsteiger allerdings etwas erschlagend wirken, sodass eine vereinfachte Editorseite wünschenswert wäre. Abgesehen von diesem kleinen Manko überzeugt die neue Generation des Kreativwerkzeugs dank durchdachter Funktionen wie einer Undo-Historie und einer komfortablen Soundverwaltung mit Suchfunktion auch in Sachen Bedienkomfort. Die sogenannten Quick-Controls gestatten die Fernsteuerung aller Sound- und Effektparameter mithilfe der Host-Automation oder eines MIDI-Controllers. Eine große Stärke von HALion war immer seine weitreichende Kompatibilität zu einer Vielzahl gängiger Sample-Formate. Lediglich eine Importfunktion für AKAI-CDs vermisst man in Version 4. Auch das Importieren und Mappen von Sounds geht schnell und komfortabel von der Hand.

 

Fazit

Dank zahlreicher kleiner und großer Innovationen hat sich HALion von einem Sampler zu einem mächtigen Kreativkraftwerk gemausert. Mit seinen leistungsfähigen Sampling- und Synthesefunktionen, seiner vielseitigen Klangbibliothek, spannenden MIDI-Werkzeugen wie dem inspirierenden FlexPhraser sowie hochwertigen Effekten spricht es gleichermaßen Komponisten, Musiker und Produzenten an. Auch in puncto Bedienkomfort hat die leistungsfähige Klangworkstation einen großen Evolutionssprung vollzogen. HALion 4 zeigt sich nicht nur auf der Höhe der Zeit, sondern auch bestens für die Anforderungen der Zukunft gewappnet.

 

[1] Test in Beat 10|2010, nachzubestellen im www.falkemedia-shop.de

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