NEUES VON SENNHEISER

Sennheiser HD 700: High-End-Kopfhörer angekündigt

12.01.12 | 14:49 Uhr - von Kai-Uwe Heuer
(Bild: www.sennheiser.com)

Sennheiser leitet das neue Jahr mit einem Produkt der Spitzenklasse ein und präsentiert den offenen Kopfhörer Sennheiser HD 70. Dieser soll erstklassigen Sound mit innovativem Design kombinieren. Der Kopfhörer wird aufgrund des hohen Preises sehr wahrscheinlich an einfache HIFI-Liebhaber oder Homerecorder vorbeigehen und eher Profis und Klangfetischisten ansprechen.

Bei dem Sennheiser HD 700 wurden die Membranen so gefertigt, dass die Schallwellen in leichter Schräglage auf das Ohr treffen, wodurch ein natürliches Hörerlebnis resultieren soll. Damit der Bass nicht zu sehr in die Knie geht, wurde der Kopfbügel mehrschichtig aufgebaut. Das Herz des Neulings sind laut Hersteller die Duofol-Schallgeber (40 mm Durchmesser). Diese Neodym-Magnetsysteme versprechen ein sehr realistisches Klangbild bei einem Frequenzgang von 10 Hz bis 42 kHz und sind aufgrund der offenen Bauweise direkt sichtbar.

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Die Verzerrung des Sennheiser HD 700 liegt laut Hersteller bei weniger als 0,03 Prozent, was einerseits durch das belüftete Magnetsystem begründet wird und andererseits mit einem speziell geformten Gewebe zusammenhängen soll, welches den Klirrfaktor deutlich reduziert.

Die Sennheiser HD 700 werden voraussichtlich ab März zum Preis von 1000 US-Dollar im Fachhandel erhältlich sein.

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Bild von Gast

In dieser Besprechung möchte ich möglichst knapp auf viele Kriterien eingehen, die ein möglichst differenziertes Bild und somit Entscheidungshilfe ergeben sollen.

Zu meiner Hörerfahrung:
Ich bin Klassikliebhaber (Jahrzehnte des Vergleichens von Interpretationen, Aufnahmetechnik), habe viele Jahre in der Klassik-Tonträgerbranche gearbeitet, bin Dirigent eines Amateurorchesters und produziere selbst CDs für den Pianisten Michael Nuber in Schwäbisch Gmünd (Aufnahme Abmischung usw.).

Anwendung des Kopfhörers und verwendete Geräte:
Ich nutze den Kopfhörer zum Abmischen und Schneiden der eigenen CDs und zum reinen Vergnügen: Hören zuhause am alten hochwertigen Sony CD-Spieler „X 777 ES“ (ohne Kopfhörervorverstärker!) und Spazierengehen in der Natur mit einem ebenfalls alten Sony „Discman ESP²“. Auf diese drei Anwendungen und meine verwendeten Geräte beziehen sich meine Vergleiche!

Technische Besonderheiten:
Beide Kopfhörer verwenden eine schräge Einlagerung der Lausprecher in die Hörmuschel, was einen noch natürlicheren (eher von vorne kommenden) Höreindruck erzeugen soll. Ein wahrnehmbarer Effekt, wenn auch nicht so gravierend, wie man sich vielleicht vorstellen mag. Die Größe der Lautsprecher sind im Durchmesser beim HD 800 innovative ca. 5,5 cm, beim HD 700 etwas mehr als 4 cm. Der HD 700 ist somit noch ein eher gewohnter Kopfhörer, der HD 800 verweist in eine neue Richtung. Mal sehen, was da als Entwicklung noch kommt…!

Übersicht:
Beide Sennheiser-Kopfhörer (HD 700 und HD 800) sind absolute Spitzengeräte und deutlich klarer und Detailfreudiger als das bisherige Sennheiser Spitzenmodell HD 350 (das aber einen angenehm verhangenen natürlichen vollen Klang, allerdings mit etwas Bassbetonung hat)! Viele andere Marken, auch gefeierte wie z.B. Prado oder AKG, sind entweder dünner im Klang oder haben stärkere Klangverfärbungen, so dass akustische Instrumente, Orchester oder Stimmen in ihrer Charakteristik nicht natürlich wiedergegeben werden. Von der Natürlichkeit des Klangs her erschien mir im Vergleich der Beyer T1 auch sehr gut.

EN DETAIL HD 700 VERSUS HD 800:

Klang – extrem(!) kritisch betrachtet:
Der HD 700 hat einen minimal(!) „blechern-scharfen“ „eingesperrten“ Klang, was aber wohl nur im Direktvergleich mit dem HD 800 oder einer sehr guten Anlage auffallen wird! Der 800 hat wohl eine ganz leichte Höhenanhebung, die bei „ungünstigen“ Aufnahmen sogar etwas stören kann, ist aber in Farbechtheit, Stabilität in höheren Lautstärken und verzerrungsfreier entspannter Darstellung phänomenal! BEIDE Kopfhörer lassen klanglich alles bis zu 1000.- € Grenze hinter sich, vielleicht ja sogar darüber hinaus… Aber DAZU kann ich nichts sagen.

Auflösung und Räumlichkeit:
Die räumliche Abbildung (Ortbarkeit) der Schallquellen ist beim HD 700 ausgezeichnet, beim HD 800 unglaublich. „Erkauft“ wird das beim HD 800 durch ein kühleres distanzierteres Klangbild - eben sehr analytisch, wo der 700 etwas wärmer erscheint. Das liegt sicher auch daran, dass beim 700 die Instrumente allesamt wegen des geschrumpften Raums (besonders fehlt die räumliche Kuppel des 800 über allem!) näher (greifbar) erscheinen. Bei aktuellen hochwertigen Aufnahmen kann das Klangbild des 800 sehr willkommen sein, bei etwas älteren (z.B. mit wenig Tiefenstaffelung) kann das schnell sehr dünn, unfarbig und nichtssagend wirken. Hier stellt sich die Frage, welche Aufnahmen man überwiegend hört. Für Freunde der großen alten Klassikinterpreten der 50ziger bis 80ziger Jahre würde ich den HD 700 empfehlen, da dieser selbst noch wesentlich ältere Aufnahmen aus den 30ßigern und 40zigern äußerst lebendig und ansprechend zum Klingen bringt! Das führt direkt zum nächsten Punkt…

Präsenz Lautheit Lebendigkeit Hörerlebnis:
Die nähere Abbildung und evtl. etwas mehr Bass steigern das emotionale Hörerlebnis beim HD 700 gegenüber dem eher distanziert analytischen HD 800. Die Präsenz erscheint eben durch das Empfinden von mehr Nähe bei HD 700 u.U. stärker als beim HD 800, und die Lautheit (wie weit man am Kopfhörerausgang aufdrehen muss – ist besonders für einen schwachbrüstigen Discman entscheidend!) ist beim HD 700 (150 Ohm gegenüber 300 Ohm beim HD 800) deutlich stärker! Der HD 700 lässt dem Betriebsgerät also mehr Reserven, was sich besonders im Freien am Discman und generellem Hören ohne Kopfhörervorverstärker (Kostenpunkt für Lehmann 700.-€, und es gibt noch teurere!) als sehr vorteilhaft erweist!

Tragekomfort:
Hier gibt´s ein deutliches Minus für den HD 800! Anderslautenden Aussagen zum Trotz empfinde ich (und alle meine „Testpersonen“) den HD 800 als schwer. Eine Feder drückt die Muscheln auf die Wangenknochen und dennoch sitzt der Hörer nicht wirklich fest (wobei ich wirklich einen eher breiten Kopf habe!). Er hat die Tendenz zu verrutschen. Kopfsenken oder schnell drehen ist nur bedingt möglich. Der Bügel über den Kopf ist definitiv zu schwach gepolstert und drückt mit der Zeit ziemlich. Das alles zusammen führt (besonders in Bewegung oder beim Arbeiten) schnell zu Nackenverspannungen und Kopf- und Kiefermuskelschmerzen.
ALLE diese Punkte wurden beim HD 700 mit Verbesserungen bedacht! Trotz des geringen Gewichtsunterschieds zum HD 800 ist der HD 700 so angenehm zu tragen, dass man schnell vergisst, ihn überhaupt auf dem Kopf zu haben! Der Andruck der Muscheln ist deutlich, aber nicht unangenehm – und die geniale Muschelkonstruktion, die nicht die Ohren berührt und diese somit auch nicht heiß macht, ebenso vorhanden wie beim HD 800!

Preis – Leistung:
Der HD 800 ist mit 999.-€ sicherlich schon durch das Innovative sein Geld wert, der HD 700 mit 699.-€ auch nicht grade billig. Entscheiden sollten eher drei andere Punkte: Höre ich hauptsächlich neuere audiophile Aufnahmen? Wie empfinde ich den Tragekomfort? Nutze ich den Kopfhörer mit einem sehr guten Vorverstärker?

Mein persönliches Fazit:
Wenn der HD 800 angenehmer zu tragen wäre, etwas höhere Lautheit hätte und die Höhen eher minimal absenken als anheben würde, wäre meine Entscheidung kaum zu treffen gewesen. Aber so – trotz etwas schwächerer Räumlichkeit: Meiner Meinung nach zollt der HD 700 bei moderaterem Preis ohne sehr teure Highendgeräte letztlich durch seine Vielseitigkeit dem „Erlebnis Musik“ mehr Tribut als der HD 800. Das sollten Sie aber selbst testen und erleben! Geben sie beiden Hörer 30 bis 50 Stunden Einspielzeit (kann ja auch nachts auf Repeat-Einstellung ohne Zuhörer sein!

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